17. Juni 2014

Klima Suizidale Offenbarungsreligion

Die Geburt der „Energiewende“ aus der katholischen Häresie

Dossierbild

Im diesjährigen Magazin des Hilfswerkes der deutschen katholischen Bischöfe Misereor nimmt sich der einschlägig bekannte Autor und Greenpeace-Lobbyist Toralf Staud unter dem Titel „Zweifel ist unser Produkt“ jene Skeptiker oder Klimarealisten vor, die sich unter anderem beim Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) zusammengefunden haben, um auf Ungereimtheiten in den fünf offiziellen Sachstands-Berichten des „Weltklimarats“ IPCC der UN hinzuweisen. Staud wirft den von ihm als „Leugner“ verunglimpften Skeptikern vor, einen asymmetrischen Krieg gegen die staatlich und zwischenstaatlich anerkannte Klimaforschung und damit gegen die wissenschaftliche Begründung der deutschen Energiewende zu führen. Denn sie machten sich die Tatsache zunutze, dass „viele Journalisten auf der Suche nach Neuigkeiten lieber eine abweichende Meinung drucken als eine weitere Bestätigung des wissenschaftlichen Konsens.“ Der „Leugnerszene“ gehe es nicht um Erkenntnisgewinn, sondern um das Pflegen vorgefasster Meinungen. Das zeige sich schon daran, dass EIKE keinen einzigen wissenschaftlichen Angestellten beschäftigt. Tatsächlich beschäftigt EIKE als ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und kleine Privatspenden finanzierter eingetragener Verein überhaupt keine Angestellten. Die Mitglieder von EIKE sehen sich aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung als Wissenschaftler und Ingenieure aber sehr wohl imstande, die offiziellen Verlautbarungen der Klimapolitik auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen und vor der mutwilligen Zerstörung eines bislang zuverlässig funktionierenden Systems der Stromversorgung durch die massive Subventionierung zufallsabhängiger „Erneuerbarer“ zu warnen.

Warum übernimmt ausgerechnet ein katholisches Hilfswerk die Rolle einer Speerspitze gegen den gesunden Menschenverstand? Bekanntlich spielte der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, eine maßgebliche Rolle in der von Angela Merkel im März 2011 zur Begründung des überstürzten „Atomausstiegs“ nach dem Reaktorunglück von Fukushima eingesetzten „Ethikkommission“. Wer die Klimapolitik seit ihren Anfängen gegen Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verfolgt hat, wird davon nicht überrascht sein. Das bischöfliche Hilfswerk Misereor spielte, genau genommen, sogar die Rolle eines Geburtshelfers der deutschen Energiewende. Um die Mitte der 90er Jahre sponserte Misereor zusammen mit dem Naturschutzverband Bund die am Wuppertal Institut für Klima-Umwelt-Energie GmbH erstellte Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“, erschienen 1996 im Birkhäuser Verlag, Basel. Dieses 450 Seiten starke Buch wurde rasch zur Bibel der deutschsprachigen Öko-Bewegung. Denn es enthält die Begründung der Forderungen nach einem vollständigen „Atomausstieg“ bis 2010, nach der Verminderung des Primärenergieeinsatzes um mindestens 50 Prozent und der Reduktion des CO2-Ausstoßes um 80 bis 90 Prozent bis zum Jahre 2050. Schon bis 2010 sollten überdies Land- und Forstwirtschaft flächendeckend auf „Öko“ umgestellt sein – ohne auch nur anzudeuten, wie man die wachsende Weltbevölkerung ohne den Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger ernähren könnte.

International fordert die Wuppertal-Studie einen „Ausgleich zwischen Norden und Süden“. Was darunter zu verstehen ist, hat der Ex-Jesuit Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, heute Chefökonom des Potsdam Instituts für Klimafolgen-Forschung und Ko-Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des IPCC, im Herbst 2010 in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung unumwunden ausgesprochen: „Wir verteilen durch die Klimapolitik de facto das Weltvermögen um. Dass die Besitzer von Kohle und Öl davon nicht begeistert sind, liegt auf der Hand. Man muss sich von der Illusion freimachen, dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik ist“, erklärte Edenhofer. Um den Anstieg der Durchschnittstemperatur der Erde auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, dürften die Menschen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts höchstens noch 750 Gigatonnen CO2 freisetzen. Eine Welt-Kohlenstoffbank müsse den Einsatz kohlenstoffhaltiger Rohstoffe über den CO2-Zertifikate- beziehungsweise Ablass-Handel und die Subventionierung so genannter erneuerbarer Energien dem entsprechend rationieren. Edenhofer erhielt übrigens für seine Arbeit in den Jahren 2007 bis 2010 von Misereor einen Zuschuss von 520.000 Euro. Da stört natürlich der Einwand, dass es bis heute keine einzige wissenschaftliche Untersuchung gibt, die einen nennenswerten Einfluss der CO2-Konzentration auf die Durchschnittstemperatur der Erde belegen könnte. Von daher versteht sich der Eifer, mit dem die geistigen Wegbereiter des deutschen Energiewende-Abenteuers versuchen, ihre Kritiker moralisch in ein schiefes Licht zu rücken und mundtot zu machen.

