18. Juni 2013

Inzest Warum das Verbot nicht aufgehoben werden muss

Gaga sind wir schon genug

Christian Ströbele, Hauskobold des „Bündnis 90/80/90“, möchte das Inzestverbot kippen. Das ist wieder einmal einer dieser völlig überflüssigen Vorschläge. Denn wir mögen zwar noch keinen flächendeckenden sexual- beziehungsweise fortpflanzungstechnischen Inzest haben, dafür aber seit Jahren einen geistigen, der bekanntlich zur Verblödung bis hin zum Schwachsinn führte. Nachfolgend noch einmal anhand dreier zeitgenössischer Beispiele die beliebtesten inzestuösen Praktiken, die nachweislich zu herben Verlusten an geistiger Spannkraft des politisch-medialen, also mumpitzmilitärisch-dummfugindustriellen Komplexes geführt haben:

Erstens: Lasse Experten Jahr für Jahr, Monat für Monat, Woche für Woche, Tag für Tag angesichts wirtschaftlicher Entwicklungen „überrascht“ dreinschauen, die selbst ein Grauer Mausmaki (Affenart) auch dann aus dem Stegreif fehlerfrei aufzählen, richtig analysieren und darstellen könnte, würde man ihn vorher mit zwei Litern Whisky abfüllen. Auch folgenden Idiotentest zu absolvieren, fiele ihm sicher leicht:

a) Machen holografische Bratwürste satt? b) Werden Ökonomien eher durch realwirtschaftliche Wertschöpfungsketten in Schwung gebracht oder durch heiße Luft? c) Kann man einen Berg abtragen, indem man ihn auf einen anderen stellt? d) Werden Rettungsringe aus Senkblei hergestellt? e) Führe folgende anspruchsvolle Addition durch: 2+2=?, und damit eng zusammenhängend: f) Wenn Mitglieder beziehungsweise Lobbyisten der Hochfinanz die wichtigsten geldpolitischen Posten Europas bekleiden und Politiker bis hinauf zur Bundeskanzlerin beraten, würdest Du die absehbaren Folgen eher als „Vorteilsnahme“, „Korruption“, „Filz“ und „Vetternwirtschaft“ bezeichnen oder als „Verschwörungstheorie“? g) Freund A leiht Dir zehn Euro. Du fügst mit einem Kugelschreiber einfach zwei Nullen hinzu, hast also scheinbar 1.000. Diese 1.000 verleihst Du weiter an Freund B, der dann glaubt, 1.000 reale Euro, also irgendwie „echte Werte“ zu haben. Er fügt nochmal zwei Nullen per Edding hinzu, hat dann also – scheinbar – 100.000, die er wieder weiterverleiht, und so weiter. Dieses Spiel treibt ihr jahrzehntelang, bis nachdenkliche Artgenossen euch allmählich auf die Schliche kommen und protestieren. Wie reagiert ihr? Ihr entschuldigt euch für euer betrügerisches Verhalten und emigriert sicherheitshalber auf den Mond, oder: Ihr erhebt diesen erstaunlichen Zaubertrick zum Geschäftsprinzip und geht damit auf Welttournee („Circus Ponzilli – Luftakrobatik ohne Sicherheitsnetz!“).

Indem Du unermüdlich die falschen Antworten auf obige Fragen wiederholst, erweckst Du den Eindruck, Voodoo-Ökonomie sei alternativlos.

Zweitens: Ganz wichtig für erfolgreichen geistigen Inzest ist eine hermetisch abgeriegelte Diskussions-Monokultur. Lade also zum Beispiel immer dieselben Appelfratzen zu Talkshows ein und diskutiere nach Möglichkeit nur mit Menschen, von denen Du schon vorher weißt, dass sie genau dasselbe denken wie Du. Zu diesem Zweck führst Du sogenannte „Vorgespräche“ mit den potentiellen Gästen – unter dem Vorwand der „Qualitätssicherung“. Stellst Du dabei fest, dass jemand andere Töne trällert als der offiziöse Chor der Blöden, erfinde einen Vorwand, um denjenigen schnell wieder ausladen zu können. Dieses Prinzip nennst Du „Informations- und Bildungsauftrag“. Fördere also nur Gleichgesinnte, reiche nur Köpfe von Show zu Show und Käsblatt zu Käsblatt, die noch nie durch wirklich originelle Gedanken auffielen, sondern immer schön in den Grenzen der kleinen Pralinenschachtel des dummfugindustriellen Komplexes bleiben, bei der man, im Gegensatz zu derjenigen Forrest Gumps, leider immer schon im Voraus weiß, was man bekommt. Sei dann überrascht, falls eine solche geistige Monokultur dasselbe Schicksal ereilt wie jede natürliche: sie geht ein. Allerdings lassen sich Muff und Mief durch geeignete Devotionalien wie zum Beispiel elegant geschwungene, intelligent wirkende Brillengestelle, wohlklingende Titel wie „Schauspieler“, „Pop-“ oder „Rockstar“, „Herausgeber“, „Philosoph“, „Experte“, „Sachverständiger“, „Altbundeskanzler“, „Renommierter“ oder dergleichen ein wenig parfürmieren. Mit anderen Worten: Schockiere das Ausland durch eine extreme Überzeichnung des demographischen Problems, indem Du suggerierst, in Deutschland lebten nur drei Menschen: Gregor Gysi, Helmut Schmidt und Richard David Precht. Verlasse also niemals die intellektuelle Matroschkapuppe, die stillschweigende Konsensmatrix, das Mainstream- oder auch Zeitgeist-Fraktal, das sich in scheinbar immer neue Diskussions- oder „Inhaltsformate“ verzweigt, dabei aber faktisch immer nur dasselbe Grundprinzip wiederholt. Alle, die sich nicht mit der iterativen Formel kontinuierlicher geistiger Ergebnis- und Fruchtlosigkeit, der Wiederholung des Immergleichen, verrechnen lassen, bezeichnest Du als „umstritten“ oder, besser noch, „rechts“. Denn Du bist ein ganz ausgezeichneter Fahrer.

