19. März 2015

Chaos in Frankfurt Blockupy von Sinnen

Die intellektuelle Substanz der Kapitalismuskritik ist bescheiden

Dossierbild

Frankfurt am Main war gestern im Zuge der Eröffnung des Neubaus der EZB wieder einmal das Zentrum des antikapitalistischen Protests, zu dem Blockupy aufgerufen hatte.

Blockupy ist ein Netzwerk, das die Crème de la Crème der politischen Linken vereint: Die Globalisierungsgegner von Attac, die Gewerkschaft Verdi, die Partei Die Linke und ihre griechischen Genossen von der Syriza, der Revolutionäre Sozialistische Bund und sogar die Krawallerie der Autonomen Antifa Frankfurt sind mit dabei.

Ziel der gestrigen Proteste war es, ein Zeichen gegen die EZB-Politik zu setzen, indem die Straßen rund um den neu errichteten Euro-Tower, der von den Blockupanten als Bastion des Kapitalismus erachtet wird, blockiert werden. Es ist ein Protest gegen ein System, das die Demonstranten scheinbar nicht verstehen.

Denn was hat der Kapitalismus eigentlich mit der EZB zu tun? Gar nichts! Kapitalismus in seiner reinsten Form ist freier Marktanarchismus. Sobald sich Staat und Politik in die Wirtschaft einmischen, kann von einem reinen Kapitalismus nicht mehr die Rede sein. Daher ist es auch offensichtlich, dass wir derzeit, bei Staatsquoten rund um die 50 Prozent, Steuern en masse, der zunehmenden Verstaatlichung sämtlicher Bereiche und der korrupt anmutenden Verflechtung von Politik und Großkapital, gar nicht im Kapitalismus, sondern in einem schleichenden, nepotistisch veranlagten Korporatismus leben, der die Wirtschaft in ein Korsett einengt, welches ihr natürliches, gesundes Rückgrat krümmt und lähmt.

Und wenn dann auch noch der Staat das Geldsystem monopolisiert hat, wie bei uns in der EU mit der EZB geschehen und übrigens auch von Karlchen Marx im Kommunistischen Manifest vor fast 170 Jahren gefordert, dann muss man auf beiden Augen blind sein, um in der EZB ein Symbol des Kapitalismus zu erkennen. Die EZB ist nicht das Ergebnis einer Nachfrage. Sie wäre auf dem freien Markt, als der sich der Kapitalismus auch definieren lässt, nicht überlebensfähig. Eine kapitalistische Geldordnung zeichnet sich durch freien Währungswettbewerb und nicht durch staatliche Geldmonopole aus. Letztere können, mit den Worten Roland Baaders, nur als „Geldsozialismus“ bezeichnet werden, in dem wir seit langem leben und der für die sich ausbreitenden Missstände in Europa im erheblichen Maße verantwortlich ist. Es ist der kleine Hauch des Rest-Kapitalismus, der uns noch am Leben hält.

Und was wollen die „Blockupanten“? Noch mehr Sozialismus, von dem sie sich zwar Aufbruch erhoffen, der aber nur zum noch schnelleren Zusammenbruch führen kann. Die „Blockupanten“ blockieren sich selbst.

Die intellektuelle Substanz ihres Protests bleibt dementsprechend bescheiden. Vielmehr fallen ihre Proteste durch die Gewaltexzesse ihrer „antifaschistischen“ Krawallbrüder auf, die vermutlich nur zu einer kleinen Minderheit innerhalb des Blockupy-Netzwerks gehören, die allerdings für umso mehr Wirbel sorgt. Sollen brennende Autos und umherfliegende Molotowcocktails die Alternative zum gegenwärtigen semisozialistischen System sein, dann wird der gewöhnliche Bürger dieses, trotz all seiner Schwächen, der von dem militarisierten Teil der Blockupanten angebotenen Alternative vorziehen.

Vielleicht wird die von den Blockupanten selbst provozierte polizeiliche Prügel so manchem von ihnen zur Erkenntnis verhelfen, dass ihm all dies in einem kapitalistischen System mit einer kapitalistischen Geldordnung (statt einer staatsmonopolisierten Geldordnung) und privaten Sicherheitsdiensten (statt der staatlichen Polizei) nicht passiert wäre: weder eine von der EZB geschaffene Wirtschaftskrise, noch eine dazu dann hinfällige Demonstration, auf der man staatlich legitimierte Polizeiprügel kassiert. Und falls nicht, so darf er sich nicht wundern, wenn er vom Staat – auf welche Weise auch immer – auf die Fresse kriegt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.

Fanden Sie diesen Artikel interessant?

Dann werfen Sie einmal einen Blick in die aktuelle eigentümlich frei 151. In diesem Heft erwarten Sie ausführliche Hintergrundartikel zu unserem Schwerpunktthema „Welche Kultur entsteht hier? Das Internet zwischen Hoffen auf Freiheit und totaler Überwachung“. Dazu finden Sie in ef 151 charttechnische Hinweise zur Partnerwahl, eine detaillierte Analyse des Internationalen Klimavertrages 2015, einen Standpunkt zur Einwanderung in den Sozialstaat, einen Wegweiser durch den anarchokapitalistischen Gangsta-Rap, eine Klarstellung der Mietpreisbremse, einen Streifzug durch Moskauer Flaniermeilen, ein Lob des Handwerkers sowie Lifestyle, Musik, Autos, Film, Empfehlungen über ein sinnvolles Anlageverhalten während der lange nicht beendeten Finanzkrise und weitere Analysen aus ungewohnter Sicht. Dazu viele weitere Überraschungen und Informationen, die Sie andernorts vergeblich suchen werden. Als ef-Abonnent profitieren Sie zusätzlich von einem erweiterten Angebot, haben Zugriff auf exklusive Online-Artikel, können das Heft auch digital lesen, erhalten Zugang zu neuen und älteren Ausgaben im Archiv und können Online-Artikel im Leserkreis kommentieren.

Einzelhefte und Abonnements finden Sie hier:

eigentümlich frei bestellen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Papiergeld

Mehr von Tomasz M. Froelich

Über Tomasz M. Froelich

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige