17. August 2015

Umweltproteste Wind und Sonne, Luft und Liebe

Gewalttätige Aktion für grüne Wunschträume

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Bildquelle: shutterstock Garzweiler: Die Alternativen wurden bereits verdemonstriert

Der Atomkraft haben sie hierzulande den Garaus gemacht. Doch Umweltaktivisten kann man es eben niemals recht machen. Am Wochenende mussten mehr als 1.000 Polizisten ihren Kopf in einer Kohlegrube dafür hinhalten, die zu allem entschlossenen „Klimakämpfer“ in Schach zu halten. Im schönen Rheinland, zwischen Mönchengladbach, Grevenbroich und Erkelenz, liegt der Tagebau Garzweiler. Dort wird seit über 30 Jahren Braunkohle gefördert. Viele Jahrzehnte lang haben die Genossen der SPD verhindert, dass die umweltschädlichste Möglichkeit der Energiegewinnung ein Ende hat. Und lange haben die Grünen dabei zugesehen, wollte man die einzige Machtoption doch nicht aufs Spiel setzen, indem man den ideologischen Verbündeten vergraulte. Als endlich kein politisches Lager mehr bereit war, das Gejammer der Sozis über verlorene Arbeitsplätze hinzunehmen und ein Kohlekraftwerk nach dem anderen dran glauben musste, ereignete sich im fernen Japan eine Naturkatastrophe. Die deutsche Politik schaffte in einer irrationalen Panikreaktion über Nacht die verlässlichste Energiequelle ab – und sorgte aufgrund fehlender Alternativen für eine ungeahnte Renaissance der Kohledreckschleudern. Insofern kann man für die Aktivisten von “EndeGelände!” durchaus Sympathien haben.

Sie wehren sich gegen den Braunkohletagebau, der ganze Landschaftsareale verschandelt und vor allem extrem gesundheitsschädlich ist. Den „Klodeckel des Tages“ bekommen sie trotzdem. Und zwar für ihre Doppelmoral. Dazu muss man wissen, dass das Aktionsbündnis ein Zusammenschluss vieler Organisationen ist, zu denen auch eine ganze Reihe sogenannter Anti-Atom-Bündnisse gehören. Diese haben mit ihrer Hysterie einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, dass die um ihre Wiederwahl besorgte Berufspolitik im März 2011 unmittelbar vor wichtigen Landtagswahlen das Licht in Deutschlands Atommeilern ausgeknipst hat. Dieselben Aktivisten, die damals den Grundstein dafür gelegt haben, dass es keine wirkliche Alternative mehr gibt, beschweren sich nun darüber, dass die Stromerzeugung vorrangig aus Braunkohle erfolgt. Von besonderer Klugheit zeugt dies nicht. Natürlich führen die Aktivisten stets ins Feld, dass das Problem ja ganz woanders liege. Wäre Deutschland nur mutiger und engagierter, könnte der Strom bereits zu großen Teilen aus Wind- und Sonnenenergie kommen. Obwohl auch diese Mär längst widerlegt ist, sind die Umwelt-„Schützer“ bereit, riesige Waldflächen zu roden – und verhindern zugleich die notwendigen Stromtrassen und Speicher-Stauseen.

Dass es in Garzweiler – wie eigentlich immer bei Umweltprotesten – mal wieder nicht ohne Gewalt und Verletzte ablief, ist eine Randnotiz, die nur noch Schulterzucken hervorruft. Fast musste man angesichts der Teilnehmer damit rechnen. Zu „Ende Gelände!“ gehören nämlich auch anarchistische und linksradikale Organisationen, wobei die Grenzen zwischen grünem und linkem Extremismus ohnehin fließend verlaufen. Auch die Linksjugend und die Grüne Jugend mischen kräftig mit – stets ein Garant für einen ausführlichen Polizeibericht. Am Ende wird die Aktion in einigen Anzeigen münden: Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Viele Teilnehmer werden befriedigt vom Abenteuerwochenende heimkehren, an dem sie mal wieder etwas erlebt haben. Doch viel mehr, als sie ahnen, haben die Protestler in Garzweiler vielleicht dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen erkennen, wie dumm der Ausstieg aus der Atomkraft war. Allen (ohnehin fragwürdigen) Klimazielen zuwiderlaufend hat die deutsche Politik vor vier Jahren einen Teufelskreis in Gang gesetzt, von dem sie nun nicht mehr weiß, wie sie ihn stoppen soll. Ein Blick nach Japan könnte helfen: Dort setzt man weiterhin auf die Atomkraft – so lange, bis es gleichwertige Alternativen gibt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

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