16. Januar 2014

Meistgelesener Schwachsinn über Waffenbesitz Berlin als Hauptstadt der Sicherheit vor Verbrechen?

Die „Zeit“ und die Tücken von Logik und Statistik

Dossierbild

Nicht jeder deutsche Journalist hat es mit der Logik. Aber der Bär, den uns der Berliner „Zeit“-Redakteur Wolf Wiedmann-Schmidt heute aufbindet, stellt die handelsüblichen Mainstream-Halbgarheiten noch in den Schatten. Kein Wnder, dass sein starkes Stück heute als „meistgelesenes“ der Hamburger Wochenzeitung ausgewiesen wird.

Es geht um Pistolen und Gewehre. Wiedmann-Schmidt hat sie gezählt und zwei Statistiken miteinander verglichen – jene der geographischen Verteilung legaler Schusswaffen in Deutschland sowie jene der eigens von ihm selbst zusammengestellten geographischen Verteilung der Todesopfer 2013 nach Gebrauch eben dieser legalen Schusswaffen. Sein Befund: „Bedenklich stimmt, dass es in Regionen, in denen es viele registrierte Waffen gibt, auch gehäuft zu Todesfällen durch diese zu kommen scheint.“

Es scheint ihm so. Irgendwie. Die eigene Farbgraphik (Achtung: Button „Todesfälle“ anklicken) belegt schon auf den ersten Blick das Gegenteil: Wo es viele registrierte Waffen gibt, kommt es zu besonders wenigen Todesfällen in deren Gebrauch!

An der Spitze der Schusswaffendichte liegen beispielsweise die Landkreise Lüchow-Dannenberg, der Donnerbergkreis und Saarlouis. Die Anzahl der Todesopfer aufgrund legaler Schusswaffen dort: null. Das andere Ende der Skala beginnt mit dem legal völlig entwaffneten Berlin, wo auch gleich eines der (wenigen) Opfer registriert wurde.

Hinzu kommt, dass in den legal scheinbar besonders entwaffneten Gegenden (neben Berlin etwa Bremen, Hamburg, Frankfurt, Leipzig oder Duisburg) die Kriminalitätsraten, die Gesamtzahl der Opfer von Raub, Gewalt und Diebstahl sowie auch die der Mordopfer pro Kopf wesentlich höher sind als in legal schwer bewaffneten Gegenden wie Lüchow-Dannenberg. Und das ist auch kein Wunder, verhalten sich doch auch Verbrecher nur gemäß wirtschaftlicher Grundannahmen: Gegenden, in denen bewaffneter Widerstand ihrer Opfer zu erwarten ist, werden von Gangstern und solchen, die es werden wollen, eben lieber gemieden. Die zu befürchtenden „Kosten“ sind einfach zu hoch im Vergleich zum erwartbaren Nutzen und der eigenen Unversehrtheit. Leichte Beute und gerne auch ein bisschen Terror auf die eine oder andere Art wird lieber dort gemacht, wo kaum Widerstand mangels legaler Waffen mehr möglich ist.

Jäger und Sportschützen zählen gerade nicht zu den bevorzugten Opfern von Kleinganoven oder gar Schwerkriminellen. Was Logik und Ökonomie nahelegen wird im übrigen auch durch internationale Studien immer wieder eindrucksvoll belegt (ef berichtete mehrfach). Die schlimmsten Massaker mit Schusswaffen finden genau an jenen Orten statt, in denen zu 100 Prozent ganz sicher keine Waffen registriert sind – in den Schulen.

Weshalb in Israel diese seit einigen Jahren durch legal bewaffnete Einsatzkräfte geschützt werden. Und seitdem ist die Zahl der Massaker in israelischen Schulen auf genau jenen Wert gesunken, den auch die „Zeit“ für die Summe der Opfer im schwerstbewaffneten Landkreis Deutschlands angibt – null.

Wolf Wiedmann-Schmidt hat offenbar den Schuss nicht gehört. Und das, obwohl er bei seinem letzten Arbeitgeber als ausgewiesener Fachredakteur für Innere Sicherheit tätig war – bei der „taz“.

Wolf Wiedmann-Schmidt in der „Zeit“ über das „Waffenland Deutschland“


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