27. Juni 2013

Homo-Ehe Der schöne Schein

Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?

Knapp drei Wochen nach dem Bundesverfassungsgericht hat gestern auch der amerikanische Supreme Court die Homo-Ehe unterstützt. Das Urteil fiel mit fünf zu vier Stimmen, die deutsche Presse jubelte im gewohnten Gleichschritt mit 100 zu null.

Eigentlich verrückt, geht es doch – das umstrittene Adoptionsrecht einmal beiseite gelassen – bei uns wie in den USA im Kern um eine Steuererleichterung und damit um Einnahmeverluste des Umverteilungsstaats, also um das, was sonst gerne als „soziale Ungerechtigkeit“ abgelehnt wird.

Ich aber gönne in Zeiten der rekordverfetteten Staatsmacht aus Prinzip jedem seine Steuererleichterungen von Herzen, ob „verheirateten“ Homosexuellen oder linkshändigen Radfahrern. Ohnehin kann es keine Steuersenkung geben, die alle gleichermaßen entlastet. Insofern war ja auch die Steuersenkung auf Hotelbetten kein Fehler, sondern das Beste, was FDP und CSU in den letzten Jahren veranlasst haben. Sie hilft direkt den Hotelbetreibern und indirekt durch deren Steuerersparnis ihren Kunden und Zulieferern. Und wenn aufgrund des Splittings für Homo-Paare demnächst unterschiedlich verdienende schwul Verheiratete zusammen weniger Steuern zahlen als zuvor, dann nützt dies dem „vermählten“ Paar, und ich freue mich mit ihnen darüber. Indirekt profitieren von der Entlastung auch jene Geschäfte, bei denen sie dadurch mehr Geld ausgeben können. Und dadurch wieder deren Geschäftspartner. Die Marktwirtschaft ist eine höchst effiziente und gerechte Geldverteilungsmaschine. Reichtum sickert durch. Soweit, so gut und bekannt. Der Grundsatz dabei: Privat vor Staat, jeder kann mit seinem sauer verdienten Geld besser umgehen als der Bürokrat, der es ihm aus der Tasche zieht.

Dass der Staat auf der anderen Seite ohnehin keine Ehe zu schließen hat und dass dies Aufgabe der Kirche ist, sei hier nur nebenbei erwähnt. Insofern wird auch nichts wirklich entwertet, weil die staatliche Ehe-Bescheinigung ohnehin kein Sakrament, sondern ein dem staatlichen Scheingeld nicht unähnlicher Witz ist, der nun eben auch inflationiert wird.

Wichtig ist mir heute ein anderer Aspekt, der bislang wenig beachtet wurde. Und dazu nannte die Presse in ihren Jubelberichten zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts dankenswerterweise erstmals Zahlen. 34.000 Lebenspartnerschaften gibt es demnach in Deutschland, gebildet also von 64.000 Personen (Polygamie zählt meines Wissens derzeit noch nicht zum Kanon). Die Zahl der Ehepaare in Deutschland beträgt 18,5 Millionen, macht 37 Millionen Ehepartner (gemäß derselben Annahme).

Wenn man davon ausgeht, dass gemeinhin der Anteil der Homosexuellen an der Bevölkerung zwischen ein und fünf Prozent geschätzt wird und wir von 62 Millionen Wahlberechtigten, also ungefähr auch ehe- und lebenspartnerschaftsfähigen Personen ausgehen, dann wären von diesen 62 Millionen grob gesehen 59 bis 61 Millionen hetero- und ein bis drei Millionen homosexuell (der Einfachheit halber lassen wir a- oder sonstwiesexuell Veranlagte sowie die Wechselwähler einmal außer Betracht). Nehmen wir jeweils der Einfachheit halber den Mittelwert, dann sprechen wir grob von 60 Millionen erwachsenen Hetero- und zwei Millionen erwachsenen Homosexuellen in Deutschland. Nun leben 37 von 60 Millionen der Heterosexuellen in einer Ehe, also 62 Prozent von ihnen. Von den Homosexuellen leben 64.000 von zwei Millionen, also drei Prozent in einer Lebenspartnerschaft.

