30. März 2015

Flugzeugabsturz in Frankreich Kaum zu ertragen

„Emma“ setzt noch einen obendrauf

Dossierbild

Ein schlimmes Ereignis beschäftigt seit Dienstag ganz Deutschland. 150 Menschen sind bei einem Flugzeugabsturz gestorben, und vieles wirft immer noch Fragen auf. Ich beteilige mich nicht an wüsten Spekulationen und reihe mich auch nicht in die Riege der Pseudo-Psychologen, angeblichen Experten und widerlichen Effekthascher ein. Ich habe mir lange überlegt, ob ich mich überhaupt äußern soll. Wäre nicht die „Emma“-Redaktion auf den Plan getreten, hätte ich vermutlich darauf verzichtet. Doch nach der Wortmeldung aus Alice Schwarzers Haus kann ich nicht mehr still bleiben. Sie steht nicht nur für einen amoklaufenden Feminismus, sondern setzt dem Treiben der vergangenen Tage die unrühmliche Krone auf. Sie offenbart, in welcher Verfassung unsere Medienlandschaft ist, und zeigt, wie niedrig die Hemmschwelle einer Zunft inzwischen liegt, die nicht ohne Grund immer weniger Ansehen genießt. Was sich seit Dienstag auf breiter Front in der Berichterstattung abspielt, ist die bedrückendste Zurschaustellung niederer Instinkte, die uns die Medien bisher geboten haben. Dies gilt auch für die öffentlich-rechtlichen Sender, die nach dem furchtbaren Unglück alle Regeln des Anstands über Bord warfen – vom eigenen journalistischen Anspruch ganz zu schweigen.

Als endlich erste kritische Stimmen aus dem eigenen Lager laut wurden und mancher bereits hoffte, der Ekel vor dem eigenen Abbild könne für den einen oder anderen Journalisten ein heilsamer Schock sein, setzte die Frauenzeitschrift „Emma“ den neuen Tiefpunkt. Zwar stammt der von ihr veröffentlichte Artikel von einer feministischen Bloggerin, doch kommt in der begeisterten Übernahme und anschließenden Rechtfertigung durch die „Emma“-Redaktion die ganze Widerwärtigkeit einer enthemmten Ideologie zum Ausdruck, die ihren Auftrag offenbar darin sieht, Männer zu diskriminieren, zu verfolgen und zu diskreditieren. Doch damit nicht genug. Seit Freitag wissen wir, dass dieser aggressive Feminismus nicht einmal mehr davor haltmacht, menschliche Tragödien für die eigene Ideologie auszuschlachten. Die Frauenquote fürs Cockpit wird gefordert, weil das Selbstmordrisiko bei Männern viermal so hoch sei wie bei Frauen. Auch Amokläufe würden ausschließlich von Männern begangen, erfahren wir. Nur die Reduzierung männlicher Flugzeugführer zugunsten von Frauen könne das Problem beheben. Dass Frau sich über die in den Medienberichten verwendete männliche Allgemeinform für die überwiegend weiblichen Opfer der Schulklasse mokiert, ist da schon kaum mehr von Belang.

Die Pietätlosigkeit, mit der das Unglück von Europas Feministinnen ideologisch aufgearbeitet wird, ist kaum zu ertragen und hat einen veritablen Shitstorm ausgelöst. Doch statt zurückzurudern, sich zu entschuldigen oder die Schmiererei wieder von der Seite zu nehmen, gefällt sich die „Emma“-Redaktion darin, eine Rechtfertigungsarie anzustimmen. Als ließe sich hieraus eine Absolution für menschenverachtendes Verhalten ableiten, schallt es uns seit Sonntag von der Webseite entgegen, die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ würde doch dasselbe fordern. Das Schweizer Blatt hatte argumentiert, die Frauenquote müsse her, weil der Suizid bei Schweizer Männern zwischen 15 und 44 Jahren die häufigste Todesursache sei. Eine dümmlichere und sachlich falschere Aussage hat man wohl selten gehört. Emma und Co haben in diesen Tagen viele Unterstützer verloren. Doch um einen Feminismus, der seine Weltanschauung über Empathie und Mitgefühl stellt, dessen Verbitterung nicht einmal Platz für eine pietätvolle Anteilnahme lässt, muss niemand trauern. Es sind die Opfer, denen in diesen Tagen unsere Gedanken gehören sollten. 150 Menschen, die nicht mehr da sind und eine nicht zu füllende Lücke bei all denen hinterlassen, die sie liebten und kannten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

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