07. August 2013

Hilal Sezgin BlockwartIn im selbstgestrickten Engelskleid

Offener Brief an den Feuilleton-Chef der „Süddeutschen Zeitung“

Sehr geehrter Herr Dr. Steinfeld,

es ist schon ein sogenanntes „dickes Ding“, was Sie da am 1. August Ihrer Nachwuchskraft Hilal Sezgin bis auf die Seite eins des „SZ“-Feuilletons haben durchgehen lassen. Zu den Autoren der Edition Sonderwege bei Manuscriptum zählen Jürgen Elsässer, die libertären Wirtschaftsprofessoren Guido Hülsmann und Hans-Hermann Hoppe, der „eigentümlich frei“-Verleger André F. Lichtschlag, Ihr „FAS“-Kollege Volker Zastrow, der gutgelaunte und immer witzige Bernhard Lassahn, und, wenn man so will, von einer konservativen Seite allenfalls Jörg Schönbohm, Arnulf Baring und der in Ihrem Haus wegen eines einst gegen Sie gewonnen Rechtsstreits wahrscheinlich besonders unbeliebte Konrad Löw.

Die Bücher dieser Leute hat Ihre Autorin nicht gelesen, sondern – wie der Perlentaucher richtig vermutet – „durchblättert“, auf der Suche nach „Stellen“, in der gleichen jagdfiebrigen Aufregung (und wahrscheinlich mit ebenso hochrotem Kopf), in der die Bediensteten der Bundesprüfstelle in den 60er Jahren Henry Miller auf pornographieverdächtige Schlüsselwörter durchkämmten. Besonders fündig wurde sie bei Hans-Hermann Hoppe.

Dessen Demokratie-Buch ist in der „Neuen Zürcher Zeitung“, im „Handelsblatt“, in der „FAZ“ ausführlich besprochen worden, und man kann seine anarchokapitalistisch-libertäre Idee eines reinen Privatrechtsstaates unter vielen Gesichtspunkten diskutieren, aber nur in einem Zustand völliger politisch-korrekter Verbretterung als „rechts“ einordnen.

Dass Sie es dann Ihrer – ganz offensichtlich mit der Einrichtung einer Bundesschrifttumskammer sympathisierenden – Autorin gestatten, in einem sich immer noch als liberal verstehenden Blatt gegenüber einem Buchverlag nach dem Staatsanwalt zu rufen, ist nicht mehr nur peinlich, es ist katastrophal – nicht für uns, sondern für den etablierten Journalismus und das öffentliche Klima in Deutschland. Die Absatzzahlen der inkriminierten Bücher sind über Nacht nach oben geschnellt; auch die Leser der „Süddeutschen Zeitung“ haben offenbar ein Gespür dafür entwickelt, dass dort, wo diffamiert wird, Interessantes winkt. Sehen Sie denn nicht, dass die Mainstream-Medien in Deutschland auf diese Weise emsig an ihrer Selbstabschaffung arbeiten? Sie (die Print-Medien) haben Schwierigkeiten nicht, weil Informationen im Internet kostenlos wären, sondern weil sie dort weniger spurfest, linientreu, mitläuferisch und langweilig sind. Die ständige Skandalisierung auch der kleinsten, nachdenklichen Abweichung werden Sie ohne weiteren Schaden nicht durchhalten können.

Und bedrückt es Sie nicht, dass Sie offenbar einen journalistischen Typus heranziehen, der wie Frau Sezgin tatsächlich BlockwartIn-Umrisse zeigt – nicht in der Gewandung, denn im Spiegel sieht sie sich sicherlich im selbstgestrickten Engelskleid aus „Weltoffenheit und Toleranz“ und anderen güldenen Garnen, dafür umso mehr im Habitus des umherschleichenden Dauerargwohns und der Jagdlust auf Abweichler?

Mit Verwunderung, aber dennoch freundlichem Gruß

Thomas Hoof

Publizistisch sind Sie ja in der Vorhand gewesen. Insofern behalte ich mir vor, diesen Brief ebenfalls zu veröffentlichen.


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