29. März 2016

RezensionFranz Uhle-Wettler: Der Krieg

Gestern – heute – und wie morgen?

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Der Autor, Franz Uhle-Wettler, Historiker und Bundeswehroffizier außer Dienst, stellt klar, dass der Umfang des Themas dessen bis in alle Einzelheiten gehende Aufarbeitung nicht zulässt. Er beschränkt sich auf „Landmarken“. Gestützt auf Zitate von Philosophen, Kirchenmännern, Historikern und Politikern, beschreibt er das Wesen des Krieges von der Vorzeit bis in die Gegenwart, um mit einem Ausblick auf mögliche künftige Entwicklungen zu schließen. Nur langsam bilden sich zu Beginn der menschlichen Zivilisation Regeln heraus, unter denen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Gruppen stattfinden. Diese Regeln gelten nur im Krieg gegen solche Feinde, die dem gleichen Kulturkreis zugerechnet wurden, nicht im Kampf gegen „Barbaren“. Unter dem Einfluss des Christentums entsteht die Idee vom „gerechten Krieg“, die über viele Jahrhunderte hin das Denken und Handeln bestimmt. Stets indes liegt die Beurteilung dessen, was als „gerecht“ empfunden wird, im Auge des Betrachters. „Kreuzfahrerisches Denken“ – die Verabsolutierung des Werts der eigenen Sache und die Vorstellung vom Kampf des Guten gegen das Böse – führen zu den schlimmsten Grausamkeiten, die vor dem Gewissen nur allzu leicht zu rechtfertigen sind. Erst das moderne Völkerrecht unterwirft den Krieg einer Regelung unter Gleichen. Die Einsicht, dass es Fälle gibt, in denen beide Kriegsparteien sich im Recht wähnen, bedingt die Überwindung der Idee des gerechten Krieges. Deren Wiederauferstehung erblickt der Autor mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als die späteren Sieger ihrem Feind das Menschsein absprechen. Der „Friedensvertrag“ von 1919 wird nicht unter Gleichen verhandelt. Er trägt alle Merkmale eines Strafurteils. Seither wird Krieg wieder mit dem Anspruch der Überlegenheit der eigenen Moral geführt. Für Neutralität bleibt da kein Platz. Ronald Reagans Rede vom „Reich des Bösen“ und George W. Bushs Aussage: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ belegen dieses Denken. In der nächsten Zukunft wird sich daran nichts ändern.


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