01. Juli 2015

AfD-Bundesparteitag Wenn Lucke gewinnt, wenn Lucke verliert

Der Weckruf lässt die Maske fallen

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Bildquelle: shutterstock Stramm organisiert: Der Weckruf vor dem Parteitag

Die AfD rüstet sich zu einer Entscheidungsschlacht. Stattfinden wird sie auf ihrem Bundesparteitag am 4. und 5. Juli in Essen, also am kommenden Wochenende. Zwischen Bernd Lucke und Frauke Petry wird es wie in einem Wildwestfilm zu einem großen Showdown kommen. Beide sind (zusammen mit Konrad Adam) noch die Vorsitzenden der Partei. Lucke hat zusammen mit seinen Mitläufern eine Partei in der Partei gegründet und sie „Verein Weckruf 2015“ e.V. genannt. Damit hat er die Partei gespalten.

Lucke will in Essen mit seinem Weckruf-Lager ums Verrecken obsiegen. Wenn das gelingt, wird sich die AfD marginalisieren, denn sie wird eine andere sein, als sie es bei ihrer Gründung 2013 sein wollte und auch war. Sie wird eine weichgespülte sein und keine Alternative mehr. Damit der Sieg gelingt, haben Lucke und seine Mitläufer ihr Weckruf-Lager für den Parteitag straff organisiert und eine Strategie entworfen. Mit dieser Strategie wollen sie auf jede mögliche Situation und Wendung, die sich bei den Abstimmungen ergeben, schnell und schlagkräftig reagieren. „Die planen rigoros durch, von der ersten bis zur letzten Minute des Parteitags. Auf maximale Disziplin wird äußersten Wert gelegt.“ Was sie planen, haben sie auf einer Weckruf-Veranstaltung im niedersächsischen Achim kundgetan. Die Geheimhaltung ist missglückt.

Ein Ton-Mitschnitt, der alles offenbart

Die Initiative Bürgerliche AfD (IBA) berichtet: „Der Weckruf hat sich große Mühe gegeben, bei seiner Veranstaltung am 28.06.2015 in Achim unter sich zu bleiben. Man hat nur ausgewählte Weckruf-Mitglieder zugelassen. Sie mussten sich vorher per E-Mail bei Bernd Vogel anmelden. Aber es muss auch in Achim wieder AfD-Mitglieder gegeben haben, die aufgewacht sind und zu der Erkenntnis gelangt sind, dass der Weckruf für die AfD nicht gut sein kann. Anders ist es nicht zu erklären, dass es einen Ton-Mitschnitt der Veranstaltung gibt, der alles offenbart, was Sie schon immer über den Weckruf wissen wollten. Seine Ziele, seine Strategie für den Bundesparteitag am 04./05.07.2015, warum er bisher nur acht Mitglieder hat, aber 3.900 Bewerber für eine Mitgliedschaft, was er mit missliebigen Parteimitgliedern machen will, was man von demokratisch gewählten Landesvorständen hält und ob es einen Plan B für den Fall gibt, dass sich die Wunschträume auf dem Bundesparteitag nicht erfüllen. Was uns von der IBA angeht, ist die Marschrichtung klar.“ Überschrieben ist dieser Text mit: „Der Weckruf lässt die Maske fallen“.

Die Strategie im Einzelnen

Die Tonaufzeichnung von der Veranstaltung offenbart, was das Lucke-Weckruf-Lager in Essen genau plant. Weil sie eineinhalb Stunden dauert, hat ein IBA-Mitglied die Strategie, ausgerichtet auf den jeweiligen Verlauf des Parteitages, folgendermaßen kurz zusammengefasst:

Wenn Lucke verliert: Es ist dann eine „dramatische Entscheidung“ zu treffen, aber erst 14 Tage später (!) in Kassel. Lucke wird sich zurückziehen, wenn er verliert, und erwartet das auch von Frauke Petry. Er wird dann Petry Kandidaten empfehlen lassen und keine eigenen Empfehlungen mehr geben.

 Wenn Lucke gewinnt: Er empfiehlt Kandidaten. Er empfiehlt Leute, die den Weckruf nicht gut gefunden haben. Petry-Kandidaten fahren auf dem „Frauke-Ticket“, einige findet er gut, Namen nicht genannt (?). Sein Tableau ist flexibel auf den Verlauf des Parteitags angepasst (Tableau siehe unten).

Organisation: Es gibt 70 Koordinatoren in allen Ländern, regelmäßige Telefonkonferenzen mit jeweiligen Ländervertreten einmal in der Woche montags; sowohl E-Mail, SMS, als auch WhatsApp während des Parteitages; 50 bis 60 Multiplikatoren, die durch die Halle laufen, per Handzeichen koordiniert. Lucke wird Kandidaten vorschlagen, im Falle einer Wahl, außerdem natürlich per WhatsApp, Mail, SMS. Mit Frauke Petry will er unter keinen Umständen in den gleichen Vorstand. Er wird sagen, dass beide nur für den ersten Vorsitzenden kandidieren, und erwartet, dass Petry das auch tut. Petry sollte die Größe haben, ebenfalls nicht weiter zu kandidieren, wenn Lucke gewinnt. Er wird Petry als Lügnerin bezeichnen, falls sie doch weiterkandidiert. Absolute Disziplin wird verlangt und vorgelebt. Alles wird durchorganisiert.

Mobilisierung: Beispiel: 29 Mitglieder von 90 kommen für den Weckruf. Telefon-Aktionen bis kurz vor Schluss; genaue Zahlen wurden nicht genannt. Optimismus wurde jedoch verbreitet, man ist sich sicher, zu gewinnen. Man ist felsenfest überzeugt!

Sonstiges: Brandenburg, Thüringen und Sachsen zahlen angeblich alle Kosten aus der Parteikasse für alle Mitglieder (Bernd Lucke). Thüringen wird mit 10.000 Euro beziffert, die der Landesverband dafür angeblich ausgibt (Bernd Lucke). Gustav Greve missbilligt den Weckruf („kreuzunglücklich“, Bernd Lucke). Alle Länderkoordinatoren telefonieren ehemalige Mitglieder ab, man will sie nach dem gewonnenen Parteitag wieder in die Partei holen.

Weckruf-Tableau: Vorsitzender: Bernd Lucke, Stellvertreter: Kölmel, Greve, Trebesius, Beisitzer: Hans-Herrmann Schreier, Basibüyük, Schatzmeister: Segnitz aus Bayern, Generalsekretär: Yordulmaz.

Tagungspräsidium: wird vor Ort empfohlen, über obengenannte Kommunikationsstränge

Weiteres: Vor Ort werden Vertraute benannt beziehungsweise empfohlen. Gewinnt der Weckruf, will man die Mitglieder, die dem Gegenlager angehören, aus der Partei „herausmarginalisieren“. Diejenigen, die von Nutzen sein könnten, sollen „eingefangen“ werden durch ihre Kreisverbände. Für alle anderen gibt es kein Patentrezept. Erwünscht sind sie nicht, auch Mitläufer nicht (explizit IBANI-Mitläufer wurden als Beispiel genannt). Hessen, Saarland, NRW und Niedersachsen werden äußerst kritisch gesehen, nix Neues… Das Lucke-Lager geht fest davon aus, zu gewinnen. Die planen rigoros durch, von der ersten bis zur letzten Minute des Parteitags. Auf maximale Disziplin wird äußersten Wert gelegt, mehrfach wird darauf hingewiesen. Die Weckruf-Veranstaltung am Freitag in der „Dampfe“ ist öffentlich. Man will dort unentschlossene Mitglieder für sich gewinnen.

„Die sind extrem stramm durchorganisiert“

Abschließend schreibt das IBA-Mitglied, dem diese Zusammenfassung zu verdanken ist: „Ich habe mir jetzt etwa 60 Minuten dieser Veranstaltung angehört, eine halbe Stunde habe ich noch vor mir. Ich bin entsetzt. Die sind extrem stramm durchorganisiert. Übertrieben gesagt melden die sich wahrscheinlich sogar bei den 50 bis 60 Multiplikatoren ab, wenn sie mal aufs Klo müssen.“ Die Strategie zeigt: Hier sind Polit-Profis am Werk.

Die Altparteien reiben sich die Hände

Beim Zuschauen, wie sich die AfD selbst zerlegt beziehungsweise zerlegen lässt, werden sich die Altparteien die Hände reiben. Eine solche AfD haben sie dann nicht mehr zu fürchten, vor allem die CDU nicht. Bernd Lucke mit seinem „Weckruf“ wird doch nicht etwa aus dem Kanzleramt gesteuert?

Frauke Petry am 2. Juli in Lübeck – ihr letzter Auftritt vor dem Bundesparteitag

Frauke Petry wird ihren letzten Auftritt vor dem Bundesparteitag in Lübeck haben. Er findet statt am 2. Juli um 19 Uhr im Hotel „Hanseatischer Hof“, Wisby-Straße 7, 23558 Lübeck. Das Thema: „AfD – quo vadis?“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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