29. Januar 2014

Prognosen für 2014, Teil 2 Das Tor macht auf, die Schleusen weit, wir kiffen uns an Luftgeld breit

Lustige Systempropagaganda, Ausnüchterungswellen, „Untergangsmasochisten“ und einiges mehr

Krise vorüber! Doch nicht. Jetzt aber! Wieder nicht. Es geht aufwärts! Oh, mehrere Landeswährungen brechen kräftig ein. Aber die Börsenindizes! Zeigen doch ganz klar, wohin die Reise geht: zu den Sternen! Ach nee, die sehen nur Sterne. Mensch, was denn nun? Aktienmärkte könnten hohe Fiebertemperatur haben. Überbewertet! Konjunkturaussichten sonnig: Wachstum von 0,2 Prozent, das ist ja sagenhaft! Aber der Baltic Dry legt sein Veto ein. Chinas Immobilienboom hat dicke Blasen an den Füßen! Und diese Schattenbanken! Chinas Notenbank hinterließ klassische Fedflecken und druckte wie blöd. Experten schätzen Gewitterwolken über China mittlerweile auf Gesamtvolumen von circa 20 bis 25 Billionen, wow. Japan im Schuldenkoma. Reagiert deshalb gereizt auf China. Und umgekehrt. Irgendwo muss das ganze faule Zeug ja abgeladen werden. Verdammt, doch mehr Sumpfgebiete als bisher erwartet siffen durch Banktempel. Es ist zuweilen die Rede von fauligen Papieren – beispielsweise bei der Deutschen Bank – in zweistelliger Billionenhöhe. Die gefürchtete Zentralkrankheit NFRA („No Federal Reserves Anyway“), ein kräftig an die Substanz gehendes Virus, das ähnlich wirkt wie Crystal Meth und nach anfänglichen Euphorieanfällen schwer entstellte Suchtkrüppel zurücklässt, entfaltet seine ganze pandemische Wucht. Ähnliches gilt für das Schwestervirus EZB. Schäuble: Halt‘s Maul, Inflation ist eine Verschwörungstheorie! Der Euro rockt, basta! Ein deutsches Wirtschaftsblatt unterscheidet (und meint das vollkommen ernst!) zwischen realen und „gefühlten“ Preissteigerungen. Nochmal? „Gefühlte Preissteigerungen.“ Liebe Schäfchen, wie uns jüngst zu Ohren kam, fühlen eure Rechnungen, Kaufhausquittungen oder Kassenbelege aus Lebensmittelläden sich neuerdings nicht so gut. Wir empfehlen Eisbeutel, Einreiben mit Jodtinktur oder Vorlage bei einem Allgemeinmediziner. Beschwerden richtet ihr bitte an Petrus. Geht's eigentlich noch?

Die Zeichen stehen im Augenblick wirklich auf Sturm. Darauf hinzuweisen hat noch nichts mit „masochistischen“ Gedanken zu tun oder unverantwortlicher „Untergangssehnsucht“, wie der Herausgeber eines Magazins aus der alternativen Medienszene unlängst gleich einer ganzen Reihe von Autoren, die seiner Meinung nach angeblich nur versuchen, aus Krisenängsten Profit zu schlagen, in einem kompakten Rundumschlag vorwarf. Nun kann man Menschen trivialerweise nicht in den Kopf schauen; es mag tatsächlich den einen oder anderen Sachbuchautor oder Blogbetreiber geben, der es mit den Warnungen kräftig übertreibt, sei es, weil dort tatsächlich nur Katastrophenängste geschürt und bedient werden sollen, um stattliche Klickzahlen zu erreichen, sei es, um Buchverkäufe anzukurbeln. Pauschalisieren kann und sollte man solche Vorwürfe aber nicht.

Schließlich darf man dabei nicht vergessen, dass auf der „Gegenseite“, also bei den „Systemjüngern“, ebenso vorgegangen wird und vor allem in weit größerem Ausmaß, was nicht weniger gefährlich ist. Verkauft euer Gold, warum sich Gold als Investment nicht lohnt, nein nein, das ist alles ganz großer Quatsch, glaubt‘s mir, füllt eure Badewannen auch weiter mit Papier, es gibt keinen Grund zur Sorge. Warum nicht?  Na, weil in der Geschichte bisher noch jedes ungedeckte Papiergeldsystem mit schöner Regelmäßigkeit einging wie eine Primel. Jedes einzelne. Also was soll‘s.

