13. Oktober 2014

Equal Pay Day Geschlechtsspezifische Diskriminierung?

Beruf und Karriere sind bei weitem nicht alles

Dass Frauen für „gleiche Arbeit“ weniger entlohnt werden als Männer, wird mittlerweile jedem Kind bereits in der Grundschule eingetrichtert. Schuld daran soll in erster Linie „geschlechtsspezifische Diskriminierung“ sein. Um auf diese „Missstände“ aufmerksam zu machen, wurde in den USA erstmals im Jahre 1966 vom National Committee on Pay Equity der sogenannte „Equal Pay Day“ ins Leben gerufen, der mittlerweile auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen Ländern abgehalten wird.

Der „Equal Pay Day“ soll symbolisch den Tag markieren, ab oder bis zu dem Frauen im Vergleich zu Männern „gratis“ arbeiten. In Österreich ist es in diesem Jahr der 10. Oktober. Ziel des „Equal Pay Day“ ist – wie der Name schon vermuten lässt – die geschlechtsübergreifende Entgeltgleichheit.

Um diese zu erreichen, fordern viele Frauen – häufig aus dem feministischen Milieu kommend – paternalistische Staatseingriffe, die Frauen um jeden Preis in die Erwerbsarbeit führen und eine Egalisierung mit männlichen Berufs- und Karrieremustern erzwingen sollen. Dazu gehören dann Frauenquoten, bevorzugte Behandlung von Frauen bei Stellenausschreibungen, und so weiter. Alles unter dem Deckmantel der „Antidiskriminierung“. Für eine selbstbewusste, fähige Frau muss das wirklich demütigend sein.

Dass sogenannte „Antidiskriminierungsgesetze“ mit den Grundsätzen einer freien Gesellschaft, insbesondere mit dem Grundsatz der Vertragsfreiheit, nicht in Einklang zu bringen sind, interessiert diejenigen, die solche Gesetze fordern oder absegnen, nicht wirklich. Tatsächlich unterhöhlt „Antidiskriminierungspolitik“ den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz, der Rechtsstaaten – wenn man von solchen überhaupt sprechen kann – auszeichnet.

Doch ist es wirklich „geschlechtsspezifische Diskriminierung“, die schuld daran sein soll, dass Frauen verhältnismäßig weniger verdienen als Männer? Das darf zumindest bezweifelt werden. Die amerikanische Unternehmerin und Ökonomin Ellen Fishbein hat errechnet, dass die Löhne der Frauen in den USA zwar über 20 Prozent niedriger sind als die der Männer, dies aber durchaus seine Gründe hat, die eben nicht „geschlechtsspezifisch diskriminierender“ Natur sind: Männer in den USA verbringen bei der Arbeit 14 Prozent mehr Zeit als Frauen, sterben während der Arbeit neunmal häufiger und wählen einen Ausbildungsweg, mit dem höhere Löhne verbunden sind: Vier der fünf Studiengänge, die nach erfolgreichem Abschluss die höchsten Einkünfte versprechen, sind klar von Männern dominiert. Umgekehrt sind in vier der fünf Studiengänge mit den niedrigsten Lohnaussichten Frauen in der Überzahl. (Es ist anzunehmen, dass die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz zumindest tendenziell ähnlich ist.) Und: „Gleiche Arbeit“ ist nicht gleich „gleiche Arbeit“: Nur weil jemand nominell den gleichen Posten hat, heißt dies nicht, dass er auf diesem Posten das Gleiche leistet.

Interessant ist, dass in der Altersgruppe der 22‑ bis 30-Jährigen – einer Altersgruppe, in der viele ihren formalen Ausbildungsweg noch nicht abgeschlossen haben – US-Frauen acht Prozent mehr verdienen als Männer. Nach „geschlechtsspezifischer Diskriminierung“ jüngerer Männer kräht indes kein Hahn.

Dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer, wird kaum geschlechtsspezifische Gründe haben. Mal ernsthaft: Wieso sollte ein Unternehmer bei einer Stellenausschreibung einen Mann gegenüber einer Frau bevorzugen, wenn die Frau für den Job besser geeignet ist? Der Unternehmer würde sich damit nur selbst schaden, was jeglicher unternehmerischen Logik widersprechen würde. Vielleicht ist es einfach so, dass Männer in Branchen, in denen man mehr verdient, verhältnismäßig besser sind? Das macht ja Frauen nicht gleich zu schlechteren Menschen. Beruf und Karriere sind bei weitem nicht alles.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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