10. April 2014

FPÖ Triumph der politischen Korrektheit

Sieg auf ganzer Linie

Andreas Mölzer ist Geschichte. Zumindest in seiner Funktion als Abgeordneter der FPÖ im Europaparlament. Mitleidsadressen sind unangebracht. Als lang gedienter Funktionär einer außerhalb des gleichgeschalteten sozialdemokratischen Hauptstroms stehenden Gruppierung weiß er, dass er unter argwöhnischer Dauerbeobachtung steht. Während Linke traditionell Narrenfreiheit genießen und ungestraft von sich geben dürfen, wonach immer ihnen gerade ist, müssen Rechte eben peinlich genau auf jedes ihrer Worte achten. Das ist halt so. Dieses eherne Prinzip hat Mölzer nicht beachtet. Nach einem Vergleich der EU mit dem NS-Regime (merke: Nazivergleiche sind ausschließlich dann statthaft, wenn sie von den Guten angestellt werden und keinesfalls, wenn es dabei um die geheiligte Eurokratie geht!) und einem ebenso sinnfreien wie unbeholfenen Spruch („Die EU wird zum Negerkonglomerat“), der von selbsternannten Tugendwächtern selbstverständlich als „rassistisch“ gewertet wird, hat er nun – mit einiger Verzögerung – sein Mandat zurückgelegt.

Das ist – man mag zu Andreas Mölzers Person und dem von ihm vertretenen Gedankengut stehen, wie man will – aus mehreren Gründen durchaus kein Grund zum Jubeln. Zumindest dann nicht, wenn man es mit der Gedanken- und Meinungsfreiheit ernst meint. Demokratie lebt nämlich von der Freiheit der Meinungsäußerung und von der Vielfalt der zur Wahl stehenden Positionen. Aus der öden, immer stärker zum linken Einheitsbrei verrührten politischen Landschaft Kakaniens ragte er stets heraus. Schon weiland Jörg Haider erschien der Burschenschaftler, der aus seinem Herzen keine Mördergrube und aus seiner deutschnationalen Gesinnung niemals ein Hehl machte, hochgradig suspekt. Auf seinem Marsch durch jene Niederungen, in denen die kommunalen Proletensilos stehen, hatte er, der sich immer als einen „besserenSozialdemokraten“ begriff, für einen rechtsgerichteten, ideologischen Tiefwurzler keinerlei Verwendung mehr. Stattdessen war nun sozialdemokratischer, allenfalls patriotisch angehauchter Pragmatismus angesagt. Das hat sich offensichtlich auch unter Haiders derzeitigem Nachfolger an der Parteispitze nicht geändert.

Die Geschichte wiederholt sich: Auch jetzt waren es am Ende nicht krause Strafrechtsphantasien von Möchtegernliteraten oder der geifernde Furor politisch korrekter Lohnschreiber, die zu Mölzers Rücktritt führten, sondern, wie er selbst es ausdrückt, der „Vertrauensverlust in der eigenen Partei“. Der ewig unrasierte Generalsekretär der FPÖ, Kickl, bezeichnet den Rücktritt als „logischen Schritt“. Wenn die von ihm apostrophierte „Logik“ darin besteht, die politische Landschaft noch weiter nach links zu rücken, indem man – ein paar Wochen vor einer wichtigen Wahlentscheidung – den einzigen Freiheitlichen entfernt, der auf dem Europaparkett gleichermaßen über langjährige Erfahrung, großen Bekanntheitsgrad und Hirn verfügt, dann liegt er allerdings goldrichtig.

Zu meinen, dass der Rückzug Mölzers – sei es kurz- oder langfristig – auch nur einen einzigen der heutigen Kritiker der FPÖ dazu bringen könnte, zu verstummen oder ihr gar seine Stimme zu geben, ist geradezu lächerlich. Zu groß ist das politische Angebot der rosaroten Faserschmeichler mit ausgeprägtem Hang zu Multikultigesellschaft und totaler Prinzipienlosigkeit. An verteilungs- und gesellschaftspolitisch linken Parteien herrscht im Land der Hämmer schließlich kein Mangel. Es gibt da weder konservative noch liberale Kräfte.

Die Freiheitlichen positionierten sich – bislang – als einzige etablierte politische Partei wenigstens gesellschaftspolitisch rechts der Mitte. Was dieser Rücktritt daher mit Sicherheit bewirken wird, ist, einen Teil der freiheitlichen Wähler von der Wahlurne fernzuhalten. Die FPÖ stand unter Mölzers Führung im Europaparlament – als einzige wählbare Alternative – für eine nicht europafeindliche, aber ausgeprägt bürokratie-,regulierungs- und zentralisierungskritische Politik. Damit könnte es nun, so werden wohl viele potentielle Wähler befürchten, vorbei sein. Das Ergebnis wird in einem Nettoverlust an Wählern für die Freiheitlichen bestehen.

Ein schöneres Geschenk hätte der blaue Parteivorstand seinen politischen Gegnern gar nicht machen können. Dem für eine funktionierende Demokratie notwendigen Meinungspluralismus hat er indes einen äußerst üblen Dienst erwiesen. Aus reiner Feigheit und purem Opportunismus vor der linken Jagdgesellschaft winselnd in die Knie zu gehen und einen ihrer prominentesten Mandatsträger abzusägen, ist ein schwerer, ein unverzeihlicher Fehler – ein absolut verheerendes Signal! Wer soll, wer wird sich in Zukunft noch aus der Deckung wagen, um dem Meinungsdiktat anmaßender „fortschrittlicher“ Bessermenschen entgegenzutreten?

Die Botschaft, dass die politische Korrektheit („solche Aussagen haben in unserer Parteikeinen Platz“) ab sofort auch die freiheitliche Politik bestimmen wird, ist deprimierend. Nicht, weil „rassistische“ oder anderweitig neben dem Hauptstrom liegende Äußerungen grundsätzlich zu begrüßen wären. Ganz und gar nicht. Sondern einfach deshalb, weil Nivellierung und Gleichschaltung immer den Tod der Freiheit bedeuten. Wie heißt die Voltaire zugeschriebene Formulierung: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe meinLeben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“Damit ist es nun endgültig vorbei!Denn dass die über die Deutungshoheit verfügenden Dressureliten des Landes seit jeher alles daran setzen, jeden Abweichler zu kriminalisieren und/oder mundtot zu machen, ist nicht neu. Dass dieser totalitäre Ungeist indes nun auch bei denen angekommen ist, die den Begriff „Freiheit“ sogar in ihrem Parteinamen führen, lässt sämtliche Alarmglocken schrillen!

Fazit: Ein Jammer, dass es (noch) keine Möglichkeit gibt, bei Wahlen zum Europaparlament einer ausländischen Partei seine Stimme zu geben. Die UnitedKingdom Independence Party (UKIP) wäre für die verbliebenen Freunde der Freiheit in Österreich (und dem Rest Europas!) ein heißer Tipp…!


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