03. März 2016

Dokumentation eines Gesprächs zum ef-Jungautorenwettbewerb „Gott sei Dank, wieder ein Staatsmann weniger!”

Ein Interview des Mises Institut Deutschland mit André F. Lichtschlag

Artikelbild
Bildquelle: Wikimedia commons Ein Name wie eine Kampfansage: Julius Faucher

Herr Lichtschlag, als Gründer und Herausgeber der Zeitschrift eigentümlich frei haben Sie jetzt einen Jungautoren-Wettbewerb für Unter-30-Jährige ins Leben gerufen. Worum geht es dabei? Was gibt es zu gewinnen?

Wir stellen zwei Themen zur Auswahl, wozu die jungen Leute einen Artikel schreiben können. Der erste Themenvorschlag lautet „Mehr Sicherheit: Privat statt Staat“. In einem Format freier Wahl von Glosse bis Interview darf dieses Thema in seiner Gesamtheit oder ein einzelner Aspekt wie zum Beispiel privater Waffenbesitz oder ein einzelnes Gebiet wie Grenzsicherung herausgegriffen werden. Die zweite zur Wahl stehende Fragestellung heißt: „Brauchen Libertäre Blumen, Lieder und Fahnen?“ Dabei beziehen wir uns, wie Sie sicher ahnen, auf ein recht bekanntes Zitat von Ludwig von Mises aus dem Jahr 1927. Mises schrieb damals in seinem Buch „Liberalismus“: „Rhetorisches Wortgepränge, Musik und Gesang erklingen, Fahnen flattern, Blumen und Farben dienen als Symbole. Der Liberalismus hat keine Parteiblume und keine Parteifarbe, kein Parteilied und keine Parteigötzen, keine Symbole und keine Schlagworte; er hat die Sache und die Argumente. Die müssen ihn zum Siege führen.“ Wir stellen aber fest, dass bis heute der Liberalismus trotz hervorragender Argumente nicht zum Sieg geführt wurde. Und deshalb fragen wir: Liegt es vielleicht an den fehlenden Blumen, Liedern und Fahnen? Zu diesem zweiten Thema sollte von den jungen Leuten ein Essay eingesandt werden. Oder eben zu einem selbst konkretisierten Bereich innerhalb der ersten Vorgabe ein Artikel in einem Format freier Wahl. Wichtig: Die Länge muss so oder so 6.000 bis 8.000 Zeichen inklusive Leerzeichen betragen. Einsendeschluss ist der 31. März 2016, am einfachsten per Email mit Dateianhang an lindhoff@ef-magazin.de. Was wir zum Artikel benötigen sind noch Name, Anschrift und Geburtsdatum.

Jeder eingesandte Beitrag wird mit einem elektronischen ef-Schnupperabo – drei Monate Zugang zu allen Online-Inhalten und allen erschienenen Heften in digitaler Form – belohnt. Den besten zehn Autoren möchten wir einen kostenlosen Platz in einem für Januar 2017 geplanten mehrtägigen ef-Seminar für junge Autoren anbieten. Die besten Aufsätze werden zudem in eigentümlich frei veröffentlicht. Und der Sieger wird mit einem dafür geschaffenen neuen Preis ausgezeichnet, den wir fortan jährlich verleihen möchten, nämlich der Julius-Faucher-Medaille.

Julius Faucher – den wird nicht jeder kennen…

… aber den sollte jeder kennenlernen! Genau diese Idee steckt auch hinter unserer Namenswahl. Der Journalist Julius Faucher lebte von 1820 bis 1878, er war vermutlich der erste Anarchokapitalist in Deutschland. Faucher war im Jahr 1850 für ein paar Monate Herausgeber der „Berliner Abendpost“, einer kleinen Tageszeitung, die als freihändlerisches Kampfblatt galt und dann recht schnell von der preußischen Zensur unterdrückt wurde. Später war Faucher Sekretär Richard Cobdens in England – also quasi die deutsche Feder des Manchester-Liberalismus. Wiederentdeckt hat diesen Julius Faucher der amerikanische Historiker Ralph Raico in seinem wunderbaren Buch „Die Partei der Freiheit: Studien zur Geschichte des deutschen Liberalismus“. Um zu verstehen, warum die preußische Zensur den Postversand der „Abendpost“ untersagte und wie radikal der junge Faucher tatsächlich war, reicht es aus, zu zitieren, was er in der „Abendpost“ schrieb, als gerade ein Politiker verstorben war: „Gott sei Dank, wieder ein Staatsmann weniger!” Wohlgemerkt: im Jahr 1850!

