11. Januar 2016

Elf Strophen Das große heilige Köln

Von Heine bis Berg und darüber hinaus

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Bildquelle: shutterstock Groß und heilig: Köln am Rhein

Eins

„Im Rhein, im schönen Strome/ Da spiegelt sich in den Welln, /Mit seinem großen Dome/ das große heilige Köln.“ Heinrich Heine, Buch der Lieder

Zwei

Zuerst hatten die Anschläge der Islamisten nichts mit dem Islam zu tun. Dann hatte die unkontrollierte Masseneinwanderung von vornehmlich Muslimen weder mit Kontrollverlust noch mit Muslimen und bei Lichte besehen auch nichts mit irgendwelchen Massen zu tun. Sodann wiederum hatten die Anschläge von Paris nichts mit eingewanderten Muslimen beziehungsweise überhaupt mit wandernden Menschenbrüdern zu tun. Schließlich hatten die Jahreswechsel-Saturnalien auf der Kölner Domplatte und andernorts nichts mit Flüchtlingen zu tun. Nachdem sich all das als empirisch nicht wirklich haltbar erwies, erfolgte ein bestmenschlicher Rückzug in das letzte, sozusagen notbeleuchtete Erklärschema: Während auf dieser Welt Weiße vollkommen schuldhaft Straftaten gegen Nichtweiße begehen, steckt hinter den Verbrechen von Nichtweißen gegen wen auch immer stets eine die besagten Taten letztlich mildernde Ursache. Die andere Kultur etwa, aus der sie stammen, vor der sie einerseits geflohen sein mögen, die sie aber andererseits in sich tragen und als Heimat empfinden, was einen erheblichen Identitätskonflikt erzeugt (dessen Dimension ein mit sich selbst zu hundert Prozent nichtidentischer Deutscher gar nicht verstehen kann). Oder die traumatischen Umstände ihrer Flucht. Beziehungsweise Wanderung. Natürlich auch die latent rassistische, als kränkend empfundene Distanziertheit der deutschen leider immer noch Mehrheitsgesellschaft. Zuvörderst aber, und gottlob gerade nach Köln angeprangert, gehört der Aufenthalt in engen, gegen die ständigen Angriffe von Eingeborenen notdürftig mit Zäunen abgesicherten Lagern zu den nun wirklich jederfrau verständlichen Frustrationsursachen, zumal die erzwungene Untätigkeit besonders die jungen Männer geradezu in die Abwechslungskriminalität nötigt. Wer da nicht mal einer Maid ins Höschen langt, vereinzelt mit Eisenstangen auf andere Frustrierte eindrischt oder wenigstens ein Händi mopst, dem ist womöglich sogar von Integrationsfachleuten kaum mehr zu helfen.

Drei

Kollege *** fühlt sich durch die Reaktion gewisser Schickeriaschachteln aus dem Refugees-welcome!-Edelreservat auf die Silvesterkrawalle an die geflügelten Worte weißer Hundebesitzerinnen erinnert: „Also, das hat er ja noch nie gemacht!“ Doch, doch, Frauchen, das hat er schon immer gemacht, Sie haben nur präventiv-indigniert weggeschaut.

Vier

Nach dem nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden der Polizeigewerkschaft GdP, der im Walten der Extremkuschler auf der Unterwäscheparty zu Köln und anderswo „eine völlig neue Dimension der Gewalt“ erkannt hatte, identifizierte Justizminister Maas dortselbst eine „neue Dimension organisierter Kriminalität“. Derselbe Maas weiß zugleich, dass die Zahl der Straftaten von Asylbewerbern wegen der Enge in den Lagern und in vielen deutschen Herzen so beharrlich steigt, dass Zensurmaßnahmen innerhalb der Innen- und Justizministerien sowie der Polizei eingeführt wurden. Derselbe Maas sagte in demselben Statement allerdings, dass sich die Kriminalitätsbilanz von Deutschen und Einwanderern nicht unterscheide (in absoluten Zahlen glaube ich das sogar) und man anderslautenden Behauptungen – vulgo: rechter Hetze – mit jener Entschiedenheit entgegentreten müsse, die ihm, Maas, bislang offenbar für die gleichzeitige Bekämpfung islamistischer Hetze, linker Straftatenprahlerei (Indymedia!) oder linksextremer Kämpfer gegen rechts nicht zu Gebote steht.  

Es ist schon erstaunlich, was für Kretins in diesem Land Ministerposten bekleiden.

Fünf

Ich gebe aber zu, dass mich die Karrieren und Äußerungen deutscher demokratischer Kretins aufgrund der Vorhersehbarkeit nahezu sämtlicher ihrer Lebensregungen allmählich so sehr ennuieren, dass ich überhaupt kein Fernsehen mehr schaue und die Lückenpresse nurmehr noch lese, um da und dort aufzulachen und die Blätter hernach zum Schweißaufsaugen unters Ergometer zu legen. Abends lese ich dann zuweilen in den wenigstens vergnüglichen Memoiren aristokratischer Kretins.

