06. August 2013

Freiheit und Sicherheit Ohne Knete – Terrorfete?

Ruf' zum Abschied lautstark „Yalla!“

„Stellen wir uns einen Moment lang vor, die Nachrichtendienste würden den Telefon- und Mailverkehr nicht nach Hinweisen auf Terrorismus und Kriminalität durchsuchen. Dann wären aller Wahrscheinlichkeit nach 2007 oder 2008 von der sogenannten Sauerlandgruppe Bomben gezündet worden, die Menschen verletzt oder getötet hätten. Wie viele es gewesen wären, weiß man nicht. Die Zahl ist aber letztlich gleichgültig. Schon ein gerettetes Leben, schon ein Erhalt der Unversehrtheit sind aller Anstrengungen wert – und rechtfertigen die Arbeit von Geheimdiensten. Umgekehrt betrachtet: Die Angehörigen der Toten des 11. September hätten die Kontrolle ihrer Kommunikationsdaten sicher gern in Kauf genommen, wenn dafür ihre Lieben noch am Leben wären“, schrieb Martina Fietz in einem Artikel („Es ist zynisch, Freiheit über Sicherheit zu stellen“) auf Focus Online vom als 26. Juli getarnten 1. April.

Da biste baff. Man benötigt eine schier übermenschliche Chuzpe, ausgerechnet die Angehörigen der Opfer des 11. September zur Legitimierung von staatlicher Schnüffelmanie und angeblich nur der „Sicherheit“ dienenden Überwachungssystemen vergewaltigen zu wollen. Handelt es sich doch um dieselben Angehörigen, die in großer Zahl seit mehr als einem Jahrzehnt auf eine neue, unabhängige, seriöse Untersuchung der Ereignisse dieses Tages drängen, da sie der fragwürdigen und recht lückenhaften offiziellen Darstellung im „Commission on 9/11 Report“ ebenso wenig Glauben schenken wie viele andere Amerikaner im hohen zweistelligen Millionenbereich. Ganz zu schweigen von den weltweiten Skeptikern im dreistelligen, unter denen sich auch Tausende von Berufspiloten, Architekten, Ingenieure, Chemiker und Physiker befinden, kurz: ahnungslose, inkompetente Spinner und Minderbegabte, Repräsentanten niederer Berufe, die aufgrund ihres schweren intellektuellen Handicaps die Genialität der amtlichen Version nun mal nicht zu erfassen vermögen. Man sehe es den Dummerchen bitte nach. Die Verwandten der Opfer, Mitleid heischend und auf Emotionen spekulierend, als Schutzschild vor die Auswüchse eines im Inneren wie nach außen immer krimineller agierenden Staates stellen zu wollen, der sich zur Rechtfertigung dieses Vorgehens auch heute noch auf eben jenen nach wie vor nicht zufriedenstellend geklärten 11. September bezieht, das ist so mutig paralleldimensional, so goldhimbeerig-groschenheftig, dass man sich ganz ernsthaft fragen muss, in welcher kunterbunten Truman Show oder welchem kosmischen Computerspiel man eigentlich ungewollt mitwirkt. Demnächst fällt wahrscheinlich ein Scheinwerfer oder Joystick vom Himmel.

Überhaupt fällt auf, dass man sich im hiesigen Presseclub der „Freunde der Knechtschaft“, dem Duckmäuser-, Untertanen-, Papageien- und Mitkläfferstream, dieser nährstoffarmen Buchstabensuppe hochherrschaftlich erwünschter Narrative, große Mühe gibt, Unsicherheit stets nur als Produkt unabhängigen, freiberuflichen Terrors zu verticken und dadurch auf fatale Weise nur folgerichtig den darob zweifellos hocherfreuten Mauschel-Eliten auch noch auf den Leim zu gehen, indem man es schon als „zynisch“ (sic!) bezeichnet, Freiheit über diese machtgierige Schmieren-Tragikomödie unter dem Neusprech-Terminus „Sicherheit“ stellen zu wollen. Was gab es diesbezüglich in der letzten Woche nicht schon wieder an aufschlussreichen Schlagzeilen:

