03. Januar 2015

Markus Frohnmaier (AfD) Auf den Spuren von Willy Brandt und Björn Höcke

Interview mit dem Kandidaten zum Bundesvorsitz der Jungen Alternative (JA)

In der AfD gilt Markus Frohnmaier als politisches Talent. Beim Parteitag der baden-württembergischen ließ er jüngst den Landesvorsitzenden Bernd Kölmel (MdEP) hinter sich. Der 23-jährige Jurastudent und Vorsitzende der baden-württembergischen Jungen Alternative (JA) zeigt klare Kante, kämpft gegen „Linksgrüne“ und vermeintliche Auswüchse „politischer Korrektheit“. Seit 2013 ist der Tübinger auch jüngstes Mitglied im AfD-Landesvorstand. Petr Bytron befragte ihn für eigentümlich frei zu seinen Zielen.

ef: Herr Frohnmaier, Sie haben schon im Dezember bekannt gegeben, dass Sie beim Bundeskongress der Jungen Alternative am 10./11. Januar 2015 als Bundesvorsitzender kandidieren wollen. Was hat Sie zur Kandidatur bewogen und warum sollen die Mitglieder Ihnen ihre Stimme geben?

Frohnmaier: Als Bundesvorsitzender möchte ich gemeinsam mit dem neuen Vorstand die Professionalisierung und inhaltliche Ausprägung unserer Organisation vorantreiben. Insbesondere das basisdemokratische Versprechen muss eingelöst werden, indem wir mehr Angebote zur innerparteilichen Teilhabe bereitstellen. Zudem möchte ich dafür sorgen, dass die Kommunikation mit den Landesverbänden in Zukunft einen sehr viel höheren Stellenwert als bislang erhält. Die JA braucht einen klaren Entwicklungsrahmen und Kontinuität.

ef: Sie bekleiden bereits mehrere Ämter innerhalb der JA und der AfD. Hinzu kommt, dass sie noch studieren. Bei allem Engagement – der Tag nur 24 Stunden. Sind Ihnen da keine Grenzen gesetzt?

Frohnmaier: Sie haben Recht – ich kann auf bald zwei Jahre erfolgreiches Engagement für JA und AfD zurückblicken und lasse mich gerne daran messen. Aber die Belastung kann ich nicht unendlich steigern. Für den Fall einer Wahl werde ich mein Engagement für Partei und Jugend auf zwei Ämter reduzieren. Die JA ist kein Wochenendprojekt oder kann nach Feierabend betrieben werden – zumindest ist das nicht mein Anspruch. Zum Glück werde ich von einem sehr engagierten Team unterstützt, das mir in vielen Bereichen Arbeit abnimmt. Es hilft auch, dass ich als Student mehr Freiheiten als ein Erwerbstätiger genieße.

ef: Es ist kein Geheimnis, dass Sie sich dem konservativen Flügel in der JA zuordnen. Wie in der AfD gibt es jedoch auch in der Jugendorganisation verschiedene Strömungen, beispielsweise auch Mitglieder mit linken oder liberalen Ansichten. Können Sie denn auch diesen Mitgliedern weiterhin eine Heimat in der JA bieten?

Frohnmaier: Das tue ich bereits. Ein Blick auf das Personal unseres Landesvorstands in Baden-Württemberg gibt die beste Antwort: vom Nationalkonservativen über den ehemaligen Juli bis zum Ex-Mitglied der Linkspartei ist bei uns alles vertreten. Auf der Basis eines gemeinsamen und vorurteilsfreien Patriotismus können wir gemeinsam das Beste für unser Land herausholen.

ef: Bisher haben Sie sich vor allem durch engagierte politische Arbeit in Baden-Württemberg einen Namen gemacht und dies auch öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Wollen Sie diesen Weg im Bund so fortsetzen?

Frohnmaier: Unsere Abendveranstaltungen dienen in erster Linie der politischen Bildung, aber auch der Stärkung der Gemeinschaft. Was den Austausch mit anderen Organisationen betrifft, sollte die JA auf Bundesebene Anstrengungen unternehmen mit anderen politischen Jugendorganisationen oder Interessengruppen in Kontakt zu treten. Hier konnte ich in Baden-Württemberg einiges erreichen. So erfolgte die Einladung zu mehreren Veranstaltungen der JU, zum informellen Austausch mit Interessenverbänden wie den Jungphilologen oder auch Podiumsdiskussionen an Universitäten.

ef: Wie soll es mit der Jungen Alternative weitergehen? Was ist Ihre Vision: Wo wird die JA zur Bundestagswahl 2017 stehen?