Dass die Verteufelung des CO2 wenig mit Wissenschaft und dafür umso mehr mit Religion zu tun hat, ist inzwischen beinahe zum Gemeinplatz geworden, zumal der auffällige Eifer deutscher Bischöfe in Sachen „Klimaschutz“ und Energiewende diesen Eindruck sicher nicht dementiert. So hat nun ein deutscher katholischer Theologe bestätigt: „Der Klimadiskurs ist mehr ein ethisch-spiritueller als ein naturwissenschaftlich-technischer Diskurs. Es geht nicht primär um Klimadaten und deren Deutung, sondern um Weltanschauungen und Wertorientierungen.“ Das schreibt Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität im oberösterreichischen Linz, in der humanökologischen Fachzeitschrift „GAiA“, die unter anderem als Organ der Deutschen Gesellschaft für Humanökologie (DGH) fungiert. Rosenberger sieht in der in Deutschland über Jahrzehnte geschürten Angst vor Radioaktivität, Ressourcenerschöpfung und katastrophalen Klimaveränderungen eine moderne Form der Gottesfurcht, die nach dem Alten Testament der Bibel als die Mutter der Weisheit gilt. Er hält deshalb die den Forderungen nach einer radikalen „Wende“ beziehungsweise „Großen Transformation“ zugrunde liegende apokalyptische Argumentation für vollauf gerechtfertigt. „Angst rüttelt wach, reine Vernunft schläfert ein“, schreibt er. „Klimaschützerische Positionen wollen aus diesem Grund gezielt und mit guten Gründen Angst wecken.“

Als praktizierender Katholik bestreite ich selbstverständlich nicht, dass die Gottesfurcht die Mutter der Weisheit ist. Sie dient aber in erster Linie dazu, die Menschen Demut zu lehren und sie vor Dummheit infolge von Überheblichkeit zu bewahren. Ich halte deshalb die deutsche Energiewende im Hauruck-Verfahren, weil auf Wissensanmaßung beruhend, für eine weitaus größere Hybris als das von Rosenberger moralisch verurteilte Business as usual, das mir vergleichsweise bescheiden vorkommt - zumal es, wie jeder aus dem Geschäftsleben wissen sollte, durchaus laufende Verbesserungen und auch größere Innovationen einschließt. Diese müssen sich aber, im Unterschied zu politisch dekretierten Festlegungen, auf dem Markt bewähren. Wie die Gottesfurcht, davon bin ich mit Friedrich A. von Hayek überzeugt, kann auch der Markt die Menschen demütig machen.

Allerdings ist die Demutsforderung nur eine von mehreren Konsequenzen aus der Kernbotschaft der Bibel. Mindestens so wichtig wie die Gottesfurcht ist das Gottvertrauen. Worin die frohe Botschaft der der Bibel besteht, hat meines Erachtens am klarsten der französisch-amerikanische Anthropologe René Girard herausgearbeitet. Ausgehend von literarischen Zeugnissen und von ethnologischen Forschungen kam Girard zur Erkenntnis, dass die Bibel neben der Heilsbotschaft auch den Schlüssel für die wissenschaftliche Erklärung des Ursprungs der Kultur enthält: Wir sind alle Nachkommen Kains, besitzen also einen angeborenen und weitgehend unbewussten Hang, uns ständig mit anderen vergleichen und einander übertreffen zu wollen, was zu konkurrierenden Macht- und Besitzansprüchen führen muss. Physiologische Grundlage dieses Mimetismus sind die so genannten Spiegelneurone.

Der Ursprung aller Kultur und letztlich auch des Staates liegt nach René Girard in Menschenopfern und Kannibalismus. Er kann sich dabei auch auf Sigmund Freuds Abhandlung „Totem und Tabu“ (1913) berufen, wo dieser Befund allerdings ganz anders interpretiert wird. Alle Ursprungs-Mythen spielen in der einen oder anderen Weise auf den blutigen Ursprung der menschlichen Kultur an. Schon in den Stammesgemeinschaften von Jägern und Sammlern konnten Neid und Zwietracht nur besänftigt und damit die Selbstzerstörung der Gemeinschaft verhindert werden, indem von Zeit zu Zeit Sündenböcke ausgeguckt und geopfert wurden. Das konnten gefangen genommene Angehörige feindlicher Stämme, aber auch Angehörige des eigenen Stammes sein. Das Töten geschah mit gutem Gewissen. Das heißt die Opfer wurden unreflektiert als schuldig betrachtet. In hoch differenzierten Sklavenhalter-Staaten wie im alten Rom oder bei den Azteken in Mexiko wurden Menschenopfer in Form von Gladiatorenkämpfen oder priesterlichen Zeremonien vor großem Publikum ritualisiert. Schon die Versklavung an sich ist eine Form des Kannibalismus, denn die Sklaven wurden ja im römischen Recht nicht als Menschen betrachtet, sondern wie das Vieh als Sache. Einen Fortschritt aus heutiger Sicht stellte da sicher der Ersatz von Menschen- durch Tieropfer bei den Juden dar.

