01. April 2016

RezensionThierry Baudet: Der Angriff auf den Nationalstaat

Sachbuch

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Als Bürger der Bundesrepublik Deutschland liest man dieses Buch nicht ohne einen gewissen Neid. Da gibt es in den Niederlanden doch tatsächlich einen Autor, der, ausgestattet mit einer umfassenden historischen und juristischen Bildung, das Projekt der europäischen Eliten zerpflückt, der ein intelligentes Plädoyer für den Nationalstaat abliefert und der in unserem Nachbarland nicht etwa totgeschwiegen und ausgegrenzt wird, sondern in den Medien als gefragter Meinungsführer gerne gesehen ist. Thierry Baudet, Jahrgang 1983, hat bereits sechs Sachbücher über Philosophie, Politik und Geschichte veröffentlicht, über klassische Musik geschrieben und einen Roman verfasst. Im vorliegenden Band erzählt er die Entstehung des Nationalstaates, beschreibt den planmäßigen Angriff auf die Nationalstaaten, auch mittels supranationaler Gerichtshöfe und Organisationen, und legt schließlich ausführlich dar, warum er die Nation für unverzichtbar hält. Er zitiert Max Weber mit dem bekannten Satz, dass der Staat das Monopol legitimen physischen Zwanges innehabe, und fügt hinzu, „dass es letztlich zwischen einem Staat und einem Gefängnis keinen konzeptuellen Unterschied gibt“. Das wird jeden Libertären freuen. Den Multikulturalismus bezeichnet Baudet als integralen Bestandteil des Angriffs auf den Nationalstaat. Denn er verneine, dass eine Gesellschaft gemeinsame Werte und eine Leitkultur haben müsse. Anderes Zitat: „Ein Staat hört jedoch erst auf, souverän zu sein, wenn er nicht länger das Recht hat, sich aus internationalen Verpflichtungen zurückzuziehen.“ Ketzerischer Gedanke: Hat Deutschland das Recht? Ein brillantes Buch mit einer sehr mäßigen Übersetzung ins Deutsche, wofür freilich nicht der Kopp-Verlag verantwortlich ist. Der niederländische Verlag hatte sich vorbehalten, selbst die Übersetzung zu besorgen. Gleichwohl: Das Buch ist so anregend und tiefschürfend, dass man diesen Mangel in Kauf nehmen kann.

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