26. Februar 2014

Amazon gegen Antaios Französischer Schriftsteller in Deutschland aussortiert

Ein Land wie von Sinnen

Der Schriftsteller Jean Raspail ist in Frankreich nicht irgendwer. Die Académie francaise verlieh ihm 1970 ihren Jean-Walther-Preis für sein Gesamtwerk. Und 2009 zeichneten ihn die Editions of Methuselah mit dem Prix Wartburg de Litterature für sein Lebenswerk aus.

Drei seiner Romane sind derzeit in deutscher Sprache erhältlich. Durch die Zensurpolitik des Buchriesen Amazon (ef berichtete gestern an dieser Stelle) finden deutsche Literatur-Interessierte auf dessen Seiten allerdings nur einen einzigen Titel – den Roman „Sire“, der im Verlag Nova & Vetera erschien.

Raspails bekanntestes Werk „Das Heerlager der Heiligen“ ist bei Amazon dagegen schon seit geraumer Zeit nicht zu finden, nachdem das Unternehmen den Verlag Hohenrain zensierte. „Zensiert“ ist tatsächlich das treffende Wort, weil nicht einmal Drittanbieter das Buch bei Amazon anbieten dürfen und es auch antiquarisch wie nicht existierend nicht angezeigt wird, jenes Buch also, das in Frankreich ein Bestseller war und mit großem Lob in der „FAZ“ besprochen wurde.

Seit ein paar Tagen ist nun auch das dritte Buch Raspails in deutscher Sprache auf diese Weise ausgelöscht. Jetzt griff die politische Zensur des amerikanischen Vertriebsriesen nach dem Antaios-Verlag und dessen Raspail-Titel „Sieben Reiter verließen die Stadt“.

Ein unbequemer Verlag nach dem anderen wird indiziert – Salamitaktik nennt man das wohl. Wir dürfen uns einmal einmal vorstellen, was im einstigen Land der Dichter und Denker los wäre, wenn Günter Grass oder Charlotte Roche oder auch nur ein paar Linksaußen-Verlage von Amazon auf den Index gesetzt werden würden. Von „Spiegel“ bis zur Tagesschau gäbe es einen Aufschrei, der bis nach Paris schallen würde: „Meinungsfreiheit!“ würden sie einfordern. Und tun es jetzt nicht, wenn es Andersdenkende trifft. Unzählige große Verlage würden im Streiten für diese leicht einseitige „Meinungsfreiheit“ dem Unternehmen Amazon ihrerseits mit Boykott drohen…

Der französische Schriftsteller Jean Raspail sollte mit dergleichen nun allerdings nicht rechnen. Hierzulande ducken sich jetzt sogar jene lieber mal schnell weg („Ich habe immer gute Erfahrungen mit Amazon gemacht!“), die von Hause aus nicht feige sind und doch eigentlich wissen, dass dieses Land wie von Sinnen ist.

Wohlgemerkt: Amazon kann und soll machen, was es will. Zum Beispiel Buch.de ist eine gute Alternative, dort sind die beiden Bücher von Raspail und alle anderen Titel dieser Verlage nach wie vor erhältlich. Das Problem ist vielmehr, dass Amazon nicht aus freien Stücken zensiert wie es gerade lustig ist, sondern von totalitären Gesinnungswächtern dazu genötigt wurde, die Amazon zum Beispiel im „Netz gegen Nazis“ (unterstützt von der Wochenzeitung „Die Zeit“ und dem Deutschen Fußball-Bund) wiederholt an den Pranger stellten, nur weil dort Literatur verkauft wurde, die den modernen Bücherverbrennern missfällt. Der Skandal betrifft also willfährige Helfershelfer wie den DFB und die „Zeit“ weit mehr als irgendeinen Buchhändler und dessen Sortiment (auch wenn das amerikanische Unternehmen Amazon im Mutterland der Meinungsfreiheit ein gänzlich anderes Selbstverständnis zeigt). Es ist der fehlende Aufschrei, der ob solcher wiederholten Reinigungsaktionen ängstigen muss. Es geht um die Feigheit und Verlogenheit allzu vieler Journalisten und Schriftsteller in Deutschland.


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