02. September 2015

Leserkritik „Schlechtmenschen“

Die Verhältnisse werden die Meinung verändern

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Brand: Fahrlässig oder vorsätzlich?

„Sehr geehrter Herr Klonovsky, 

Ihr erbärmlicher Artikel über angebliche Brände in Asylbewerberheimen ist entweder schlampig recherchiert (unwahrscheinlich) oder reiht sich in Ihre widerlichen Artikel zu diesem Thema ein:

Quelle: Eine Google-Tabelle: vollständig? von wem? Keine Differenzierung zwischen fahrlässigen und vorsätzlichen Abläufen. Keine Erwähnung der vielen ungeklärten Fälle. Teilweise beziehen sich die Links keineswegs auf Brände in Asylbewerberheimen, sondern in Moscheen, Wohnungen und so weiter.

Als Journalist auf dem absteigenden Ast müssen Sie die teilweise selbst geschaffene Nische bedienen, die des abstiegsbedrohten männlichen Kleinbürgers mit seiner fremden- und frauen- und demokratiefeindlichen Denke.

Auch wenn Sie sich mit allen diesen Menschen zusammentun, sind Sie nur wenige, auch wenn das in dieser selbstreferenziellen Internetwelt Ihnen und Ihresgleichen nicht auffällt, sind Sie nur (zu) wenige. Jedenfalls, ohne Gewalt werden Sie es nie schaffen, die ganz überwiegende Mehrheit der demokratisch gesinnten Menschen maßgeblich zu beeinflussen oder deren Meinung zu verändern.

Insofern können Sie weiterhin für Ihre treuen Leser, die ‚Schlechtmenschen‘, Meinungspornos von sich geben. Ernst nehmen wird das niemand. Hochachtungsvoll“ et cetera.

Was die Seriosität der besagten Auflistung betrifft, kann sich jeder selber ein Bild machen, jeder Fall ist verlinkt, meist zur Lokalpresse. Insofern ist es völlig gleichgültig, von wem sie stammt. Übrigens werden etwa 30 ungeklärte Fälle erwähnt, schwer zu übersehen, aber da hat der Schaum vorm Mund wohl mal wieder beim Gucken gestört. Warum die Feststellung, dass die meisten Feuer von Heiminsassen ausgelöst oder gelegt wurden, nun speziell vom „abstiegsbedrohten“ deutschen Kleinbürger – ein klassisches rechtes Stereotyp übrigens, vom Abstieg bedroht ist in diesem Land allenfalls der VfB Stuttgart – als Nischendienstleistung empfunden werden soll, muss hier dahingestellt bleiben, es ist nämlich schon spät, und die Meinungspornoproduktion ermüdet durchaus. 

Was nun wiederum und zuletzt mich angeht, so bin ich, erstens, nicht wenige, sondern ein Einzelner (auch wenn sich das einer, der niemand ist, das aber allzeit kollektiv, kaum vorzustellen vermag), und ich habe, zweitens, nicht im mindesten die Absicht, jemandes Meinung zu verändern (obwohl es mir mit Gewalt mühelos gelänge), das werden die Verhältnisse, wenn sie erst richtig zum Tanzen gebracht sind, ganz ohne mich erledigen. Und wenn nicht, ist es auch recht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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