06. September 2013

Schulzwang Wunderliches aus Deutschland

Es wird kein Kind zurückgelassen!

Neulich im streng anti-autokratischen Besserland: Ein – merkwürdig genug – nicht von Wladimir Putin geführtes Überfallkommando, bestehend aus Mitarbeitern des Jugendbeglückungsamtes sowie einigen bewaffneten Beamten der Bürgersicherung, marschierte in die Privatsphäre der Familie Wunderlich aus Darmstadt ein, um dieser einen geschmacklosen Justizwitz zu erzählen. Sie dürften ihre Kinder nicht daheim unterrichten, belehrte man das subversive Elternpaar, denn das sei in Bessermenschenhausen verboten. Der Schulpflicht könne sich niemand entziehen, antwortete das Zentralkomitee auf Anfrage, schließlich werde kein Kind zurückgelassen – schon gar nicht in der Obhut populistischer Staatsschulskeptiker. Die Kinder wurden in eine Jugendhilfeeinrichtung landverschickt, den Privatdelinquenten mitgeteilt, sie würden ihren Nachwuchs „nicht so bald wiedersehen“.

Dann aber geschah noch Erstaunlicheres. Die militante „Humanitäre Befreiungsfront“ ließ in einer ironischen Folgeaktion beispiellosen Ausmaßes einen Großteil der Bevölkerung Deutschlands von Sicherheitskräften aus ihren Häusern zerren und in Krankenhäusern unterbringen. Dies diene nur dem Schutz der Menschen, teilte das Pressebüro der Organisation auf Nachfrage mit. Zur Begründung des rabiaten Masseneinsatzes wurde angegeben, es könne nicht sein und dürfe nicht länger hingenommen werden, dass trotz staatlicher Schulpflicht beziehungsweise eines öffentlichen Bildungswesens viele erwachsene Menschen immer noch:

erstens ohne äußeren Zwang und ohne große Not freiwillig kostbare Lebenszeit, die zur Herbeiführung echter gesellschaftlicher Veränderungen oder zur selbständigen Weiterbildung genutzt werden könnte, mit dem Konsum politischer TV-Talkshows und anderer gleichgeschalteter Massenmedien aufs Sinnloseste verschwenden und deren teilweise Finanzierung über eine staatlich erzwungene Gebühr auch noch widerstandslos hinnehmen,

zweitens trotz des angeblich hocheffizienten öffentlichen Schulsystems beziehungsweise einer alternativlosen Schulpflicht, der sich laut Gesetz niemand entziehen darf und die ihrem eigenen Anspruch zufolge mündige Bürger hervorbringen will, seit Jahrzehnten tatenlos einer veterinärmedizinischen Negativauslese in Politik und Massenmedien zusehen, die keineswegs für „soziale Gerechtigkeit“, Chancengleichheit, intellektuelle Vielfalt und Meinungspluralismus sorgt, sondern fast geisteshumpelnde Pudel und Terrier inthronisiert, institutionalisiert und im Tagesrhythmus vor Kameras und Mikrofonen Gassi führt, die fast alle dasselbe sagen, denken, senden, funken, schreiben, bellen und kläffen, von Podien herunterblöken und ihr Geschäft bevorzugt in menschlichen Schädeln verrichten,

drittens trotz aller hochgefährlichen, selbst für stockblinde Vollzeitschwachmaten überdeutlich sichtbaren Folgen des monopolistischen Geldunwesens weiter im Kochtopf sitzen bleiben wie der berühmte Frosch und jedem, der sie darauf hinweisen möchte, einen Alu-Hut aufsetzen,

viertens keinen Sturm auf die „Brüssille“ unternommen haben, eine bekannte und in politischer Hinsicht klimaschädliche Geldverbrennungsfirma und Recyclinganlage für altes Gedankengut.

Deshalb, so die Organisatoren der Aktion, wolle man nun die Bevölkerung auf etwaige Gesundheitsschäden prüfen lassen und die Ergebnisse in einer Studie über die Langzeitfolgen des staatlichen Bildungswesens veröffentlichen. „Denn“, so die Initiatoren, „die Resultate sprechen ja nicht gerade für dieses System. Ich bitte Sie, da läuft doch eindeutig etwas falsch, wenn statt mündiger Bürger ein Haufen denkfeiger, dressierter, angepasster, obrigkeitshöriger Stockholm-Patienten rauskommt, die sich ungerührt vergewaltigen lassen“.

Aber im Ernst: Ein Staat, der mit solchen Methoden über eine Familie herfällt, sie mit Hilfe bewaffneter Beamten auseinanderpflückt und den Vater vor den Augen seiner Kinder behandelt wie einen Aussätzigen, begeht ein Verbrechen, Punkt und Schluss.


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