16. September 2013

Lothar Bisky Wir hätten ihn leben lassen sollen

Alte SED unter neuer Tünche

Am Sonnabend hat eine Trauerfeier der Linken in der Berliner Volksbühne stattgefunden, die der „Spiegel” zu einem Rührstück auf dem Niveau des „Neuen Deutschland”, als es noch SED-Hofberichterstattung betrieb, verarbeitet hat.

Natürlich wurde alles ausgelassen, was ein realistisches Bild von Herrn Bisky vermitteln könnte. Seine IM-Tätigkeit, die er abgestritten hat, wie die meisten IM, seine Weigerung, vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss sein Wissen über das unter seiner Beteiligung verschobene DDR-Vermögen preis zu geben (24 Milliarden DM). Er hat Bundestagsabgeordnete als PDS-Vorsitzender unter Androhung eines Strafgeldes von 50.000 DM gerichtlich verfolgt, die in der Öffentlichkeit über die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses Verschwundenes DDR-Vermögen berichtet haben. Er hat damit seine Verachtung für das Parlament demonstriert und die Demokratie nicht bereichert, sondern „auswechseln” wollen, was nichts anderes als abschaffen bedeutet. Das hat er in seiner Antrittsrede als frisch gewählter Linke -Vorsitzender den anwesenden Journalisten in den Block diktiert.

Der Höhepunkt der Schmierenkomödie war aber, dass ein tränennasser Gysi nach der Feier durch die Gänge auf der Suche nach dem Regisseur Andreas Dresen, der eine der Gedenkreden hielt, eilt und den Journalisten verkündet: „Wir hätten ihn leben lassen sollen!”

Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht Herr Bisky hat also darüber entschieden, wie er leben möchte, sondern die Partei. Bisky ist in der Politik geblieben, obwohl er sich nach einem anderen Leben gesehnt haben soll.

Deutlicher kann man nicht machen, dass unter der neuen Tünche immer noch die alte SED steckt, die über ihre Parteisoldaten verfügt, wie sie es braucht. Und Bisky als treuer Parteisoldat über sich verfügen ließ.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

ef über das Thema

Der reiche Kapitalismus

Sonst ändert sich nix

Die herrschende Klasse der DDR und ihr oligarchischer Kollektivismus


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Vera Lengsfeld

Über Vera Lengsfeld

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige