13. Januar 2014

Wochenschau Deutschland ist polymorph-pervers!

Es kommt dem Land gewaltig

Fußballprofi Thomas Hitzlsperger wagte einen richtigwichtigmutigen Schritt und wuchs über sich hinaus: Er heilte den Krebs, löste die Weltwirtschaftskrise, entwickelte eine „Beaming-Technologie“ für Kunstherzen, mit der man Patienten ganz ohne invasive chirurgische Eingriffe ein neues Pumperle in die Brust zaubern kann, revolutionierte die Raumfahrt, entsorgte alle Atomwaffen und beseitige das Hungerproblem in Afrika. Medien: „Er kann auf Wasser gehen!“. Gender-Expertin Sabina Vögelin-Vulva äußerte im Interview mit dem „Pettinger Schwatzblatt“ die Vermutung, Hitzlspergers normales menschliches Vostellungsvermögen sprengende Leistungen könnten am Rande etwas mit seiner Homosexualität zu tun haben. Bösartig homophobe Journalisten, die ihm diesen überragenden Erfolg neiden, suchen derweil im Dreck, um den Sportler mit dubiosen Urlaubs- und Partyreisen von Ex-Bundespräsident Wulff in Verbindung zu bringen. Ein Journalist des „kern“ will beobachtet haben, wie eine Stewardess ihm beim Boarding eines Privatjets anzügliche Blicke zuwarf. „Sie schaute nicht auf seine Schuhe!“, so die Schlagzeile eines Artikels, der ursprünglich für den 11.11.2014 vorgesehen war.

Christian Lindner, FDP, warf der Partei „Alternative für Deutschland“ vor, ein Hort für Bauernfänger und Europahasser zu sein. Er beantwortete dabei aber nicht die Frage, was an Bauernfängern eigentlich auszusetzen sei, wären sie doch eine prima Ergänzung zu den etablierten Neppern und Schleppern. Der Titel „Europahasser“ steht der AfD auch nicht mehr zu Verfügung – er ging bereits an den Euro. Weitaus verstörender als Lindners europolitisches Tourette-Syndrom  ist aber die verdächtig intolerante Weigerung des FDP-Chefs, seine persönlichen sexuellen Vorlieben an sämtliche Litfaßsäulen Deutschlands zu nageln. Zudem leidet er unter einem schweren Defizit, mit dem in Deutschland zu leben zunehmend schwieriger wird: Der Mann is'' 'ne Hete. Kritiker warfen ihm daraufhin ein mangelndes Demokratieverständnis vor. Aber von welcher Demokratie reden sie? Fakt ist, dass in Deutschland niemand KanzlerIn wird oder auf hohe Ministerposten gelangt, der nicht tendergemainstreamt an der Systemlokomotive hängt. Falls doch mal ein Abweichler durchschlüpft, sich nicht fügt und Widerstand leistet, stehen folgende Niederschlagzeilen zur Auswahl:

Erstens: „Hinweise auf mögliche Plagiate in Doktorarbeit von Politiker A nach 45 Jahren hinter dem Bücherschrank des Universitätspräsidenten zufällig beim Reinemachen entdeckt“

Zweitens: „Politiker  B isst Strafzettel für Falschparken vor den Augen der Politesse“

Drittens: „Politiker C schüttelt Putin die Hand“

Viertens: „Politiker D lässt sich Bobbycar für Sohnemann schenken“

„Wer spielt mit dem Goldpreis?“, fragte die „FAZ“ am 8. Januar. Antwort: Verschwörungspraktiker. Dazu ein kleiner, kruder Fragenkatalog:

Erstens: Wer könnte ein Interesse daran haben, den Preis des sonnigen Edelmetalls möglichst niedrig zu halten, um die eigenen Papierfetzen als gloriose Echtheitszertifikate und Werthaltigkeitsbescheinigungen auch weiterhin ungestört milliardenvoluminös aus den Fenstern großer Bankhäuser kippen zu können? Kleiner Tipp: Die hochfinanzielle Machtelite in New York und der City of London kann es nicht sein, denn die existiert ja nur theoretisch. Warnung: Jede Recherche in dieser Richtung wäre purer Rechtspopulismus.
Zweitens: Wo wird tagtäglich der Goldpreis fixiert?

Drittens: Von welcher Handvoll Banken, im Wesentlichen fünf?

Viertens: Wem gehören diese Banken?

Fünftens: Sind es eventuell dieselben Geldhäuser, die auch an den LIBOR-Manipulationen massiv beteiligt waren und falls ja, welcher Zusammenhang könnte da bestehen?

Es lohnt sich trotz aller erwartbaren Widerstände dennoch, solchen Fragen nachzugehen, gelten sie doch gemeinhin als ziemlich schwul – das aber ist gerade groß im Kommen.

Betrachtet man die ersten Tage des Neuen Jahres im Pressespiegel, gewinnt man folgende vorläufigen Erkenntnisse:

Erstens: Der Russe steht wieder kurz vor Berlin.

Zweitens: Papierwährungen in ihrem Lauf halten weder Ochsen noch überraschte Experten auf.

Drittens: Die Chinesen essen ihre Kinder und zersetzen die amerikanische Weltordnung, mein Führer.

Viertens: Deutschland ist polymorph-pervers.

Fünftens: Nun wird guter Rat teurer.

Abzuwarten bleibt, ob auch das neue Jahr dasselbe Schicksal ereilen wird wie das in die Gummizelle mit der Nummer 13 verbrachte.