62 Prozent gegenüber drei Prozent – das zeigt nun erstens, dass die allermeisten Schwulen (und Lesben) selbst für sich die „Ehe“ ablehnen, was keinen verwundert, der sich nur ansatzweise mit der Thematik beschäftigt. Die Homo-Ehe ist ganz offensichtlich ein Anliegen ihrer politischen Funktionäre und nicht der allermeisten Schwulen selbst.

Der bislang vergessene Punkt ist ein anderer: Liberale wissen, dass jeder Staatseingriff immer Folgen hat. Oft sind es Ausweicheffekte, die von den Initiatoren gerade nicht beabsichtigt waren. Zum Beispiel, wenn Mieterschutzgesetze zu weniger und teureren Mietwohnungen führen und Mieter am Ende benachteiligen. Oder denken wir an das Kopf-Geld für Schlangen in Indien aufgrund einer Schlangenplage – mit dem Effekt, dass plötzlich überall Schlangen gezüchtet wurden...

Wie wirken sich nun Steuervergünstigungen für Homosexuelle ökonomisch aus? Durch die neuen Anreize wird ganz offensichtlich die Zahl der Homo-Ehen steigen. Auch einige von jenen, die sich bislang aus Liebe alleine nicht das Jawort gaben, werden nun Lebenspartner. Dadurch wird tendenziell auch die Zahl der Scheidungen steigen.

Eine andere Folge: Da der Staat glücklicherweise noch nicht den Vollzug der ja kurioserweise an das Sexuelle gebundenen Lebenspartnerschaft prüft (füreinander sorgende Geschwister zum Beispiel haben offenbar solange keine Lobby in bestimmten Kreisen, wie sie nicht sexuell aktiv miteinander werden) und da Kinder in der Homo-Ehe immer noch nicht zum erwarteten Regelfall zählen, dürften auch die Anreize für gute alte Freunde steigen, aus Steuergründen zu „heiraten“.

Was für Fritz und Heidi bislang schwierig war, schon weil sich einer schnell mehr davon versprechen könnte, liegt nun für den gut verdienenden Fritz und Skatbruder Kalle, der nur einen Aushilfsjob hat, doch entscheidend näher. Beide stehen auf Frauen, fliehen aber wie viele andere vor der ehelichen Bindung aufgrund der systematisch Männer benachteiligenden Versorgungsgesetze. Gehen beide nun eine Schein-Lebenspartnerschaft miteinander ein, sind Missverständnisse von Beginn an ausgeschlossen. Zukünftig werden beide den gemeinsamen Verdienst geteilt durch zwei versteuern. Anschließend gibt Fritz dem Kalle von seiner hohen Steuerersparnis die Hälfte ab und damit noch ein zweites Gehalt oben auf. Beide schließen noch eine Risiko-Lebensversicherung auf Gegenseitigkeit ab, und der länger Lebende hat auch im Alter noch einen schönes Plus. Hinzu kommt, dass der offizielle Status des Homosexuellen etwa im Beruf auch längst nicht mehr irgendwie als peinlich oder gar die Karriere behindernd zählen könnte. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Mit anderen Worten: Die Zahl der in Lebenspartnerschaft Lebenden könnte, wenn es sich erst einmal herumgesprochen hat und richtig Hipp wird, die Zahl der vielleicht zwei Millionen Homosexuellen schnell übersteigen. Der entsprechende Partner ist, sofern als Kalle nicht bekannt, im Zweifel über das Internet schnell gefunden. Unternehmer und Programmierer: Übernehmen Sie…

Und dann: Eine „homosexuelle Ehe-Quote“ von mehr als 100 Prozent – wäre das nicht eine politisch ganz besonders korrekte Meldung für die Tagesschau? Herr Schäuble hätte ein kleines Problem. Und ich fänd’s köstlich.


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