Freilich spricht die weltwirtschaftliche Realität im Augenblick andere, viel dickere Bände als viele dünne Hauptstrom-Heftchen mit ihren Durchhalteparolen aus rhetorischen Feuerwehrschläuchen: Goldpreise werden seit Jahren manipuliert, um sie künstlich niedrig zu halten, Devisenmärkte werden manipuliert, Zinssätze werden manipuliert, Arbeitslosenstatistiken werden gepimpt und Haushaltsbilanzen frisiert, bis der Arzt vor Erschöpfung zusammenbricht, Konfetti wird in Märkte geblasen (siehe Fed, siehe Chinas und Japans Notenbanken, siehe EZB), das allerdings entweder gar nicht oder nur marginal in die Realwirtschaft fließt – alles Methoden mit begrenzter Halt- und Haftbarkeit. Kanzler_innen und Präsident_innen geben vollmundig Garantien für Spareinlagen, die sie gar nicht geben dürften, weil eine solche Gewährleistung sich ganz einfach ihrem politischen, erst recht realwirtschaftlichen „Gestaltungsbereich“ entzieht; trotz surrealer Dauerbeschwörung der „Stabilität“ bedenklich moodswingender Fiatfluten gibt es schon seit Jahren einen Kapitalabfluss von der Wall Street in Billionenhöhe in sogenannte Auslandsoasen, ähnliche Meldungen schwappten unlängst aus China herüber.

Wenn man also lautstark (und durchaus zu Recht) kritisiert, dass es tatsächlich Witzbolde gibt, die ihre Mitmenschen mit Endlosmeldungen über den 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 oder 2015 dann aber endgültig eintreffenden Riesenkrach entnerven, sollte man aber auch nicht ins umgekehrte Extrem verfallen und so tun, als seien berechtigte Sorgen nur was für durchgeknallte „Prepper“ oder eingefleischte Sadomasochisten. Denn die Hauptursachen der immer weiter vor sich hin schwelenden Krise wurden noch immer nicht konsequent angegangen.

Daher mal 'ne Grundsatzfrage am Rande: Wie kam's eigentlich, dass die Welt so stark mit luftig-fluffigen Papieren in dreistelliger Billionenhöhe aufgepumpt wurde, dass sie sogar in einer Schüssel Milch für Kater Garfield schwämme? Ich les' immer wieder was über die „Subprime-Krise“ als Auslöser des Ungemachs im Jahre 2008. Was muss ich mir denn darunter vorstellen?

Kein Problem. Die Chose lässt sich relativ einfach und schnell erklären, zumindest so einfach, um auch von sexuell Volltoleranten verstanden werden zu können. Viel Vergnügen!

Als „Subprimes“ beziehungsweise „Subprime Mortgages“ werden „zweitklassige“ oder auch „niederstufige“ Immobilienkredite beziehungsweise Hypothekendarlehen bezeichnet, also solche, die an Schuldner vergeben werden, deren Bonität bei näherer Betrachtung in weitere Ferne rückt. Was nicht nur in Einzelfällen geschah, sondern gleich massenhaft. Was aber, wenn viele Schuldner zum Beispiel ihren Job verlören oder aufgrund sonst irgendwelcher privater oder äußerlicher Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben, zahlungsunfähig würden? Egal. Solche Darlehen mit nahezu unkalkulierbarer Risikohaltigkeit und Zahlungsausfallwahrscheinlichkeit wurden dann von darauf spezialisierten Instituten „gebündelt“, um den Irrwitz in Papierform („Verbriefung“) an andere weiterverticken zu können, beispielsweise andere Banken, Investoren, Lebensversicherungen und andere, die damit wiederum fröhlich herumhantierten, und zwar in globalem Maßstab. Im Wesentlichen ging diese sogenannte „Verbriefungs-Revolution“ auf Alan Greenspan zurück, der darin (zusammen mit seinen Buddies aus interessensverwandten Wall-Street-Häusern) natürlich nur die allergrößten Vorteile sah und dieses System in Schrift, Wort und dauerdruckender Tat kräftig ölte. Pah, Risiken, hab' ich ja noch nie gehört. Eine Zeit lang funktionierte die Masche sogar ganz hervorragend. Es winkten bei vermeintlich geringen Einsätzen (vermeintlich, weil die meisten „Player“ dabei eben erwähnte Risiken völlig außer acht ließen) exorbitante Gewinne (zumindest für gewisse Zeit ...).