Sechs

Stopp: Maas sprach bei seinem Kriminalitätsvergleich von „Flüchtlingen“, nicht von Einwanderern. Obwohl er das gewiss nicht so meinte, wie ich es meine – in der Tat war keiner der Kölner Gangster ein Flüchtling; ein Mensch, der an Leib und Leben bedroht in ein sicheres Land flieht und dort Aufnahme findet, benimmt sich mit Sicherheit nicht so –, führt die Unterscheidung auf die richtige Spur. Vor vier Tagen erklärte Innenminister Thomas de Maizière, im vergangenen Jahr seien 1,1 Millionen „Flüchtlinge“ nach Deutschland gekommen, und alle Zeitungen plapperten dieses Wort gedankenlos nach. Drücken wir in den Skat, dass die Zahl inzwischen auf bis zu 1,5 Millionen korrigiert wird, schauen wir aber nach, woher die sogenannten Flüchtlinge kommen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in den Aufnahmeeinrichtungen gilt: Syrer ist, wer sich als Syrer ausgibt, sind nur um die 430.000 Ankömmlinge als Syrer registriert. Dazu 120.000 Iraker. Macht 550.000. Will heißen: Von den Flüchtlingen sind 50 Prozent keine, sondern, rein staatsrechtlich betrachtet, Eindringlinge. Und wie solche haben sich die Silvesterbeutemacher und Frauenerniedriger in vielen Städten ja auch benommen.

Sieben

Allmählich beginnt die Beute zu zappeln, mancherorts sogar, sich zu wehren. Allerdings steht sie zwischen zwei Fronten: den vitalen Invasoren auf der einen, den eigenen medienverstärkten Funktionseliten auf der anderen Seite. Wer sich in einer solchen Situation geschmäcklerisch über gewisse AfD-Figuren entrüstet, gleicht jemandem, der bei steigendem Wasserpegel über die Qualität der Rettungsboote zu räsonieren anhebt. Ersaufen ist womöglich doch unangenehmer. Wer sonst sollte, wie der Genosse Marx formulierte, die versteinerten (politischen) Verhältnisse zum Tanzen bringen, nachdem die realen Verhältnisse längst die Musik dafür spielen? Das Gerede von Rechtsruck, Viertem Reich oder, noch komischer, Muslimen als den neuen Juden ist natürlich lächerlicher Unfug; die Deutschen, die 1933 ff. den Stacheldraht ausrollten oder Grenzen niederwalzten, waren, wie ihre roten feindlichen Brüder im Osten auch, junge Leute um die 20 in Millionenstärke; die heutigen Deutschen haben im Schnitt die 50 überschritten und lärmen nach dem zweiten Bandscheibenvorfall bevorzugt im Internet herum, während die Straße vielerorts längst den neuen Herren gehört. Schon aus Rücksicht auf ihre Bandscheiben und andere Elementaria des knirschenden alten Leibes werden viele, zum vielleicht letzten Mal, auf eine demokratische Karte setzen.

Acht

„Die anderen, die Verlierer, die Hausverlasser...“ (Sibylle Berg, Der Mann schläft)

Neun

Ehe diese Meldung völlig untergeht: Der Präsident des Bayerischen Gemeindetags rechnet bis 2020 mit 20 Millionen Muslimen in Deutschland. Der Lückenpresse war diese Prognose wohl zu niedrig beziehungsweise nicht sensationell genug; vielleicht hat Merkel sie aber auch bloß mit dem Nicht-hilfreich!-Stempel versehen.

Zehn

Das ist aber nur die erste Welle. Nach UN-Schätzungen werden anno 2100 in Afrika statt der heutigen 1,2 Milliarden Menschen 4,4 Milliarden leben. In Europa dagegen wird sich die Bewohnerzahl von heute 738 Millionen auf 646 Millionen reduzieren. Wird sie natürlich nicht; Europa wird bloß schwarz. Möglich, dass die Religion des Friedens von dieser Welle selber mit fortgespült wird, wahrscheinlich wird sie aber hinreichend viele Proselyten machen, um als Klippe oder Fels darin zu überdauern. Selbst wenn dieser Prozess halbwegs friedlich ablaufen sollte, woran zu zweifeln ähnlich gute Gründe bestehen wie am Zweifel an Merkels Zurechnungsfähigkeit, wird der Kontinent, von dem nahezu alles stammt, was das Leben auf diesem Planeten erträglich macht (ja, liebe Eselinnen und Esel, auch vieles Schlimme), nicht nur nicht mehr derselbe sein, sondern ein so vollkommen anderer, dass es sich womöglich denn doch und aller Toleranz zum Trotz empfiehlt, ihn zu verlassen. Aber der weiße Mann (wenn er sich erst einmal aller rotgrünen Schlacken entledigt hat) ist findig genug, um sich irgendwo am Rande des Planeten oder im Universum ein neues hyperboräisches Plätzchen zu suchen, und wenn er es sich dort wohnlich eingerichtet hat, ich wette, dann werden sie ihm wieder auf die Pelle rücken, von außen wie von innen, und ihm vorwerfen, er habe das alles nur auf Kosten der anderen erworben...

Elf

Das Amsterdamer Rijksmuseum versucht heute bereits, auf die kommenden Stürme zu reagieren – wie einstweilen noch üblich, verkauft man die mählich wachsende Furcht als antirassistische Sensibilität. Die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet: „Das Rijksmuseum macht Tabula rasa mit eurozentrischen Ausdrücken wie Hottentotte, Kuli oder Kaffer und erklärt Indianer, Eskimo oder Zwerg zu Unwörtern. Eine Arbeitsgruppe nimmt Titel und Beschreibungen der 1,1 Millionen Werke unter die Lupe und achtet überdies peinlich darauf, dass inhaltlich nichts beschönigt wird. Ein Satz wie ‚Wir gingen nach Surinam, um Plantagen zu errichten‘ lautet neu: ‚Wir brauchten Sklaven, die uns auf den Plantagen zu Reichtum verhelfen mussten.‘“ Ob das Rijksmuseum das Ende dieses Reichtums überdauert, darf bezweifelt werden. Also zumindest Schwarzseher werden es bezweifeln.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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