23. Februar 2016

Simbabwe Anleitung zur Herstellung eines Pleitestaates

Mugabes Kommandowirtschaft hat das Land zugrundegerichtet

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Bildquelle: shutterstock Heruntergekommen trotz Naturreichtümern: Simbabwe

In der ersten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages nach der Vereinigung wurde ich von unserer Bundestagsgruppe Bündnis90/Grüne zu einem Staatsempfang geschickt, den der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker für den Staatschef von Simbabwe, Robert Mugabe, gab. Ich kannte Mugabe nur als beinharten Kommunisten und war neugierig, wie Weizsäcker ihn empfangen würde. Doch statt noch so moderater kritischer Töne hörte ich nur höchstes Lob.

Bei Mugabe handele es sich um „einen besonnenen, um Ausgleich bemühten Politiker“. Dabei hatte damals die entschädigungslose Enteignung von weißen Farmern schon begonnen, und die Schäden, die Mugabes Kommandowirtschaft im Land anrichtete, waren bereits deutlich erkennbar. In seiner viel zu langen Amtszeit hat Mugabe aus einem mit vielen Naturreichtümern gesegneten Land einen Pleitestaat gemacht. Wenn der Diktator hoffentlich bald von der höchsten Macht abberufen wird, müssen die Ursachen des Niedergangs seines Landes genau analysiert werden. Deshalb verweise ich gern auf einen Text von Martin Schmidt, der sich Simbabwe schon mal vorgenommen hat: „Zu Beginn der 90er Jahre begann dann die folgenschwere Umsetzung der Bodenreformpläne und nahm bis Ende des Jahrzehnts zusehends extremere Formen an. In der Theorie existierte zunächst das Konzept des ‚freiwilligen Verkaufs‘, mit dem schwarze Bewohner für das den weißen Siedlern angelastete Unrecht des Landraubs entschädigt werden sollten. Mugabe selbst sagte dazu: ‚If white settlers just took the land from us without paying for it, we can, in a similar way, just take it from them without paying for it.‘ (Wenn weiße Siedler uns einfach das Land weggenommen haben, ohne zu bezahlen, können wir auf ähnliche Weise ihnen einfach das Land wegnehmen, ohne zu bezahlen.)

Doch nicht die eher geeigneten schwarzen Landarbeiter der weißen Alteigentümer bekamen letztlich den Großteil der Flächen übereignet, sondern Angehörige von Mugabes Sippe, frühere Genossen aus der kommunistischen Kampfzeit oder andere Parteigänger des Diktators, die in der Regel keinerlei landwirtschaftliche Vorbildung aufwiesen. Im Jahr 2000 besaßen rund 4.000 Großfarmer, davon annähernd zwei Drittel Profiteure der Landreform, ungefähr 70 Prozent des zu bewirtschaftenden Landes. Statt der vielbeschworenen Umverteilung zugunsten zahlreicher armer schwarzer Landloser kam es also zu einer Bereicherung weniger schwarzer Privilegierter. Manche Minister der Mugabe-Regierung rissen sich gleich mehrere der zu Statussymbolen degradierten, bis dato blühenden Farmen unter den Nagel.“

Martin Schmidt, „Von Rhodesien nach Simbabwe: Hintergründe eines beispiellosen Abstiegs – Teil 2: Pleitestaat trotz Perspektiven“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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