23. Januar 2014

Streit um Einheitsmoderator Darf er das, was alle machen?

Längst durchgesetzt und dummgeschwätzt, wird's Denken wieder ausgesetzt und jetzt mal kräftig abgesetzt

Wider besseres Wissen wagte ich vor einigen Monaten dann doch nochmal einen Blick in den großen Abfallbehälter namens „deutsche TV-Diskussionskultur“. Um schlagartig in Erinnerung gerufen zu bekommen, warum mein Entschluss, mit diesem übelriechenden Zeugs meine Sehnerven und Gehörgänge nicht mehr zu verkleben und vergiften oder unnötig viele Gehirnzellen abzutöten, eindeutig richtig war und es sich auf jeden Fall lohnt, auch weiterhin möglichst abstinent zu bleiben. Es handelte sich um einen Ausschnitt aus der Sendung „hart, aber unfair“ unter Leitung des gewohnt impertinent-gottköniglich auftretenden Schwatzzwergs, dieses Systemlautsprechers und TV-Standrichters von veröffentlicht-zwangsrechtlichen Meinungsgleichschaltungs-Relaisstationen, der von irgendwelchen Zettelchen gewohnt suggestive und manipulative Fragen ablas und mit dem von deutschen Beineübereinanderschlagern, Zeigerfingerandenmundlegern und Kritischdreinschauern gewohnten süffisanten, milden Dauerlächeln des sowieso alles besser Wissenden in Richtung Bernd Luckes spuckte.

Die Einheitspartei im Rücken des Moderators, die Einheitspartei im Rücken des Moderators, die hat immer recht. Jaja, schon gut, man kann von der AfD ja halten, was man will, ne, wissen wir längst, aber eine solche Behandlung, nein, Menschenquälerei hat keine Partei verdient. Ich hielt erstaunlich lange durch, nämlich circa anderthalb Minuten, dann schaltete ich sicherheitshalber ab, da auf meinen Bildschirm noch Garantie besteht und ich keine Lust hatte, das technisch einwandfreie Gerät durch die Wand in den nächsten Container für Elektroschrott zu pfeffern. Es war ekelhaft. Aber gegen den Euro, so Platzhirsch und einige andere mit System- beziehungsweise Linientreue voll aufgeladene Gäste, hätten doch nur alte Professoren was, so ungefähr der Tenor. Und Professoren kann man schließlich nicht ernst nehmen, weil die sind alle doof, vor allem im Vergleich zu den üblichen  vorbestellten Meinungsbolschewisten. Und Katrin Göring-Eckardt war sich wieder mal nicht zu schade, sich und damit auch ihre Partei durch ein schnell noch hinzugefügtes, die Geduld selbst des gutmütigsten, nichtsahnend Blätter vom Baum zupfenden Dickhäuters extrem belastenden „... Männer!“ weiter ins Bodenlose zu drücken. Ach so, ja. Nur alte MÄNNER haben was gegen den Euro. Denn wie wir dank Angela Merkel wissen, wäre sowas mit Frauen an der Spitze natürlich nie passiert. Kurz: primitiv. Absolut primitiv. Und obenauf noch mit einer kleinen kandierten Gender-Tollkirsche. Gute Nacht, liebe Zuseher. Zeitwahn vom Feinsten, von A bis Z, das ganze Wahnsinnsprogramm, wir wünschen süße Alpträume.

Und nun gibt es also ein wenig neue Aufregung , obendrein schon wieder um Zeitgeistflegel Markus „Weltverschwörungstheorie“ Lanz. Wie es scheint, ist er nun wohl zu weit gegangen, so weit sogar, dass eine stattliche Zahl von Zusehern bereits eine Petition unterschrieb, in der die Absetzung des seltsam amorphen Moderatrinchens gefordert wird, das, wie es sich für einheitsmeinungsparteilich genormte und voll korrekt gesinnte Souffleusen gehört, seinen Kollegen immer so erstaunlich ähnlich sieht, als würden die alle in einem Labor geklont.  Die immer dasselbe sagen und alle so viel Eier haben wie ein Kastratenchor und  es deshalb auch nie wagen würden, Mitgliedern des teutonischen politischen Titanengeschlechts wie zum Beispiel Helmut Schmidt oder Hans-Dietrich Genscher auch mal zu widersprechen. Weshalb ich es als ziemlich unfair empfinde, wenn nun auf Lanz eingeprügelt wird, als wäre er der Alleinschuldige am Vernichtungskrieg gegen menschliche Gehirne und Meinungspluralismus – schließlich sind die allermeisten anderen ja auch keinen Deut besser, egal ob Mann oder Frau, egal ob Hetero-, Homo-, Trans-, Inter-, Geisteswinter- oder Bauklötzchensexuelle. Wer die Absetzung von Lanz fordert, müsste konsequenterweise eigentlich auch den sofortigen Rauswurf vieler anderer Schwatznasen verlangen.