Frohnmaier: Bis spätestens 2017 haben wir eine wettbewerbsfähige, impulsgebende und programmatisch überzeugende Jugendorganisation, die als tragende Säule der AfD dieser beim Einzug in den Deutschen Bundestag helfen wird. Wir in der JA dürfen uns mehr erlauben als die Mutterpartei. Dadurch kommt uns beispielsweise die Funktion zu, Speerspitze im Kampf gegen das Unterdrückungsinstrument der Politischen Korrektheit zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir bis Ende 2015 den Strukturaufbau abschließen und auf Bundesebene die Angliederung erreichen.

ef: Die Junge Alternative ist mittlerweile in einigen Landesverbänden offiziell angegliedert. Ist das auch Ihr Ziel für den Bundesverband, und wenn ja, unter welchen Vorgaben?

Frohnmeier: Wir sind Teil der Alternative für Deutschland und was nun folgt, ist und war in vielen Landesverbänden ein rein formaler Akt – wir gehören schon lange dazu und leisten was von einer Jugendorganisation erwartet wird. Auf Bundesebene gilt es nun endlich entsprechende Anstrengungen zu unternehmen und eine Angliederung mit Satzungsautonomie zu forcieren.

ef: Meistens wird Ihr Name als erstes mit dem Thema Russlandpolitik in Verbindung gebracht. Sind Sie ein Putinversteher? Birgt ein Eingehen auf Russland nicht auch große Risiken?

Frohnmaier: Es wird häufig vergessen, dass Russland an entscheidenden Wegmarken der deutschen Geschichte – zuletzt bei der Wiedervereinigung – einen entscheidenden Anteil hatte und unsere Völker einiges gemein haben. Das heißt nun nicht, dass Deutsche und Russen in einer identischen Wertewelt lebten. Deshalb bedeutet „Russland verstehen“ auch ausdrücklich nicht, dass ich mir für Deutschland die innenpolitischen Verhältnisse Russlands wünsche. Ich halte es aber für eine Frage des gesunden Menschenverstandes, dass Friedenspolitik weniger risikoreich ist als Kriegspolitik. Eine Perspektive auf die USA oder Russland muss immer von Deutschland her gedacht sein und Frieden mit Russland ist in deutschem Interesse. Unseren eigenen Interessen können wir nur nachgehen, wenn wir uns weder an die USA noch an Russland ketten. Bin ich deshalb ein Putinversteher?

ef: Wie sehen Sie die Rolle Deutschlands im Verhältnis zu den USA? Und wie stehen Sie zur Nato-Mitgliedschaft Deutschlands?

Frohnmaier: Ein freundschaftliches Verhältnis zu den USA liegt mir natürlich genauso am Herzen wie der Dialog mit Russland. Gute Beziehungen sowohl zu Russland als auch den USA schließen sich doch nicht aus! Wir teilen mit den Vereinigten Staaten nicht nur in vielen Bereichen die gleichen politischen Werte – hinzu kommt, dass eine realistische deutsche Außenpolitik eine Supermacht wie die USA als internationalen Partner ersten Ranges anerkennen und behandeln muss. Die Partnerschaft zwischen Deutschen und Amerikanern muss aber auf Augenhöhe stattfinden. Deshalb ist es für mich wichtig, dass bei Regelüberschreitungen der USA, wie im Falle der NSA-Affäre, diplomatisch und rechtlich angemessen reagiert wird. Die Souveränität Deutschlands darf nicht zur Disposition stehen. Die gegenwärtige Mitgliedschaft Deutschlands in der Nato halte ich im Grundsatz für richtig. Ich sehe aber mit großer Sorge, dass die Nato zunehmend außerhalb ihres Bündnisgebietes militärische Abenteuer unternimmt, die weder von einer durchdachten Gesamtstrategie getragen noch deutschen oder europäischen Interessen gerecht werden. Ich hoffe, dass sich dieser Trend nicht fortsetzt. Andernfalls muss man sich fragen, ob Deutschland weiterhin in einem militärischen Bündnis partizipieren kann, das sich unter der Führung der Amerikaner immer mehr zur exklusiven, globalen agierenden Interventionsstreitmacht transformiert, die keine Rücksicht auf die Interessen der Bundesgenossen nimmt.

ef: Zum Abschluss verraten Sie uns bitte  ein politisches Vorbild aus der Geschichte und eines aus der Tagespolitik.

Frohnmaier: Aus aktuellem Anlass gefällt mir Willy Brandt mit seiner Neuen Ostpolitik sehr. Mit diesem Ansatz wies er den Weg aus der damaligen außenpolitischen Sackgasse. Ich denke, hier können wir mit einer alternativen Ostpolitik gut anknüpfen. Von den derzeit aktiven Politikern favorisiere ich eindeutig Björn Höcke. Der Mitstreiter aus Thüringen bringt meiner Meinung nach alles mit, um diese Republik nachhaltig zum Besseren zu verändern.

Interessantes Video mit Markus Frohnmaier und Björn Höcke auf der Weihnachtsfeier 2014 der JA in Stuttgart, man beachte die gemeinsame Gesangseinlage am Ende


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