Einmal stellte sich heraus, dass – worauf ich in einem länger zurückliegenden Artikel auf ef-online bereits hingewiesen hatte – die CIA über die sogenannte „Botschaft“ in Bengasi kräftig Waffen verschob, Deals, an denen der Diplomat Christopher Stevens, der bei dem Angriff auf das Konsulat unglücklicherweise verstarb, so dass er dazu nicht mehr viel aussagen konnte, selber beteiligt gewesen sein soll – zusammen mit circa 35 bis 40 anderen CIA-Mitarbeitern. Man wusste in Washington bereits 48 Stunden vorher über den bevorstehenden Angriff Bescheid; eine Sondereinsatztruppe, die dort hätte eingreifen und womöglich Schlimmeres verhindern können, wurde zurückgepfiffen; mit Hilfe einer Beobachtungsdrohne war man über das Geschehen am Boden buchstäblich gut im Bilde. Ein anderes Mal erfährt man, dass das Pentagon in Afghanistan Aufträge an al-Qaida vergab oder an ihr nahestehende militante Gruppen. Wie viele solcher Ferkeleien wohl noch enthüllt werden müssen, damit die hiesige Berichterstattung endlich umschwenkt und etwas genauer hinschaut, statt jede Agitprop distanzlos nachzubeten?

Interessant auch der Verweis Fietz' auf die „Sauerlandgruppe“, der ein „CIA asset“, ein Mitarbeiter oder Vertrauensmann des US-Auslandsgeheimdienstes namens Mevlüt K., Zünder für Sprengstoffanschläge besorgte. Sogar der Mainsumpf warf dazu ausnahmsweise mal kurzzeitig ein paar etwas wohlriechendere Blasen aus, unter anderem der „Stern“. Was natürlich wieder einmal die bange Frage aufwarf, wie viel des sogenannten Terrorismus überhaupt echt ist oder ganz einfach nur inszeniert, damit die lieben Schlafschafe bloß nicht auf die Idee kommen, über den Weidezaun zu springen.

Und nun, pünktlich zur tonfallverschärften Aufregung und zunehmenden Kritik an den Aktivitäten der NSA, wird erst eine Reisewarnung für Amerikaner herausgegeben, kurz danach eine Meldung über Ausbrüche zahlreicher Extremisten aus Gefängnissen, darunter auch – wer rechnet denn mit so was – die Jungs von al-Qaida, und damit aller schlechten Dinge drei sind, verkündet man schnell noch, abgehörte Gespräche zwischen Spitzenpolitikern der al-CIAda ließen befürchten, die USA stünden womöglich von neuem vor einem Anschlag in der Größenordnung von 9/11. Nun gibt es dafür drei mögliche Erklärungen, zwar alle so durchsichtig wie das Negligé einer Stripperin, allerdings von leicht unterschiedlichem Gefährdungspotential:

Die naheliegendste dürfte vorerst sein, dass man die lauter werdende Kritik mittels solcher Nachrichten, deren zeitliche Synchronizität mit der weltweiten Empörung über die Menschheitsbeglücker, Bürgerbeschützer und Sicherheitswahrer ganz gewiss nur reinem Zufall entspringt, zu dämpfen und überdies den „Beweis“ für die Notwendigkeit verschärfter Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen zu erbringen versucht. Außerdem könnte man die Gefängnisgesellschaft damit einen großen Schritt weiterbringen: Die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ berichteten in einem Artikel, die US-Regierung habe die Bürger nun aufgefordert, ihre Reisepläne mit den Behörden abzustimmen. „Wie geil ist das denn?“, hört man Orwell und Huxley aus ihren Gräbern lachen. Damit das Zentralkomitee immer weiß, wo die Arbeiter und Bauern sich so herumtreiben. Dies wäre noch die „harmloseste“ Option.

Die zweite lautet, dass es sich tatsächlich mal um echten Terrorismus handelt, von dem eine ernstzunehmende Bedrohung ausgeht. Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, gerade vor dem Hintergrund endloser Lügen und Täuschungen, der man sich in den letzten Jahrzehnten zur Rechtfertigung kriegerischer Konflikte bediente, angefangen vom Vorfall im Golf von Tonkin bis zu den Irakkriegen unter George Bush senior und junior, sei dahingestellt. Aber selbst wenn es nun eine reale Bedrohung gäbe: Was will man denn auch erwarten, wenn man jahrelang andere Völker mit Drohnen piesackt, Zivilisten ermordet, ihre Länder aus erstunkenen und erlogenen Gründen angreift und ins Chaos bombt, um sie in Unruhe und Abhängigkeit vom Großen Befreier zu halten, die dort entstehenden Oasen für Radikalinskis als Umschlagplätze für Waffenschmuggel in das nächste geostrategische Ziel auf der Weltkarte zu nutzen und fanatische Partylöwen einzuschleusen, die rauben, morden, vergewaltigen und Minderheiten den Kopf abschneiden. Womit freilich nicht geleugnet werden soll, dass es realen Terrorismus gibt. Allerdings hat sich ein Großteil des offiziell als solcher angepriesenen in den letzten Jahren immer wieder dummerweise  als staatlich gesponserter und manipulierter herausgestellt. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht“, sagt der, igitt, Volksmund unerträglich populistisch. Und wer nicht nur einmal, sondern fortgesetzt lügt? Ganz einfach: Wer solche Fragen stellt, ist „unpatriotisch“ und muss überwacht werden. Oder ist antiamerikanistischer Antisemit. Oder Rassist, der Obama nur wegen seiner Hautfarbe kritisiert. Alles klar?