Dass er sich einigen linksextremistisch verirrten Bloggern zufolge nun ausgerechnet an der „weit überlegenen“, wie immer, natürlich, und, na immerhin, rhetorisch „brillanten“ Sarah Zangensprech verging, der Ikone einer Ideologie, die entweder von Leuten vertreten und verteidigt wird, die aus der Geschichte zu lernen sich beharrlich weigern, oder von Großfamilien aus dem Finanzsektor – ja das ist natürlich die Höhe! Majestätsbeleidigung! Also erstens ist es nun wirklich keine große Kunst, neben einem Lanz zu brillieren. Man kann auch ein ganz nett angerichtetes Zwei-Sternchen-Menü neben eine Fünf-Minuten-Terrine stellen und sich dann wundern, das ersteres appetitlicher wirkt als die Schnellmahlzeit für den geistigen Minihunger zwischendurch aus der Rundfunkwelle.

Zweitens hatte die Lanze der niedergehenden Diskussions-„Kultur“ Marke Zweites Deutsches Wegsehen doch schon durch sein Auf- beziehungsweises gedankliches Abtreten vor Dirk Müller letztens hinreichend klar gemacht, warum er lieber in die Küche zurückkehren sollte. Drittens quatschen die doch eh alle ständig durcheinander, Moderatoren wie Gäste, schneiden sich das Wort ab und fahren sich übers Maul, soweit ich mich entsinnen kann (meine letzte Stichprobe in den TV-Kuhfladen lag wie gesagt schon ein bisschen zurück). Viertens handelt es sich um das immer gleiche und allerkleinste Personalkarussell: Gregor Wagenknecht und Sarah Gysi, Gysi und Zangensprech, Zangensprech und Gysiknecht; wer mehr Abwechslung braucht, darf sich auch in der nächsten Sendung auf eines der seltenen  Wiedersehen mit Sahgor Gysiwagen freuen. Lobo und Mascolo, Mascololobo, Lobocolo. Hans-Ulrich Jörges, Ulrich-Hans Jörges und Hans-Jörges Ulrich, das sind diese drei lustigen Gagazinmacher. Hin und wieder schwebt auch die heilige deutschintellektuelle Dreifaltigkeit, das päpstliche Triumvirat allerhöchster journalistischer Kompetenz und Omnipräsenz ein: Schirrmacher, Schirrmacher und Schirrmacher.  Am Kiosk warten derweil der „Süddeutsche Spiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeit“ auf Sie, um mit Andersdenkern kurzen Prozess zu machen oder deren Existenz gleich ganz zu leugnen. Außerdem können Sie in der „Welt“ regelmäßig interessante Sightseeing-Touren durch das Pentagon buchen. In den scheinalternativen Bereichen des alternativen Medienbereichs hingegen bekommen Sie Gelegenheit, sich handwerklich zu betätigen und Putin-Madonnen zu schnitzen. Begrüßen Sie außerdem bitte im Deutschen Bundestag ganz herzlich Christian Nahles und Andrea Lindner, Horst Merkel und Angela Steinbrück, Peer Trittin und Jürgen Roth, Cem Seehofer und Sigmar Gauck, Wolfgang Ströbele und Joachim Schäuble. Das erste deutsche Zweite und zum Dritten, versteigert an den meistbietenden Autisten. Ist das demografische Problem Deutschlands wirklich schon so schlimm, dass man niemand anderen mehr einladen kann als immer dieselben scheinpluralistischen Macht- und Meinungskonsensabklatscher und Zeitgespenster aus der Standuhr? Gibt es in diesem Land wirklich nur noch eine Liliputanerhandvoll Diewollendochnurspielentheoretiker, nein, Sichgegenseitigdiebällezuspieler?

Na denn, bis zum nächsten Aufregerchern! Es wird garantiert nicht lange dauern, bis Zuseher sich wieder am Nasenring durch den Circus Minimus ziehen lassen. Und das alles nur wegen ein bisschen Treibgut.


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