10. Februar 2015

Dokumentation Nur diese paar Worte

Ein Brief gegen den Krieg

Der folgende Text darf gerne per E-Mail oder ausgedruckt an Verwandte, Freunde und Bekannte weitergeleitet und vor allem auch, ins Englische und Russische übersetzt, international versandt werden.

Lieber Leser,

ich bitte Dich, lies die nächsten Zeilen.

Ich schreibe Dir diesen Brief, weil ich Angst habe. Ich schreibe Dir, weil ich nachts nicht mehr schlafen kann. Ich schreibe Dir, weil ich die Nachrichten, die gesendet werden, nicht mehr ertragen kann. Ich kann sie nicht mehr ertragen, weil diese Nachrichten nur noch von Tod und Verzweiflung handeln. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe Angst.

Seit Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen in der Ukraine sind Tausende von Menschen in direkten Kampfhandlungen oder als Folge von Kampfhandlungen getötet worden.

Die Regierungen und Parteien, die in diesen Krieg  verwickelt sind, sind nicht in der Lage, ein Ende der Gewalt herbeizuführen.

Im Gegenteil: Die Kluft zwischen den Regierungen auf beiden Seiten des Konflikts wächst mit jedem Tag, und jeden Tag werden die Rufe nach stärkerer Bewaffnung, mehr Soldaten und der Möglichkeit, den Gegner mit der eigenen Überlegenheit zu bedrohen, immer lauter.

Regierungen versuchen ihren jeweiligen Bevölkerungen einzureden, dass es möglich sei, militärische Konflikte mit Waffengewalt zu begrenzen. Es sind Kugeln, Granaten und Bomben, von denen jede Seite behauptet, sie dienten dazu, der Gewalt ein Ende zu setzen.

Wenn die Kriege, die in den letzten 50 Jahren geführt wurden, eines gezeigt haben, dann, dass ihre Waffen, ihre Grausamkeit und ihr Leid die Welt nicht sicherer gemacht haben.

Kein Krieg kann Krieg beenden.

Die traurige und unmenschliche Katastrophe dieser bisherigen Kriege hält jedoch keinem Vergleich zu dem stand, was militärisch möglich wäre, sollten sich Russland und die westlichen Staaten in einen unmittelbaren Krieg begeben.

Die Waffen, die sich heute in den Arsenalen der Staaten befinden, sind nicht mit dem Ziel hergestellt worden, Konflikte zu begrenzen. Sie sind mit dem Ziel gebaut worden, die menschliche Existenz auf großen Gebieten dieses Planeten vollständig auszulöschen und Leben, so wie wir es kennen, für lange Zeit danach unmöglich zu machen.

Sollten sich die militärischen Großmächte in eine Auseinandersetzung miteinander begeben, dann wird die schiere Anzahl, in der diese Waffen zum Einsatz kommen werden, dazu führen, dass dieser gesamte Planet kein menschliches Leben mehr beheimaten kann.

Die Opfer der vergangenen Kriege haben mehr Leid erfahren, als es jemals begreiflich sein könnte. Und wir, die Menschen, die nach den großen Katastrophen geboren wurden, trauern um sie.

Die vergangenen Kriege waren, so absurd und niederschmetternd es klingen mag, noch Kriege, deren Opfer von den Hinterbliebenen und Überlebenden betrauert werden konnten.

Der nächste Krieg wird keine Trauer mehr kennen, und er wird nicht einmal zur Tragödie taugen, denn es wird kein Bedauern und keine Trauernden mehr geben.

Der nächste Krieg wird alle Hoffnung zunichte machen, dass die Kinder der Opfer die Welt zu einer besseren machen können, denn diese Welt wird keine Kinder mehr kennen.

Ich bin kein Politiker. Ich habe keine Macht. Alles, was ich habe, sind diese paar Worte.


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