14. April 2015

Feindbild Bürgertum Die Medienhetze linker Propaganda

Aus der Unanständigkeit von Ideologen könnte ein Straftatbestand werden

Dossierbild

Die „Frankfurter Rundschau“ ist eine Zeitung, die sich einer bestimmten ideologischen Richtung verschrieben hat. Das ist völlig in Ordnung, weil es das gute Recht einer jeden Redaktion ist, die Welt aus ihrer Sicht zu beschreiben und zu kommentieren. Problematisch wird das Ganze, wenn offenkundig eine andere Wahrheit vermittelt wird als die, die ein objektiver Beobachter wahrnehmen würde. Und justitiabel könnte es werden, wenn die Titelzeile zu einem Artikel den Verdacht erweckt, hier sollen Leser gegen einen Teil der Bevölkerung aufgehetzt werden. Die Justiz kennt den Tatbestand der Volksverhetzung. Darunter fällt unter anderem die böswillige Verächtlichmachung oder Verleumdung Einzelner oder von Teilen der Bevölkerung in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Die Berichterstattung der „FR“ über eine Pegida-Demonstration am Ostermontag ist nicht nur deshalb äußerst grenzwertig. Beim gewaltlosen Marsch durch Dresden soll es nach Auskunft des Superintendenten der dortigen Kreuzkirche zu einem Vorfall gekommen sein, bei dem ein Paar mittleren Alters und eine Frau im Rentenalter diesen wegen des als störend empfundenen Kirchengeläuts verbal attackiert haben.

Die Petitesse, bei der man sich fragen muss, wie einschüchternd wohl eine Rentnerin selbst in Begleitung von zwei mit Transparenten bewaffneten Mittvierzigern auf einen Kirchenmann wirken dürfte, wäre normalerweise keine Zeile wert. Am nachbarschaftlichen Gartenzaun spielen sich täglich wüstere Szenen ab. Der „Frankfurter Rundschau“ genügte dieser kolportierte Zwischenfall jedoch für einen großen Aufmacher. Die 7.000 Pegida-Anhänger wurden prompt allesamt zu Komplizen erklärt. Ihrer Horror-Headline „Pegida bedroht Christen in Dresden“ ließ die „FR“ im Anreißer zum Titelbild einen martialischen Donnerhall folgen: „Anhänger des Pegida-Bündnisses drohen Christen die Kehle durchzuschneiden.“ Wohl nicht ganz ungewollt wird hier die Assoziation zum IS-Terror geweckt, bei dem nicht lange gefackelt wird, sondern tatsächlich bereits Tausende von Kehlen durchgeschnitten worden sind. Nun hat jeder von uns sicher selbst schon erlebt, wie leicht in der Erregung eine Drohung über die Lippen kommt, die man nie in die Tat umsetzen würde. Und es ist absolut korrekt, dass die Behörden ermitteln, weil es eben eine Straftat darstellt, Menschen durch Drohungen einzuschüchtern. Ebenso klar ist aber auch, dass die „Rundschau“ weit über das Ziel hinausgeschossen ist.

Und so könnte aus der Unanständigkeit der linken Ideologen ein Straftatbestand werden. Der verzweifelte Kampf um die Auflage scheint zunehmend die Urteilsfähigkeit Medienschaffender zu trüben. Nichts ist ihnen mehr heilig, Schnelligkeit geht vor Gründlichkeit, und die Recherche fällt oft genug dem Drang zum Opfer, das eigene Weltbild zu zementieren. Besonders auffällig ist dies dann, wenn über Vorfälle vermeintlicher oder tatsächlicher Extremisten berichtet wird. Da ist die Horde europaweit organisierter Straftäter ein unschöner Exzess Einzelner, selbst wenn 150 teilweise schwerverletzte Polizisten und Feuerwehrleute sowie in Schutt und Asche gelegte Frankfurter Stadtviertel eine völlig andere Realität zeichnen. Umgekehrt reicht die verbale Flegelei dreier Pöbler zu einer Headline, die suggeriert, IS und Pegida könnten sich zusammengeschlossen und gegen das christlich-jüdische Abendland verschworen haben. Es ist auch und vor allem diese offenkundig tendenziöse Medienberichterstattung, die so viele Menschen in Dresden und anderswo auf die Straßen treibt. Ob Journalisten und politisch Verantwortliche sich wirklich einen Gefallen tun, wenn sie als Reaktion auf die berechtigte Kritik Teile des Bürgertums zum Feindbild erklären?

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

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