10. Dezember 2014

Studie Schaffen Waffen Sicherheit?

Grundlagenuntersuchung zum Sicherheitsbedürfnis

Dossierbild

Die Frage des privaten Waffenbesitzes ist – zumindest in Teilen Europas – ein hochsensibles Thema. Emotionsfreie, faktenbasierte Debatten dazu sind kaum möglich – insbesondere dann nicht, wenn die Massenmedien wieder einmal einen Fall von Schusswaffenmissbrauch dazu benutzen, um Stimmung gegen den rechtmäßigen Waffenbesitz zu machen.

Auffallend ist: Werden für Gewalttaten Messer, Äxte, Macheten, Baseballschläger, x-beliebige andere Gegenstände oder bloße Hände eingesetzt, spielen die Tatmittel in der Berichterstattung keine Rolle. Nicht ein Journalist interessiert sich im Geringsten dafür. Zum einen kommt keiner von ihnen etwa auf die Idee, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit eines als Tatwerkzeug benutzten Bleikristallaschenbechers und der damit begangenen Gewalttat zu konstruieren. Zum anderen dürfen sich die Opfer derartiger Übergriffe – sofern sie noch am Leben sind – glücklich preisen, immerhin nicht mit einer Schusswaffe verletzt worden zu sein. Da lässt sich ein Schädelbruch oder ein Bauchstich doch gleich viel leichter wegstecken…

Kaum aber liegt Pulverdampf in der Luft, vernebelt sich auch schon der sonst so scharfe Blick der Redakteure. Augenblicklich steht für sie dann fest, dass das Verbrechen selbstverständlich unterblieben wäre, wenn nur ein ausreichend einschränkendes Waffengesetz dafür gesorgt hätte, dass keine Schusswaffe in die Hand des Täters gelangt. Ob diese Art von Logik beim Publizistikstudium vermittelt wird? Die Tatsache, dass in den meisten Fällen von Schusswaffenkriminalität illegal beschaffte Feuerwaffen zum Einsatz kommen (woran eine noch so restriktive Waffengesetzgebung nichts ändern kann!), wird generös ausgeblendet. Es kann eben einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Nun wurde soeben vom Klagenfurter Humaninstituteine Untersuchung präsentiert, die zur Versachlichung der Debatte beitragen könnte: Es handelt sich um eine repräsentative Studie, die das Thema Sicherheit mit der Frage des Waffenrechts verbindet. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden diejenigen wenig überraschen, die sich mit den Fakten zum privaten Waffenbesitz schon bisher vorurteilsfrei auseinandergesetzt haben.

Auf die Frage „Wie sicher fühlen Sie sich in Österreich?“ antworten nur 14 Prozent der Befragten mit „sehr sicher“. Eine Mehrheit von 52 Prozent fühlt sich „weniger“ oder „gar nicht“ sicher. Und das, obwohl die von den regierungsnahen Medien getrommelte Propaganda Österreich pausenlos als Insel der Sicherheit preist. Dass „die Politik dasSicherheitsbedürfnis ausreichend befriedigt“, bejahen nur 20 Prozent, während 67 Prozent der Befragten verneinen. Als Grund dafür wird an erster Stelle (93 Prozent) „erhöhte Kriminalität“ und in weiterer Folge unter anderem „Kriminaltourismus“ (83 Prozent) genannt.

Nimmt man die einschlägige Berichterstattung in den Massenmedien und die Aussagen von Politikern für bare Münze, sind legale Waffen in Privathand brandgefährlich und daher abzulehnen. Eher unerwartet fallen daher die Antworten auf die Frage aus, „ob legaler Waffenbesitz geeignet ist, die Sicherheit zu erhöhen“: Immerhin 22 Prozent sind der Ansicht, das sei „sehr stark“ der Fall, 38 Prozent antworten mit „stark“, 24 Prozent mit „weniger stark“ und nur 16 Prozent mit „gar nicht“.

Die Aussage „Waffen alleine töten nicht!“ erhält eine 68-prozentige Zustimmung. 22 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Die Frage „Von welchen Waffenbesitzern geht Ihrer Meinung nach mehr Gefahr aus?“ wird von 53 Prozent der Befragten mit „von den Besitzern illegaler Waffen“ beantwortet. Nur sieben Prozent dagegen fühlen sich von Legalwaffenbesitzern gefährdet (32 Prozent von beiden Gruppen).

85 Prozent der Befragten glauben, dass „auf dem Land“ ein verantwortungsvollerer Umgang mit Schusswaffen gepflegt wird, als „in der Stadt“. Nur neun Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Dass diese Antworten mit der stark ungleichen Verteilung in- und ausländischen Gesindels auf Stadt und Land korrelieren, ist offensichtlich. Dafür, dass gehäuft in den Städten agierende kriminelle Intensivtäter sich um einschlägige Vorschriften nicht scheren (und in gewissen Kreisen die illegale Bewaffnung obligatorisch und der Umgang mit derselben als eher salopp zu bezeichnen ist), haben die Bürger offensichtlich ein recht feines Sensorium.

Auf die Frage „Wie beurteilen Sie öffentliche Diskussionen um die Verschärfung des Waffenrechts?“ antworten 31 Prozent mit „politisch gesteuert“, 26 Prozent mit „einseitig“, 17 Prozent mit „übertrieben“ und nur 14 Prozent mit „verständlich“. Klarer kann die Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung kaum zutagetreten. Das Publikum ist bei weitem weniger blöd oder leicht manipulierbar, als von ihrer Unfehlbarkeit überzeugte Publizisten es sich einbilden. Jahrzehntelange, intensiv betriebene Gehirnwäsche hat das Publikum anscheinend eher sensibilisiert als abgestumpft: Man merkt die Absicht und man ist verstimmt.

Für jene vom Waffengesetz betroffenen, biederen Bürger, die den einschlägigen Vorschriften zwar knirschenden Zahns, aber letztlich doch widerstandslos folgen, sind die Antworten zum letzten Punkt der Studie durchaus ermutigend: Während sich 25 Prozent der Befragten eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes wünschen, treten beachtliche 43 Prozent für dessen Liberalisierung und 32 Prozent für eine Vereinfachung ein. Angesichts dieses Befundes wäre ein Umdenken kein Fehler. Künftig ist die politische Klasse wohl gut beraten, nicht mehr, wie bisher, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Rechte der rechtmäßigen Waffenbesitzer mit Füßen zu treten. Denn Gefahr für die Sicherheit im Lande geht von allen möglichen Quellen aus. Der legale Waffenbesitz ist indes die am wenigsten ergiebige davon…

Nachdem das „Team Stronach“ zuletzt nicht gerade durch erfreuliche Meldungen auffiel, sei nicht verschwiegen, dass Martina Schenk, eine Abgeordnete dieser jungen Partei, die zitierte Untersuchung kürzlich bei einer Pressekonferenz präsentiert hat.

Link:

Humaninstitut: Studie „Schaffen Waffen Sicherheit?“


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