Ein Name also wie eine Kampfansage!

Ja, gerade heute ist es nötig, junge Menschen mit „dem Geist“ Julius Fauchers zu befeuern. Denn uns ist aufgefallen, dass einige der bestehenden liberalen und libertären Angebote für Schüler und Studenten doch eher Schlaftabletten gleichen. Da ist man zuweilen sehr darum bemüht, geschmeidig angepasst oder „anschlussfähig“ ans Establishment zu sein. Manche solcher Treffen muten eher an wie Kongresse von Nachwuchs-Staubsaugervertretern – da versammeln sich junge Menschen, die Parteien und Politik richtig klasse finden, die sich aus Karrieregründen vernetzen wollen, um später einen guten Posten in der EU-Bürokratie zu bekommen. Das hat mit Liberalismus natürlich so viel zu tun wie der Zombie FDP in seinem seit Jahrzehnten anhaltenden Endstadium. Oder anders ausgedrückt: Es ist die Liberallala-Schrumpfform von nach links weit offenen Teletubby-Libertären. Und ja, insofern ist der Name Julius Faucher durchaus eine Kampfansage. Wir möchten junge Menschen wieder für die Freiheit begeistern, die immer auch Herrschafts- und Staatskritik ist. Julius Faucher hätte zum Beispiel Political Correctness verachtet. Und er wusste bereits damals vor der Erschaffung des heutigen Wohlfahrts-, Überwachungs-, Betreuungs-, Betrugs- und Umverteilungsmonsters namens moderner Staat: Politik ist nicht die Lösung, sondern das Problem!

Zu diesem Zweck bereiten Sie ein Seminar für junge Teilnehmer vor?

Ja, das Wecken von Begeisterung für die liberalen und libertären Ideen und die Lehre und Festigung derselben soll die eine Hälfte des Seminars bestimmen. Gestatten Sie bitte noch eine Bemerkung dazu: Am vergangenen Wochenende fand zum vierten Mal in Waghäusel-Kirrlach das Roland-Baader-Treffen statt. Der Wiener Philosoph und Unternehmer Rahim Taghizadegan hat dort eine bemerkenswerte Rede über Generationenmentalitäten gehalten, die mich noch optimistischer als vorher schon gestimmt hat. Die jungen Menschen sind demnach, was die Versprechen der Ideologen betrifft, anders als ihre Vorgängergenerationen heute weitgehend desillusioniert. Sie lassen sich auch nicht mehr so einfach mit Worten betrügen. Und die erwähnten linksoffenen Schrumpfliberalen, die glauben, dass die Jugend heute immer noch irgendwie „links“ und in diesem Sinne „fortschrittlich“ ticke, liegen völlig daneben. Alle Untersuchungen zeigen nämlich, dass gerade die in meiner Jugend noch sehr verrufenen sogenannten „rechten Tugenden“ wie Fleiß, Sparsamkeit, Tapferkeit und Verlässlichkeit sowie die Institutionen der natürlichen, freien, sozialen Ordnung – Privateigentum, Familie, Tradition und Religion – gerade jungen Menschen zunehmend wieder teuer und wichtig werden. Unsere Chancen stehen also nicht schlecht.

Sie wollten noch von der anderen Hälfte des Seminars berichten.

Ja, diese andere Hälfte wird sich um Schreibtechnik und Autorenschulung bewegen. Wir haben im letzten Jahr sehr spontan und mit kurzer Frist eine Vorform dieses Jungautorenwettbewerbs durchgeführt und bereits dabei gesehen, dass viele noch weitgehend unentdeckte Schreibtalente nur darauf warten, Erfahrung und weitere Kenntnisse zu sammeln. Der Sieger im letzten Jahr, Dominik Ešegović, erwies sich sogar als ein echter Rohdiamant, der auf unserer großen Liberalismus-Konferenz auf Usedom im Herbst letzten Jahres bereits eine hervorragende und sehr humorvolle Rede gehalten hat. Ich bin zuversichtlich, dass wir in ein paar Jahren Dutzende solcher Perlen geborgen und gefördert haben werden.

Abschließend: Soll das geplante Seminar dann auch zukünftig regelmäßig stattfinden?

So ist es. Wir suchen dazu noch Sponsoren, aber ich bin zuversichtlich, dass uns auch dies gelingen wird.

Vielen Dank, Herr Lichtschlag.

Dieses Interview erschien zuerst auf der Seite misesde.org.


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