12. Januar 2015

Dokumentation Brief an alle Studenten der Universität Leipzig

Das Politbüro fordert zu Teilnahme an den Gegendemonstrationen auf, bitte Wink-Elemente mitbringen

Betreff:  12.01.2015 – Leipziger Hochschulen für Offenheit und Toleranz

Von: Studenten-Verteiler! <noreply@studserv.uni-leipzig.de>

An: Studenten-Verteiler! <noreply@studserv.uni-leipzig.de>

Sehr geehrte Studierende,

anlässlich der für Montag, den 12.01.2015, geplanten Demonstration „Legida“ erhalten Sie beiliegend entsprechende Aufrufe der Leipziger Hochschulen und des StuRa zur Kenntnisnahme, verbunden mit der dringenden Bitte, die beiden nachfolgenden Aufrufe zu unterstützen.

Alle Rektoratsmitglieder nehmen an den Gegenkundgebungen teil; selbiges erwarten wir sehr gerne von Ihnen. Die Lehrveranstaltungen sollen am 12.01.2015 ab 15.00 Uhr in den offenen Raum der Stadt verlegt werden, um so Ihnen als Studierenden die Teilhabe und Teilnahme an den „Lehrstunden für Demokratie und Vielfalt“ zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen

Rektorat der Universität Leipzig

Prof. Dr. Thomas Hofsäss

i.V. der Rektorin

Prof. Dr. Beate Schücking

Prof. Dr. Thomas Lenk

Prof. Dr. Matthias Schwarz

Amt. Kanzler Oliver Grimm

Leipziger Hochschulen für Offenheit und Toleranz

Am Montag, den 12. Januar 2015, soll in Leipzig eine Demonstration der Initiative „Legida“ stattfinden. Diese Initiative propagiert ein Weltbild aus diffusen Ängsten und vertritt fremdenfeindliche, nationalistische und sexistische Positionen. Dagegen werden vielfältige und unterschiedliche Initiativen aus der Leipziger Bürgergesellschaft in einem Sternmarsch demonstrieren.

Aus gutem Grund: Leipzig als Handels- und Messestadt hat schon immer von seiner Anziehungskraft auf Auswärtige und vom Austausch mit Fremden profitiert. Das gilt gerade für die Leipziger Hochschulen in besonderem Maße. Wissenschaft ist international und ohne die Neugier auf das Neue und Fremde undenkbar. Unsere internationalen Studierenden und Mitarbeiter bringen zusätzliche Impulse sowie neue und wertvolle Sichtweisen in unsere Lehre und Forschung ein. Wissenschaft lebt zudem vom Diskurs, von der Diskussion über widersprüchliche Positionen und vom Wettstreit der Ideen, nicht von der Verweigerung des Dialogs.

Die Leipziger Hochschulen benötigen auch zukünftig den freien Austausch von Gedanken und die in unserer Stadt herrschende offene Atmosphäre, die eine angstfreie Beschäftigung mit dem Neuen möglich macht und Menschen aus aller Welt fasziniert.

Wir, die Rektorinnen und Rektoren der Leipziger Hochschulen, stellen uns daher entschieden gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut. Wir werden an den verschiedenen Protestveranstaltungen gegen Legida teilnehmen und damit ein Zeichen für eine moderne, diskursfähige und vielfältige Gesellschaft setzen.

Leipzig, 7. Januar 2014

Prof. Dr. Ana Dimke, Hochschule für Grafik und Buchkunst

Prof. Robert Ehrlich, Hochschule für Musik und Theater

Prof. Dr. Gesine Grande, Rektorin der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, HHL Leipzig Graduate School of Management

Prof. Dr.-Ing. Volker Saupe, Hochschule für Telekommunikation Leipzig

Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig

Der Student_innenRat beschließt sich im Hinblick auf die „Legida-Bewegung“ hinter folgende Forderungen zu stellen:

1. Der Student_innenRat positioniert sich öffentlich explizit gegen die Bürger_inneninitiative „Legida“ und versteht diese als rassistische Bewegung.

2. Der Student_innenRat fordert sämtliche Akteur_innen der Universität Leipzig auf, institutionellem und alltäglichem Rassismus, den Student_innen – vor allem ausländische und nicht „deutsch“ aussehende –  erfahren respektive durch die Bildungseinrichtung selbst, explizit entgegenzutreten und nicht zu bagatellisieren.

3. Der Leipziger Stadtrat hat 2012 ein Konzept zur dezentralen Unterbringung entworfen, hinter dessen Programmatik nicht zurückgefallen werden darf. Demzufolge stellen wir uns gegen den langen Aufenthalt von flüchtigen Menschen in Massenunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen und fordern eine menschenwürdige dezentralisierte Unterbringung in Leipzig und überall.

4. Die Einführung eines sofort wirkenden „(Winter-)Abschiebestopps“ seitens der sächsischen Landesregierung soll sofort verabschiedet werden.

5.Der Student_innenRat der Uni Leipzig fordert dringlichst die Anerkennung von Geschlechtervielfalt, Respekt für unterschiedliche Lebensweisen sowie die gleichberechtigte Teilhabe aller an gesellschaftlichen Prozessen. Hierbei dürfen keine Ausschlüsse aufgrund von Geschlecht, Identität(en), Ethnizität, Religion oder sozialer Herkunft passieren. Gleichberechtigung ist kein Privileg für auserwählte Menschen, sondern das Recht eines jeden Menschen und zwar in allen Facetten des Lebens sowie der Gesellschaft. Denn die Emanzipation einzelner Gruppen darf nicht auf Kosten anderer passieren.

6. Der Student_innenRat folgt dem Ausspruch: Refugees welcome! und unterstützt die Etablierung einer Willkommenskultur für Geflüchtete, asylsuchende Menschen in Leipzig und ganz Sachsen und solidarisiert sich mit sämtlichen Protesten, die sich gegen „Spaziergänge“ von Legida richten.

Es wird auf die zahlreichen Gegendemonstrationen, die am 12.01. stattfinden, hingewiesen, insbesondere auf die studentische Gegendemonstration, die am 12.01. um 15.30 Uhr am Hauptcampus los laufen wird. Der StuRa ermutigt alle Student_innen zur Teilnahme.

Die Uni Leipzig wird darauf hingewiesen, den Studierenden und Mitarbeiter_innen zu ermöglichen, an den Gegendemonstrationen am 12.01. teilzunehmen.


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