Bleiben wir kurz bei der „FAZ“. „Eigentlich waren sich alle einig, dass Wirtschaft ein eigenes Schulfach werden sollte“, begann Lisa Becker ihren lesenswerten Artikel „Schüler wollen Wirtschaft als Fach – Grüne nicht“ vom 11. Januar. Nun ist die Furcht grüner Politiker vor ökonomisch gebildeteren Bürgern herzlich wenig überraschend, wären diese doch eine hundertprozentige Garantie für erstens Wahlergebnisse der grünen Partei von null Prozent, zweitens Menschen mit natürlich entwickelter Sexualität, aber drittens, sich mit Punkt eins überschneidend, immerhin sichere Arbeitsplätze für viele grüne KoboldInnen in der Geisterbahnindustrie. Ebensowenig kann der sogleich stramm aufmarschierende Flankenschutz von wissenschwafliger Seite verwundern: „Unterstützt werden sie von sozialkritischen Wissenschaftlern“, schrieb Becker weiter. „So wettert der Frankfurter Professor für die Didaktik der Sozialwissenschaften, Tim Engartner, gegen das von Lobbyverbänden geforderte Separatfach Wirtschaft und fordert ökonomische Themen in bester Tradition in sozialwissenschaftliche Fächer zu integrieren. Keinesfalls dürfe die Inthronisierung der ökonomischen die Entthronung der politischen Bildung zum Ziel haben. Sonst drohe die auf Totalbewirtschaftung des Lebens zielende Kosten-Nutzen-Kalkulation zum Fixpunkt ökonomischer Bildung zu werden.

Das Wörterbuch „Cliquensprech – Klartext, Klartext – Cliquensprech“ und ein Blick in die Richtlinien für Doppeldenk fördern wenig Überraschendes zutage: „Wir lassen uns von Wirtschaftsverbänden nicht die Lobbybutter vom sozialindustriellen Brot nehmen – zuviele Posten, Pfründe und Budgets für sozialwissenschwaflige Leere und Forschdung hängen davon ab. Der Staat sind wir! Stattdessen fordern wir, ein tieferes Verständnis der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen moderner Industriegesellschaften in bester Tradition durch kräftiges Auswringen sozial- und politikwissenschwafliger Begriffsschwämme gründlich zu verwässern, damit Schüler sich auch in Zukunft von den mit viel wichtigtuerischem Wortgefuchtel, -geklingel und -gebläse unsererseits protektierten politischen Elitensimulanten leichter über die Schulbank ziehen lassen. Sauron befiehlt: Untertanen dürfen nicht befähigt werden, die Machinationen der Macht zu analysieren und alternative Lösungen zu entwickeln, die womöglich auch noch praktikabel sind. Es darf kein Gegengewicht zur sozial-, politik- oder genderwissenschwaflig kompetenten Totalbefickung von Kindern und Jugendlichen geben, das sie in die Lage versetzen könnte, an ihrem Status als machtgewaltig Dauergefickte etwas zu ändern; es gilt, Mobiles mit klar konturierten Feindbildern schon über Kinderbetten aufzuhängen. Die pseudoakademische Kosten-Nutzen-Rechnung muss ganz klar zu unseren Gunsten ausfallen; die Kleinen müssen frühzeitig lernen, wen sie hassen sollen und wer in Deutschland ideologisch die Hosen trägt. Statt so komische Dingsbumse, äh, Innovationen hervorzubringen, sollen sie bis ans Ende ihrer Tage über die Unterschiede zwischen Hetero-, Homo-, Trans-, Inter-, Bi-, Metro-, Poly-, Stereo- und Dolbysexualität diskutieren. Wer etwas dagegen hat, muss sofort durch Mobilisierung politischer und vermassungsmedialer Sturmschwafler als rückwärtsgewandter Naziarsch dargestellt werden. Das ständige Überdramatisieren von Intoleranz, als stünde Deutschland auf einer Stufe mit Saudi-Arabien oder Nordkorea, sichert unsere Existenz, zementiert unsere sozialphänomenologische Deutungshoheit und stabilisiert unsere institutionelle Vormachtstellung. Nur so lässt sich vermeiden, dass grüne Kackbratzen und grenzdebile Dummbabbler wie wir durch Konfrontation mit gesundem intellektuellem Wettbewerb Minderwertigkeitskomplexe kriegen. Macht kaputt, was sich ansonsten über euch kaputtlachen würde! Wir können durch unablässiges Publizieren sozialwissenschwafliger Studien nie genug gesunden Bäumen großes Unrecht tun, das Internet nie genug mit entsprechenden pdf-Tsunamis überfluten, um Verwirrung zu stiften und den Rest glauben zu machen, wir wären schlau; wir können den anderen nie oft genug ein schlechtes Gewissen einreden, damit sie zu uns aufschauen und sich aus Angst davor, als intolerant, regressiv oder reaktionär diffamiert zu werden, tunlichst hüten, unsere parallelweltlich-meinungsverbildende Führungsrolle in Frage zu stellen.

Also, liebe SchülerInnen – welchen biologischen, gefühlten, ansozialisierten oder gesamtgesellschaftlich brutal und minderheitenunbewusst-asensitiv aufgezwungenen Geschlechtes ihr auch immer sein wollt/könnt/dürft: Solltet ihr im Erwachsenenalter immer noch ratlos durch die Geschichte tapsen, vor Regierungsantrittserklärungen stehen wie der Ochs vorm Berg, Inflation für eine schmerzhafte Zunahme von Blähungen nach dem Verzehr von Bohnensuppe halten, Schwätzer mit Wissenschaftlern oder den Euro mit einer altägyptischen Gottheit verwechseln, macht das alles nichts – Hauptsache, ihr seid homo-, trans-, inter-, metro-, bi-, poly-, gaga- und kichersexuell.

Bevor ich's vergesse: Was laufen im Pazifik eigentlich gerade für fukushimige Schwulitäten?


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