10. Januar 2014

Bundesbank Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Die New Yorker Bestände sind nie überprüft worden

Die Deutsche Bundesbank ist eine schizophrene Einrichtung. Auf der einen Seite ist sie Spieler und Schiedsrichter in einem ungedeckten Papiergeldsystem, das Geld überwiegend durch die Kreditvergabe der Banken entstehen lässt.

Auf der anderen Seite hortet sie Gold. Insofern traut sie dem eigenen „Braten“ selbst nicht so richtig. Insgesamt gehören der Deutschen Bundesbank fast 3.400 Tonnen Gold. Das entspricht fast 100 Milliarden Euro. Man muss sich schon fragen, wieso eine Notenbank 3.400 Tonnen Gold vorhält, obwohl die Zeit, in der Geld an Gold gebunden war, durch den Zusammenbruch des sogenannten Bretton-Woods-Abkommens vorerst zu Ende ist. Bis dahin war die Geldmengenausweitung durch die Entwicklung der Goldproduktion begrenzt.

Damals, am 15. August 1971, kündigte US-Präsident Nixon die weltweite Nachkriegsgeldordnung auf. Diese verpflichtete die amerikanische Notenbank Fed, Dollar-Währungsreserven anderer Notenbanken zum festgelegten Wechselkurs von 35 Dollar je Unze in Gold einzutauschen.

Die Amerikaner „druckten“ Dollar, die sie nicht mit ausreichenden Goldbeständen decken konnten. Der Grund war simpel. Der Vietnamkrieg war zu teuer und deshalb konnten die USA ihr Versprechen nicht mehr einhalten. Seitdem haben alle staatlichen Währungen auf dieser Welt keinen Gold-„Anker“ mehr. Sie beruhen nur noch auf Vertrauen in die Solidität der Zentralbanken.

Doch am Beispiel der Bundesbank sieht man, dass sie noch ein „Ass im Ärmel“ behalten will, sonst würde sie nicht die zweitgrößten Goldbestände der Welt besitzen. Besitzen?

Besitz setzt voraus, dass man über eine Sache verfügen kann und sie in seiner Gewalt hat. Daran gibt es durchaus Zweifel. Die Bundesbank erklärte jüngst, dass ihr Gold zu 45 Prozent bei der Fed in New York, zu 13 Prozent in London, zu elf Prozent in Frankreich und zu 31 Prozent in Frankfurt lagert. Ob das Gold dort tatsächlich hinter Schloss und Riegel ist, weiß die Bundesbank selbst nicht definitiv. Die Bestände in New York (über 122.000 Barren), die teilweise seit 1952 (!) dort lagern, sind bislang noch nie (!) einer Inventur unterzogen worden. Das bedeutet, es hat noch nie eine „körperliche Bestandsaufnahme“ durch die Bundesbank oder einen von ihr Beauftragten stattgefunden.

Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang, denn die Bestände (über 82.000 Barren) bei der Bundesbank in Frankfurt werden jährlich, so wie in jedem anderen Unternehmen auch, einer genauen Inventur unterzogen. Der Bundesrechnungshof kritisiert die fehlende Überprüfung der New Yorker Bestände seit langem. Im Jahr 2012 habe ich eine Initiative als Erstunterzeichner unterstützt, die die Rückholung und Überprüfung der Goldbestände der Deutschen Bundesbank zum Ziel hat. Dieser Initiative haben sich inzwischen mehr als 14.000 Bürger angeschlossen.

 Im vergangenen Jahr hat die Bundesbank nun 37 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland zurückgeholt. Das sind weniger als zwei Prozent der Bestände, die in New York lagern sollen. Spätestens jetzt hätte man die Gelegenheit gehabt, den Gesamtbestand, die individuellen Nummern der Barren und ihren genauen Lagerort zu überprüfen. Stattdessen hat man zugelassen, dass das nach Deutschland zurückgebrachte Gold vorher in New York eingeschmolzen und zu neuen Barren gegossen und erst anschließend nach Deutschland transportiert wurde. Erst kürzlich wurde öffentlich, dass das so genannte „Gold price fixing“, das zweimal täglich in London von fünf Großbanken vorgenommen wird und an dem sich alle Marktteilnehmer orientieren, einem Manipulationsverdacht ausgesetzt ist. Es geht um illegale Preisabsprachen, wegen denen jetzt ermittelt wird.

 Zum Schluss: Der Goldpreis ist im vergangenen Jahr um 28 Prozent gefallen. Was folgt daraus? Gold eignet sich nicht so sehr als Anlage, um damit eine möglichst hohe Wertentwicklung zu erreichen. Dafür sind Manipulationen der großen „Player“ zu offenkundig. Gold ist eher eine Versicherung gegen das „große Währungsrisiko“, den Totalverlust. So sieht es wohl auch die Bundesbank. Anders als die Zentralbanker in Frankfurt sollten Sie Ihre Bestände jedoch öfter einer Prüfung unterziehen.

P.S.: Eines der besten Bücher zu diesem Thema hat Dimitri Speck geschrieben: Geheime Goldpolitik, Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern, Finanzbuchverlag, München.

Link:

Dimitri Speck, Geheime Goldpolitik (amazon.de)


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