02. Februar 2015

Zweiseitige Dynamik Islam und Islamfeinde

Feindbild Muslim

Dossierbild

Damit wir uns richtig verstehen: Ich halte es für mehr als eine Dummheit, nämlich für einen Fehler, mit dem Islam als Feindbild zu hantieren. Längst gibt es in allen europäischen Ländern eine etablierte Mittelschicht aus mehr oder weniger gläubigen Muslimen, die wir bei der Verteidigung der westlichen Zivilisation als Verbündete benötigen. Ein überaltertes und sukzessive verschwindendes Volk, das auf die Vorzüge seiner Kultur und Religion insistiert, hat etwas zutiefst Tragikomisches. Wer so argumentiert, erkennt die Lage nicht. Davon abgesehen, dass es mit der Religiosität und Kulturfähigkeit der meisten heutigen Biodeutschen nicht sonderlich weit her ist, geht es längst nicht mehr um die Erhaltung einer wie auch immer ge- oder entarteten deutschen Kultur – wir müssen uns vielmehr damit begnügen, diese Zivilisation zu retten, mit wem gemeinsam auch immer.

Das Problem ist nicht der islamische Glaube, sofern er nicht zum gesellschaftlichen Leitbild erhoben wird, sondern die Radikalisierung junger Männer (inzwischen auch einiger Mädels), die sich aus Versatzstücken dieser Religion ein Überlegenheitsgefühl basteln, um ihre Daseinsbeschissenheit oder ihren Nihilismus zu kompensieren, oft in Verbindung mit archaischen Männlichkeitsbildern und jugendlichem Gewaltkult. Das Problem ist nicht der Islam, sondern eine spezielle Mentalität, die in seinem Einflussbereich wächst, aufgrund welcher unio mystica auch immer, speziell unter jungen Muslimen im Westen, die sich die Zivilisation, in der sie leben, zum Feind oder zur Melkkuh erkoren haben. Den Islam als solchen zu attackieren, bedeutet letztlich, diesem Milieu immer neue Sympathisanten zuzutreiben. Dieses Milieu wiederum, vom Gotteskrieger bis zum Bandenmitglied, vom Salafisten bis zum daueralimentierten Sprach- und Bildungsverweigerer, nicht mit allen Mitteln des Staates zu bekämpfen, seine aggressive Fremdheit zu beschweigen, seine Gewalttaten kleinzureden, auf soziale Ursachen zu reduzieren, was eine Melange aus ethnisch-kulturellen Prägungen und sozialer Wirklichkeit ist, und möglichst noch die Mehrheitsgesellschaft für alles verantwortlich zu machen, das treibt wiederum den Islamfeinden scharenweise Sympathisanten zu. Diese Dynamik ist teuflisch. Man muss ihr nach beiden Richtungen widerstehen.

Aber im Grunde ist das eine Selbstverständlichkeit.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.

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