Kaum jemand (abgesehen von den Erfindern des Systems) kapierte, wie sich dieser Wahnsinn entwickeln würde. Bald darauf kam noch der hochgradig intransparente und nicht weniger risikobehaftete Handel mit den sogenannten CDS, „Credit Default Swaps“, hinzu, einer Erfindung einer anderen, für dubiose Praktiken und Negativschlagzeilen en masse hinlänglich bekannten Großbank, JPMorgan. Warren Buffett, selber kein Waisenknabe, bezeichnete diese einmal in einem Anfall großer Aufrichtigkeit als das, was sie sind: „finanzielle Massenvernichtungswaffen“. Der „Vorteil“ solcher Papiere aus Bankensicht: Es handelte sich um „bilanzunwirksame Risiken“, also solche, die man nicht in den Bilanzen erwähnen musste. Und genau damit hätten wir auch schon den Grund, warum die letzten Jahre durchzogen waren von Schlagzeilen wie „Bank X hält noch mehr faule Papiere als bisher gedacht“ – weil so gut wie niemand mehr nachvollziehen konnte und kann, in welchem Umfang mit diesem Aberwitz tatsächlich jongliert wurde.

Als es dann zu massiven Zahlungsausfällen kam, klappte das System 2008 zusammen wie ein alternder Playboy nach einer Überdosis Viagra. Mit den bekannten Folgen: Die größten Bankhäuser wurden auf Steuerzahlerkosten gerettet, weil sie angeblich zu groß seien, um sie einem wohlverdienten Konkursverfahren anvertrauen zu können („too big to fail“).

Aber gab's denn da überhaupt keine Sicherungsmechanismen, nichts, was den Schock hätte mildern können, was auch immer? Doch, doch, gab's. Der wichtigste davon wurde jedoch dank der zweitschlimmsten finanzpolitischen Fehlentscheidung des 20. Jahrhunderts direkt nach der Schließung des Goldfensters durch Richard Nixon und Paul Volcker (später Chef der Fed) im August 1971, nämlich der Außerkraftsetzung des sogenannten Glass Steagall Act durch Bill Clinton im Jahre 1998, erfolgreich beseitigt. Clintons Wahlkampf wurde übrigens zu großen Teilen, ebenso wie derjenige Abwrack Obamas, von Goldman Sachs, also höchst interessierter Seite, gesponsert. Polit-Wiesel Clinton bekam dann auch gleich einen entsprechenden Finanzminister zur Seite gestellt, Robert Rubin, der davor, na wo wohl, im Direktorium von Goldman Sachs saß. Verschwörungspraxis, Korruption und Vetterngewedel vom Feinsten. Der Glass Steagall Act beinhaltete nicht umsonst – eingedenk so mancher hübschen Wirtschaftskatastrophe des 20. Jahrhunderts – eine strikte Trennung zwischen Einlagen- und Kredit- beziehungsweise Investment- und Spekulationsgeschäft für Banken. Mit anderen Worten: Lasst bitte eure Finger vom Geld derjenigen, von deren Steuergeldern ihr bei einem Scheitern eurer fragwürdigen Geschäftspraxis gerettet werden müsst, sowie durch vermeintlich unbedingt notwendige, neue atemberaubende Summen an „Pump it real good!“-Monopoly-Spielgeld. Mkay? Im Gefolge der Abschaffung der Glass-Steagall-Barriere sowie der „Verbriefungs-Revolution“ (ausufernder Derivatehandel) wurden also für geraume Zeit atemberaubende Summen eingefahren, mit denen die größten Bankinstitute in New York kräftig andere, kleinere Banken, Versicherungen, Investmenthäuser, Bewertungsagenturen und so weiter einkauften, als gäbe es kein Morgen. Kurz: zunehmende Zentralisierung von Finanzmacht, Anwachsen der jeweiligen Institute auf eine solche Größe, dass man mit gespielter Unschuldsmiene „argumentieren“ konnte, Banken solcher Dimension könne man nicht mehr untergehen lassen, das sei für die „Allgemeinheit“ zu gefährlich.

Um eine kleine Ahnung davon zu bekommen, warum die Außerkraftsetzung des Glass Steagall Act für die Finanzgewaltigen in New York so wichtig war, sollte man vielleicht jemanden zu Wort kommen lassen, der sich damit auskennt. Die „New York Times“ zitierte einmal Lloyd Blankfein, Vorstandschef von Goldman Sachs, diesbezüglich mit folgenden, höchst bemerkenswerten Worten: „Der Kreis hat sich geschlossen, denn das ist genau das, was die Rothschilds oder J.P. Morgan in ihren großen Zeiten getan haben. Der Ausreißer wurde durch den Glass Steagall Act verursacht.“ Für Blankfein war ein sinnvoller Sicherungsmechanismus, der nicht auf reiner Willkür beruhte, sondern vor dem historischen Hintergrund einschlägiger, schmerzhafter Erfahrungen installiert wurde, also nur ein „Ausreißer“.

Wegen der starken internationalen Vernetzung der Finanzmärkte, des Status des Dollar als Weltreservewährung, des kräftigen Handels mit verbrieften Unsicherheiten, also Hochrisikobündeln, der Tatsache, dass nur die wenigsten verstanden (und auch heute noch nicht verstehen), wie dieses System eigentlich genau funktioniert sowie der schlicht atemberaubenden lobbyistischen Korruption wirkte sich die „Lehmann-Krise“ wenig überraschend nicht nur auf den amerikanischen Bankensektor aus, sondern sorgte für globale Erschütterungen, darunter eben auch in der EU und bei entsprechenden Instituten in Deutschland.

Da die in diesem Artikel in stenographischer Form genannten Problemursachen (kein Anspruch auf Vollständigkeit) aber noch lange nicht gelöst sind, ganz zu schweigen von dem fundamentalen Problem unseres „Falschgeldsystems“, und erst recht nicht zu reden von der nach wie vor bestehenden, dick angeschwollenen Achillesferse der „selektiv korrupten Eliten“ (Peter Boehringer) in der Politik, gibt es leider noch keinen Grund zur Entspannung. Denn an dieser Praxis wird sich so schnell nicht viel ändern, es sei denn, die Bürger machen Druck und drängen darauf. Wie wahrscheinlich das ist, sei angesichts der in letzter Zeit zu beobachtenden Problemprioritätensetzung in Teilen der Bevölkerung sowie im Hauptsumpf der Presstitution (dort allerdings ist sie zumeist ja gewollt, gerade zur Ablenkung) – dummschwallernde Schwiegermütterbefeuchter im Moderatorenkostüm, hirnspastische #Aufschrei!-Anfälle, Urlaubsreisen ehemaliger Bundespräser, darf Pofalla zur Bahn (Gegenfrage: Durfte Joschka Fischer zu BMW und RWE, ach nee, der is' ja heilig, deshalb war's bei ihm auch kein „Skandal“) und andere Zoten – mal dahingestellt.

Man muss deshalb leider davon ausgehen, dass es unangenehme Nachrichten auch weiterhin geben wird. Der „Point of no return“ ist bereits überschritten, die Zeichen stehen klar und deutlich lesbar an der Wand; es ist leichtsinnig, ja gefährlich, den Leuten einreden zu wollen, aus einer solchen Situation komme man völlig unbefleckt und absolut schmerzfrei wieder heraus. Je länger man das suggeriert, desto größer wird die „psychische Fallhöhe“, desto schmerzhafter könnte ein möglicher Aufprall ausfallen. Gerade deshalb sollte man auch nicht ausgerechnet denjenigen, die ihren Mitmenschen empfehlen, sich (im Rahmen der eigenen Möglichkeiten) abzusichern und Vorsorge zu treffen, kurzerhand Psychiatriereife bescheinigen (wie der Waigltheo es einst tat) oder sie hauruck in die Spinnerecke stellen.

Es genügt eigentlich völlig, zu wissen, dass das Finanzsystem momentan fast nur noch durch Lug und Trug, Manipulationen, „Notfallmaßnahmen“ und andere kerngesunde Methoden am Leben erhalten wird. Man muss deshalb ja nicht gleich das Gesicht langziehen wie ein Pferd, aber Mitdenken kann auch nicht schaden.


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