Das Christentum geht noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem es den unbewussten Mechanismus des Auswählens und Hinrichtens von Sündenböcken als Mord an Unschuldigen denunziert. Mit seinem Opfertod am Kreuz, so die Aussage der Bibel, hat Jesus als unschuldiges Opferlamm stellvertretend für alle Sünden der Welt gebüßt und die Menschen vom Fluch Kains erlöst. Weitere Menschen- und Tieropfer sind danach im Prinzip überflüssig. Die Christen sind aufgefordert, Jesu Nachfolge anzutreten, indem sie den unbewussten Mechanismus der Suche nach Sündenböcken in der Eucharistie überwinden. Die heilige Kommunion, so Girard, ist tatsächlich sublimierter Kannibalismus.

Allerdings standen die Christen schon in der Spätantike ständig in Versuchung, in das alte Denken zurück zu fallen und nach Sündenböcken zu suchen. In denke hier an verschiedene Formen des letztlich materialistischen Manichäismus, mit dem sich schon der heilige Augustinus auseinandergesetzt hat. Im Mittelalter traten immer wieder häretische Sekten auf, die die starre Einteilung der Welt in Gut und Böse bis zu selbstmörderischen Konsequenzen trieben. Erinnert sei hier nur an die von Hitler und den Nazis bewunderten Katharer.

Das Gute in der Welt ist für die Katharer der von Gott geschaffene Geist. Die Materie ist hingegen eine Schöpfung Satans, des Fürsten der Finsternis. Deshalb glaubten die Katharer weder an die Menschwerdung und den Opfertod des Gottessohnes am Kreuz noch an die Möglichkeit der leiblichen Auferstehung Toter. Das heißt, sie leugneten die Kernbotschaft der Bibel. Die Erlösung, das Endziel der Geschichte sahen die Katharer stattdessen in der Auslöschung alles Leiblichen, das heißt im Selbstmord der Menschheit. Sie untersagten deshalb ihren Anhängern den Fleischgenuss und bekämpften die katholische Kirche mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Auch der ebenfalls von Hitler bewunderte Islam muss hier angeführt werden. Dieser leugnet ebenfalls den Sühnetod Jesu und verdankt seine rasche Ausbreitung Menschenopfern und der Versklavung unterworfener Völker.

Es liegt nahe, auch in der aktuellen Verteufelung alles Materiellen in Form des Lebenselixiers CO2 eine Form des suizidalen Manichäismus zu sehen. Jedenfalls tat das der australische Kardinal George Pell, als er im Jahre 2007 auf einer im Vatikan veranstalteten nichtöffentlichen Klima-Konferenz erklärte: „In der Vergangenheit opferten die Heiden Tiere und mitunter auch Menschen, um grausame Götter zu besänftigen. Heute verlangen sie eine Reduktion des CO2-Ausstoßes.“ Leider nahm Papst Benedikt XVI. nicht an dieser Konferenz teil. Er hätte, wie seine Ansprache vor dem Deutschen Bundestag im September 2011 zeigt, durchaus Erhellendes zu einer christlich begründeten Ökologie des Menschen beitragen können. Außerdem hat er in seiner Jesus-Trilogie unmissverständlich die Utopie der nachhaltigen Entwicklung verurteilt. „Wer behauptet, er könne die heile Welt errichten, der stimmt dem Betrug Satans zu“, schrieb er dort im ersten Band. Das erklärt, warum ein hörbares Aufatmen durch die Reihen der DBK ging, als Papst Benedikt schließlich Ende Februar 2013 wegen Erschöpfung zurücktrat.

Tatsächlich geht auch die aktuelle manichäische Häresie mit der Hinnahme von Menschenopfern einher. Die durch das Vergären oder Verheizen von Nahrungspflanzen wie Mais und Weizen zum Zwecke der Erzeugung „erneuerbarer“ Energie ausgelöste Konkurrenz zwischen Tank und Teller führt zur Verteuerung von Nahrungsmitteln und dadurch unmittelbar zu sinkenden Überlebenschancen für die Ärmsten der Armen. Aber auch wenn „Skeptiker“ als unmoralisch diffamiert und sozial ausgegrenzt werden, handelt es sich im Kern um einen Rückfall in vorchristliche Denkweisen mit potenziell kannibalischen Konsequenzen. Besonders deutlich wird das bei der jüngsten Initiative von Greenpeace International, dem WWF und dem Center for International Environmental Law, Manager der Kohlenstoff basierten Kraftstoff-Industrie persönlich haftbar zu machen, wenn sie „Klimaskeptiker“ argumentativ und finanziell unterstützen.


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