Die dritte, hässlichste Erklärung und leider durchaus im Bereich des Möglichen: Es handelt sich um Vorbereitungen auf eine kommende, größere False-Flag-Operation zur Ablenkung von drohendem häuslichem Ungemach, damit Millionen enttäuschter, frustrierter Amerikaner, die trotz zweier oder dreier Jobs ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, enteigneter Kleinanleger, ausgesaugter Rentner, vergackeierter Hausbesitzer, überschuldeter Studenten et cetera et cetera ihre wachsende Wut bloß nicht auf das verantwortliche Kassengift in der „Upper Crust“ der heimischen Polit- und Finanzelite richten, auf die Geldfälscher und -entwerter, die Blender und Täuscher, Lügner und Betrüger, Kriegsverbrecher und Volkszertreter, sondern brav auf den garstigen Feind mit Bart und Turban, yalla yalla. Die US-Eliten wissen ganz genau, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Der Dollar hängt noch nicht mal mehr an einem Faden, sondern einem Nanoröhrchen. Die Durchhaltepropaganda zieht nicht mehr. Die Reaktionen vieler Amerikaner in Form von Tausenden (!) von Kommentaren unter einzelnen Artikeln in diversen linientreuen Blättchen über die ausgerechnet von al-Qaida ausgehende Bedrohung eines neuen 9/11, einer Terrortruppe, deren Anwesenheit in Syrien auf der Website des für seine dubiosen Machenschaften einschlägig bekannten Council On Foreign Relations als „willkommener Einfluss“ angepriesen wurde, sprechen Bände über das Vertrauen, das die amtierende Regierung unter Obama noch genießt: Es rangiert nahe der Nullgrenze. Manche Kommentare sind wütend, andere von einer erfrischenden Ironie. Oder wie Trendforscher Gerald Celente sich gewohnt humorig ausdrückte, als er auf die Frage eines Interviewpartners, was denn bei einem Crash zu befürchten stünde, furztrocken antwortete: „There has been a terror attack in Los Angeles ...“ („Es gab einen Terroranschlag in Los Angeles“).

Auch große Teile der deutschen Leserschaft scheinen den Wahnsinn mit Humor zu nehmen – gut so! Denn ansonsten läuft man Gefahr, vom virulenten Irrsinn, vom pandemischen Irrationalismus auch noch angesteckt zu werden. Ein User schrieb lakonisch: „Man kann aber auch die unendlich dumme Arroganz unterstellen, dass diese selbsternannten Eliten glauben, dass man die Bürger für dumm verkaufen kann und ein Reset des Finanzsystems unter Schuldzuweisung vorbereitet wird. Krieg war bei diesen Irren ja schon immer ein probates Mittel.“ Bingo.

Ein anderer kommentierte: „Ist schon erstaunlich, da macht ein US-Ministerium Geschäfte mit al-Qaida und Taliban und jetzt das. Wer sind denn jetzt die Terroristen??" Berechtigte Frage. In einem anderen Artikel der „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ zum Thema fand sich ein herrlich sarkastischer Satz über die eiligst einberufene Konferenz zur aktuellen Bedrohungslage am Wochenende, für die das Obembelchen sogar eine Partie Golf (sic!) unterbrach, der arme Mann: „Joseph Goebbels war bei dem Treffen nach Informationen des Finanzblogs Zerohedge NICHT anwesend.“ Autsch. Aber das kommt eben davon.

Link:

„Focus“: „Es ist zynisch, Freiheit über Sicherheit zu stellen“


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