13. Januar 2016

Flüchtlinge Wen und was braucht unser Land?

Die Chancen der Krise

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Bildquelle: shutterstock Unwahrscheinlich für viele: Wohlstand im Rentenalter

Noch immer behaupten Politiker, die Altersvorsorge sei uns sicher. Mal ehrlich: Glaubt Ihr das? Höchstwahrscheinlich werden wir im Alter Geld vom Staat erhalten, ja, doch dass es zum Leben reicht, dass alle Kosten des täglichen Bedarfs gedeckt werden können, ist unrealistisch. In Österreich ist die Situation besonders schlimm, ich habe die Hoffnung mittlerweile fast aufgegeben, denn es gibt in dem kleinen Land kein Wirtschaftswachstum, keine neuen Jobs und leider auch keine effizienten Maßnahmen, um Unternehmer anzulocken. In Deutschland sieht es etwas besser aus. Leicht wird es auch für die Deutschen nicht, aber hier könnte der Flüchtlingsstrom tatsächlich Gutes bewirken.

Vorweg: In einem halben Jahr dürften die Bezüge der rund 20 Millionen deutschen Rentner so stark steigen wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Das klingt toll, aber freuen sollten sich die Rentner lieber nicht zu früh, denn, so warnen Experten, die Löhne halten nicht mit. Und jetzt komme ich zum Punkt: Hier könnten sich Flüchtlinge als sehr gute Arbeitskräfte erweisen. Der Kritik der letzten Monate, wonach der Großteil der Flüchtlinge schlecht ausgebildet sei, bin ich mir durchaus bewusst. Und ich will schon gar nicht über die schrecklichen Ereignisse in Köln philosophieren – ich versuche das als Wirtschaftsexperte rein wirtschaftlich zu betrachten. Und daher lasst es mich sagen: Im Gegensatz zur österreichischen Wirtschaft wächst die deutsche nach wie vor stark. Das bedeutet, dass Arbeitskräfte in großen Sektoren gebraucht werden, zum Beispiel in der Baubranche und in der Industrie. Die Deutschen werden Reinigungskräfte und auch viel Pflegepersonal mit Sicherheit brauchen – hier sind fleißige Menschen einsetzbar, auch wenn ihr Bildungsniveau nicht dem eines deutschen Uni-Absolventen entspricht.

In Österreich werden die Flüchtlinge rein wirtschaftlich betrachtet eine geringere Hilfe darstellen, weil es wie gesagt aufgrund der schwachen Wirtschaft keine Jobs für diese Menschen gibt. Aber Deutschland hat bessere Karten. Darum bedauere ich die teils feindselige Haltung Flüchtlingen gegenüber. Integration kann aber nur funktionieren, wenn sie beide Seiten wollen. Wenn Flüchtlinge unsere Werte akzeptieren und sich anpassen und wenn wir auf sie offen zugehen und ihnen helfen, sich an ein neues Leben zu gewöhnen, dann funktioniert ein Zusammenleben. Jetzt aber mehr Moscheen zu bauen, was vereinzelt bereits diskutiert wurde, wo das Geld fehlt und viele Menschen auch bei uns in Armut leben, ist definitiv ein falsches Zeichen.

In Amerika und Australien sind die Regierungen beinhart. Hier entscheidet der Bedarf des jeweiligen Landes, man spricht von „Einwanderung nach Qualifikation“. Ich will das moralisch nicht werten, in diesem Kontext geht es nicht um Menschlichkeit, sondern um die Frage: Was braucht ein Land?

Diese Frage möchte ich gerne an Euch weitergeben. Es ist klar und moralische Pflicht, Menschen zu helfen, die in Not geraten und in ihrem Heimatland Krieg und Tod ausgesetzt sind. Dennoch muss man auch die Frage stellen, was unser Land braucht, um unserer Bevölkerung langfristigen Wohlstand zu sichern. Meiner Einschätzung nach kann die Flüchtlingskrise (allen rechtspopulistischen Unkenrufen zum Trotz) sogar helfen, unseren Wohlstand zu sichern, vorausgesetzt: erstens ein ordentliches Wirtschaftswachstum mit hoher Nachfrage an Arbeitskräften, zweitens, dass Flüchtlinge sich unserem System anpassen müssen und nicht umgekehrt, und drittens, dass Flüchtlinge nicht ausgegrenzt, sondern in den Arbeitsmarkt und in unsere Gesellschaft integriert werden. Leider bewegt sich Österreich in allen drei Punkten derzeit in die entgegengesetzte Richtung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog fisch+fleisch.


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