22. September 2015

Flüchtlingsstrom Wer Angst vor den Folgen der Völkerwanderung hat, gehört am digitalen Scheiterhaufen verbrannt!

Wie die Eliten dem Diskurs ausweichen

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Bildquelle: shutterstock Zieht empfindliche Strafen nach sich: Freie Meinungsäußerung

Angela Merkel, neuerdings weltweit als Mutter Theresa der Migranten verehrt, hat schon 2011 klar und deutlich festgestellt: „Wir müssen akzeptieren, dass die Zahl der Straftaten bei jugendlichen Migranten besonders hoch ist.“ Müssen wir eigentlich nicht, denn das bedeutet angesichts der zehntausenden jungen Migranten, die heuer und in den nächsten Jahren zu uns kommen, logisch zwingend einen ziemlichen Anstieg der Straftaten.

Florian Klenk, Chefredakteur des eher links zu verortenden „Falter“, schrieb jüngst: „Wir dürfen nicht übersehen, dass manche einfach nur Sozialleistungen haben wollen. Ja, auch einige wenige gewaltbereite IS-Kämpfer oder Parteigänger des Volksmörders Assad werden dieser Tage an den Bahnhöfen beklatscht.“

Und Wiener Ärzte schließlich berichten in diesen Tagen, wenn auch noch unter der Hand, von erschreckend geringen Durchimpfungsraten unter den Kindern aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan, die jetzt zu Tausenden eingeschult werden sollen. Sie rechnen deshalb mit einem Ausbruch von schweren, lebensbedrohlichen Krankheiten wie Masern, Röteln und, wenn es ganz blöd kommt, sogar Polio.

Steigende Kriminalität, vereinzelt einreisende IS-Kämpfer, drohende Krankheitsausbrüche in Schulen und Horten, konkret vorhergesagt als Folgen der Migrationswelle nicht etwa von irgendwelchen tumben Schreihälsen, sondern der deutschen Kanzlerin, dem linksliberalen Chefredakteur und besorgten Ärzten.

Darauf kann man, je nach Geschmack, mit Ignoranz reagieren, „weil das Land sich jetzt ändert“, mit der Forderung nach einer anderen Migrationspolitik – oder auch ganz einfach mit Angst. Zum Beispiel, wenn man grade Mutter eines zweijährigen Kindes ist und nicht so doll findet, was da von hochseriösen Leuten für die unmittelbare Zukunft prognostiziert wird.

Silvia Jelincic, die Gründerin der Internetplattform „Fisch&Fleisch“, ist so eine Frau. Und sie schrieb sich diese Angst  in der Vorwoche von der Seele. Sie tat dies höchst emotional, fand nicht immer die richtigen Worte und Argumente und meint nun selbst, dass sie das heute so nicht mehr formulieren würde. Wie das halt vorkommen kann, wenn die Emotionen hochkochen.

Mehr hat sie nicht gebraucht – nicht in den derzeit von der Wiener Twitterblase verordneten „Refugee“-Taumel zu verfallen und „welcome“-Schildchen hochzuhalten, sondern statt dessen Angst zu artikulieren, das geht gar nicht, das ist ungefähr so strafwürdig wie sich in Teheran als Schwuler zu outen. Wer gegen diese Regel verstößt, wird nicht mit Gegenargumenten und Fakten widerlegt, sondern muss unverzüglich auf den digitalen Scheiterhaufen.

Wie nicht anders zu erwarten, sprach der oberste Sittenwächter des Landes und geistliches Oberhaupt der hiesigen Twitteria, im Nebenberuf bekannter Journalist beim Staatsfunk, das dementsprechende Urteil und blaffte die „Fisch&Fleisch“-Gründerin und ihre Community vom Hochstand der vermeintlichen moralischen Überlegenheit an: Warum eigentlich überhaupt noch jemand auf dieser Plattform schreibe, wo es doch auch „unzensuriert.at“ oder „Unterbergers Tagebuch“ gäbe (zwei politisch eher rechts verortete Blogs).

Nun könnte man zurückfragen, warum jemand für den Staatssender arbeitet, wo es doch auch RTL 2 gibt – aber geschenkt. Und man könnte auch fragen, ob jemand, der im Staatsfunk arbeitet, besonders gut beraten ist, öffentlich eine junge Kollegin niederzumachen, die gerade ein Medium aufbaut, ganz ohne Zwangsbeiträge und Subventionen. Und die damit, ganz anders als der Staatssender, von Monat zu Monat steigende Reichweiten erarbeitet. Aber auch da: geschenkt. Nicht jedem ist die Tugend des Augenmaßes gegeben.

Wenig überrascht, dass in der Folge der digitale Mob über die junge Mutter herfiel, die den Fehler gemacht hatte, ihre Angst vor einer möglicherweise weniger erquicklichen Zukunft ihres Kindes öffentlich zu machen. Angst vor „Refugees“ – das geht eben gar nicht. Jener in der Wiener Twitterblase beheimatete digitale Mob, in dem Mut und Phantasie, gar Lust an abweichender Meinung,  so selten sind wie in einem Schwarm toter Fische, die Kopf an Kopf, Schwanzflosse an Schwanzflosse, leblos den Fluss hinuntertreiben, versuchte die Frau nach Strich und Faden shitstormmäßig fertig zu machen.

Details ersparen wir uns hier, man kennt das ja eh.

Wenn vermeintliche mediale Eliten versuchen, ihr Narrativ in der Migrationsfrage mit dem digitalen Äquivalent des Scheiterhaufens durchzusetzen, anstatt auf berechtigte und vielleicht auch unberechtigte Ängste einzugehen, werden sie damit zu Helfershelfern jener „Rechten“, der sie ansonsten mit der Verachtung des zu spät gekommenen Antifaschisten heroisch gegenüberstehen. Denn die Wähler und Medienkonsumenten kapieren durchaus, was hier läuft.

Dieser Artikel erschien zuerst auf fisch+fleisch.


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Christian Ortner

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