31. März 2014

Linksextemismus Staatlich geförderte Geschichtsfälschung

Stasi als Heilanstalt

Die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain hat eine turbulente Nachkriegsgeschichte. Die zerbombten Gründerzeitbauten der ehemaligen Frankfurter Allee wurden nach dem Krieg platt gemacht, um einer Musterwohnsiedlung für Arbeiter Platz zu bieten. Die ursprüngliche Ausführung im Bauhausstil, unansehnlich braun, die Reihe weißer Kachelbauten, wurde von Walter Ulbricht persönlich verworfen.

Stattdessen wurde der Architekt Henselmann beauftragt, Wohnpaläste im stalinistischen Zuckerbäckerstil zu errichten. Am Ende zogen kaum Arbeiter in die repräsentativen Wohnungen mit großen Eingängen, hellen Bädern, die noch nichts mit den Nasszellen der künftigen Plattenbauten gemein hatten, großen Balkonen und geräumigen Zimmern ein. Sie wurden von SED-Funktionären und staatsnahen Kulturschaffenden belegt, auch von Henselmann selbst, der am Straußberger Platz im ehemaligen Haus des Kindes die oberste Etage bezog. Hier soll ihn Brecht besucht, Henselmann auf sein Werk schauend angetroffen und den in der DDR häufig kolportierten Satz geäußert haben: „Hier stehst Du nun und bereust.“

Ob Henselmann bereut oder an den am 17. Juni 1953 von der Stalin-Allee ausgegangenen Arbeiteraufstand gedacht hat, wissen wir nicht. Der Architekt konnte auch nicht wissen, dass es in seiner Straße, in Höhe des Frankfurter Tores, am 17. Januar 1988 zur größten Massenverhaftung von Oppositionellen seit dem 17. Juni kommen würde. Der Anlass war die versuchte Teilnahme von Oppositionellen an der von der SED jährlich organisierten Liebknecht-Luxemburg- Demonstration.

In der Karl-Marx-Allee gibt es bis heute das „Café Sybille“, eine von einst nur drei gastronomischen Einrichtungen der sozialistischen Vorzeige-Straße, der bis heute kein Leben eingehaucht werden konnte. Seinerzeit war es ein großer Erfolg, dass dieses Café nicht Moskau benannt wurde, wie es ursprünglich in Ergänzung zu den Restaurants „Warschau“ und „Budapest“ vorgesehen war, sondern nach der beliebten Modezeitschrift „Sybille“.

Heute wird das Café von einer GmbH bewirtschaftet, mit Hilfe von Fördergeldern der BUF, Berufseinrichtung für berufliche Umschulung und Fortbildung, die einen ihrer Standorte in der Rigaer Straße in Berlin unterhält.

Diese BUF betreibt im „Sybille“ eine „Geschichtswerkstatt“, die, wie das Café selbst, von einem Herrn Arthur Schneider, ehemals PDS-Bezirksverordneter, gleitet wird. Nach eigenen Aussagen ist es ein Anliegen von Herrn Schneider, die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit dem „einzigartigen“ Denkmal Karl- Marx- Allee anzuregen, zu begleiten und zu betreuen.

Dafür werden Wandertage, Projektstunden-, tage und -wochen angeboten. Außerdem „Unterstützung bei Projektarbeiten, Arbeitsgemeinschaften und „Spezialthemen“.

Das jüngste „Spezialthema“ von Herrn Schneiders Geschichtsklitterungswerkstatt hat einiges Aufsehen erregt. Ehemalige politische Häftlinge der DDR, die das Café zufällig besuchten, sahen sich mit einer Ausstellung „Beim Barte des Propheten“ des Textilkünstlers Jan Bejsovec konfrontiert.

Neben Stickbildern von Joseph Goebbels und Beate Zschäpe hängt dort noch bis Ende des Monats ein Bild, das unter dem Titel „Totaler Theoretiker“ den Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen Hubertus Knabe zeigt. Knabe wird abgebildet als Gekreuzigter, mit hassverzerrtem Gesicht, einen Arm zum Hitler- den anderen zum Rot-Frontgruß erhoben. Dagegen wurde Goebbels geradezu liebevoll verfremdet.

