02. August 2013

Süddeutsche Zeitung Die grünen Nazis aus Istanbul

Manuscriptum-Verlag unter Beschuss

Hilal Sezgin hat sich einen Namen gemacht. Heinrich-Böll-Stiftung, „Zeit“, PETA, „taz“, „Frankfurter Rundschau“. Die vegane Habermas-Studierte schwimmt mittendrin im Hauptstrom des Zeitgeistes. Mit solch trendbewussten Themen wie Gender, Feminismus, Islamfeindlichkeit und Tierethik hielt sie sich bislang sehr erfolgreich über Wasser und andere darunter. Nach Themen fischte sie stets links. Zu schießen versuchte sie stets gen rechts. So auch in der gestrigen Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Ihr Ziel verfehlte sie diesmal allerdings fulminant. Stattdessen traf sie einen bunten Haufen von Individualisten irgendwo im Niemandsland fernab kleingeistiger politischer Dimensionen. Weder lechts noch rinks. Und sie offenbarte allerlei totalitäre Phantasien, die die bedrückende Frage aufkommen lassen, ob vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte eine solche Autorin für die SZ noch tragbar sein kann.

Wenngleich ohne Recherche-Fortune so doch mit erheblicher Inbrunst holte sie zum Rundumschlag gegen den kleinen aber feinen Manuscriptum-Verlag aus, der bislang vor allem mit der Veröffentlichung von Hans-Hermann Hoppes demokratiekritischen Hauptwerks in Erscheinung trat. Manufactum heißt die ehemals dazugehörige Kaufhauskette. Umweltbewusst und traditionell. Auf gute alte Wertarbeit legen Leser und Konsumenten Wert. Braun und grün gesellt sich eben gern, deutelt Hilal Sezgin dagegen.

Neben Konrad Löw und Bernhard Lassahn durfte auch ef-Herausgeber André F. Lichtschlag im Hause Manuscriptum veröffentlichen. Doch das Rütteln an Feminismusideologie, Sozialstaatsromantik und Gender-Wahn behagt Frau Sezgin gar nicht. Und wie lautet die standardisierte Allzweckwaffe, wenn die grünsozialistische Lebensweltphantasterei in Gefahr gerät? Richtig. Frau Sezgin schwingt die Nazi-Keule. Rabiat und gnadenlos. Inbrünstig eben. Doch die Emotionen vernebeln ihr den Blick auf die Fakten.

Hans-Hermann Hoppe vor dem Hintergrund seiner Ehe mit der türkischen Wirtschaftswissenschaftlerin Guelcin Imre und seiner Residenz im schönen Istanbul reaktionäre Deutschtümelei andichten zu wollen, muss grandios scheitern. Hilal Sezgin vermag auch trotz allerhand farbiger Konnotationen nicht zu zaubern. Sie offenbart erschreckende Kenntnisdefizite hinsichtlich anarchokapitalistischer Ideen. Wie zum Beispiel letztendlich die Freiheit der Märkte der Freiheit der Bürger widersprechen soll, wie von Frau Sezgin behauptet, muss sie erst noch erklären.

Kritik am Nanny-Staat verneuspricht sie gnadenlos plump in Ausländerhass. Dass Wohlfahrtsstaatkritiker André F. Lichtschlag von den einschlägigen Islamkritikern von „PI-News“ für sein Buch aus dem Manuscriptum-Verlag als „besonders blinder Muselfreund“ bezeichnet wurde, entging anscheinend Sezgins Spürnase. Doch die Steuertröge sind ihr heilig. Wie sollte sie sich schließlich journalistisch profilieren können, ohne den wohlmeinend umsorgenden Staat, den es stets auszubauen gilt? Also darf berechtigte Kritik nicht sein, was Sozialstaatskritik ist. Nazi!

Allein mit dem Stift kommt man jedoch nicht gegen die Staatsfeinde an. Kleiner Stups also an die Freunde von der Sitte: „Wäre so etwas von einem Linken verfasst worden, wären sicher bereits die Verlagsräume durchsucht worden. Der Autor jener Zeilen lebt in den USA [sic] und ist dort vor einer deutschen Strafverfolgung sicher. Für einen kleinen Verlag mit Sitz in Waltrop und Leipzig könnte das anders aussehen.“

Kerkerhaft für Andersdenkende! Hilal Sezgin wird uns sicherlich mit einigen Jubel-Zeilen beglücken, wenn es soweit ist.


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