Jan Bejsovec, geboren 1975 in Freiberg, wurde nach eignen Angaben von seinem Großvater inspiriert, der für die Nationale Volksarmee der DDR Uniformen herstellte. Der Uniformtick des Künstlers scheint tief zu sitzen, denn bei Ausstellungseröffnungen zeigt er sich gern in einem schwarzen Teil, das fatal an die SS-Kluft erinnert.

Die Bildunterschrift zu Bejsovecs Stickbild weist Knabe als Direktor der Gedenkstätte eines ehemaligen Haftkrankenhauses aus, der mit angeblich unwissenschaftlichen Mitteln diese Gedenkstätte zur politischen Einflussnahme missbraucht. Café-Betreiber Schneider von der PDS, der nach eigenem Bekunden die Gedenkstätte besucht hat und den Schülern Geschichte vermitteln will, hatte nicht nur keine Bedenken, diesem Machwerk ein Dach zu bieten. Er wies den Künstler, dessen Horizont offensichtlich nicht über seinen Stickrahmen hinausreicht, nicht darauf hin, dass Hohenschönhausen keineswegs ein Hospital, sondern eine Isolationshaftanstalt war, einschließlich nach 1968 installierten und bis zum Ende betriebenen gepolsterten Dunkelzellen, in denen Gefangene bis zu vierzehn Tagen in absoluter Dunkelheit und Stille gefoltert wurden.

Ein Link auf der Homepage von Bejsovec führt auf die Internetseite von Wartist, die zu einem Martin Bayer gehört, der wiederholt die Laudatio für Bejsovec gehalten hat. Beide haben schon gemeinsam ausgestellt. Bei einer Einzelausstellung von Bejsovec im Mai 2013 im OKK Galerieraum 29 in der Prinzenallee unter dem Titel „Menschen Rechte“, auf der das Knabe- Bild bereits zum ersten Mal hing, war ein Gespräch mit Bayer und Bejsevec im Programm.

Bayer ist außer Kurator und Blogger von Wartist, wo die „künstlerische Ästhetisierung von Kriegsgerät“ propagiert wird, Gutachter für den Deutschen Bundestag und für die Bundeszentrale für politische Bildung. Von Letzterer wird er häufig für Vorträge und Moderationen für Bildungsanstalten gebucht. Was ihn dafür qualifiziert, ist unklar.

Bayer gibt an, von 1992 bis 1994 als Fotograf ausgebildet worden zu sein. Außerdem nennt er sich Friedensforscher und Historiker. Ruft man beim Hamburger Friedensforschungsinstitut an, bei dem er eine Ausbildung absolviert haben will, möchte man das dort nicht bestätigen.

Möglicherweise hat Beyer dort einen der vielen Kurse absolviert. Auf Abschlüsse gibt es keinen Hinweis. Dieser Bayer hat die Stirn, den international anerkannten, promovierten Hubertus Knabe als „Hobbyhistoriker“ abzuqualifizieren.

Bei einer gemeinsamen Aktion im Jahr 2013, der „2+2 - Ausstellung zum Friedenstag“ in Chemnitz hielt MdB Michael Leutert von der Linken die Laudatio. Es handelt sich um jenen Leutert, dem kürzlich zum zweiten Mal die Immunität aufgehoben wurde, weil er bei einer Demonstration in Dresden Polizisten bei ihrer Dienstausübung behindert haben soll.

Wie gut für Leutert und Co., dass unser Verfassungsgericht, das schon den DDR-Systemstützen zu höheren Renten, als im Vereinigungsvertrag festgelegt, verhalf, die Aufhebung der Beobachtung von Bundestagsabgeordneten der Linken verfügt hat. Linksextremismus ist im Koalitionsvertrag der GroKo kein Thema mehr. Familienministerin Schwesig (SPD) hat dafür gesorgt, dass bei der Vergabe von Fördergeldern für linksextremistische Gruppierungen nicht mehr genau hingesehen werden soll.

Das Resultat ist staatlich finanzierte linke Geschichtsfälschung und Meinungsmache, wie sie vom beschriebenen Trio Infernale betrieben werden kann. Wie lange eine demokratische Gesellschaft das aushält, ohne ihre Werte zu verlieren, ist die große Frage.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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