Drittens (überschneidet sich mit Punkt zwei): Stelle das Prinzip sich iterativ bis zum Nullpunkt vorarbeitender geistiger Selbstkastration als alternativlos dar. Bezeichne jede Kritik an ihm als populistisch. Gib die Schuld immer den anderen, wer sie auch sein mögen. Ein konkretes Beispiel: Münze Kritik an einer durchaus hinterfragbaren Immigrationspolitik in scheißschweinefleischnazideutsch-xenophobe Kleingeisterei und latenten oder „unbewussten“ Rassismus um. Die Perfidie dieses Tricks besteht in der Beweislastumkehr. Nicht Du musst also die Richtigkeit Deiner Vorwürfe beweisen, sondern die pauschal Verunglimpften und Beschuldigten, dass sie keine Rassisten oder unbewussten Nazis sind. Genial, oder? Durch die Verortung im Unterbewussten nimmst Du Deinen Gegnern die Möglichkeit des Gegenbeweises. Wie soll jemand, der sich des vorgeworfenen Fehlverhaltens gar nicht bewusst ist, dieses auf der bewussten Ebene argumentativ widerlegen? Solche Methoden kennt man zum Beispiel aus der Sowjetunion oder der DDR. Ließ sich Delinquenten nichts wirklich Handfestes vorwerfen, litten sie eben unter einer „unbewussten“ gedanklichen Nähe zum Klassenfeind – da hilft nur noch Psychiatrisierung, Deportation ins gesellschaftliche Abseits oder Totschweigen zur Aufrechterhaltung der sozialen Hygiene. Vertausche mithin also Ursache und Wirkung. Nicht eine falsche Politik ist ursächlich – ob nun bei Euro-, Immigrations-, Energie- oder sonst irgendeiner Politik, sondern, wie zu behaupten Du nie müde wirst, die höchst bedenklichen reaktionären, fortschrittshemmenden Tendenzen in der, bla, bürgerlichen „Mitte der Gesellschaft“, blubb. Solchem altmarxistisch-inzestuösen Hohlschwätzertum, schief herangewachsen und verkrüppelt durch jahrzehntelange geistige Negativauslese und ideologische Dauermasturbation, frönst Du, weil Du nach absolvierter Abschlussprüfung Dein Gehirn auf einer Unitoilette liegengelassen hast, wo es von einer umsichtigen, reinlichkeits- und umweltbewussten Putzfrau entsorgt wurde, da sie es für moderne Kunst hielt. Dafür wähnst Du Dich aufgeklärt, überlegen und redest Dir vor dem Badezimmerspiegel immer wieder autosuggestiv ein, „Intellektueller“ zu sein. Dass Du dadurch einer Ideologie in die Hände spielst, die es auf die Zerstörung freiheitlicher Gesellschaften durch Beseitigung bürgerlicher Machtkonkurrenz, also auf eine Verschiebung des Machtgleichgewichts ganz im Sinne herrschender Eliten anlegt, auf möglichst unipolare Machtverhältnisse, entgeht Dir dabei – natürlich, denn Dein Gehirn landete ja nach einer langen Reise durch Abwassersystem und Klärwerk als düngende Biomasse auf einem Kartoffelacker.

Ein weiteres kleines Beispiel aus jüngster Zeit: Färbe globale Abhör- beziehungsweise Schnüffelaktivitäten und ähnlich totalitäre, polizeistaatliche Aktivitäten schön, indem Du auf eine nie endende, permanente Bedrohung durch sogenannten Terrorismus hinweist. Behaupte einfach, solche Maßnahmen hätten schon viele, viele Terroranschläge verhindert. Etwaige Bitten um Vorlage diesbezüglich aussagekräftigen Beweismaterials lehnst Du unter Verweis auf die „nationale Sicherheit“ einfach ab. Sowas muss eben geheim bleiben. Warum sollte man Bürgern auch Einblick in Strukturen gewähren, die sie mit ihren Steuergeldern finanzieren? Absurd. Als kleines Dankeschön für Dein tiefes Bücken und fleißiges Zuarbeiten wirst Du befördert, beispielsweise zum Regierungs- oder EU-Kommissionsberater, Chefredakteur einer großen Tageszeitung oder – zum Moderator einer Talkshow, wo Du nur mit Leuten sprichst, die genau so denken wie Du. Der Kreis schließt sich.

Zusammenfassung: Sorge dafür, dass unkonventionelles Denken möglichst keine Chance bekommt. Achte darauf, dass Menschen sich nur noch hinter vorgehaltener Hand trauen, ihre Meinung ehrlich auszusprechen. Gib Kindern und Jugendlichen das motivierende Gefühl, sie müssten im Interesse ihrer beruflichen Zukunft – sofern sie eine Tätigkeit in Politik und Medien, also im dummfugindustriellen Komplex anstreben – besser die Schnauze halten und sich fügen, sollten sie jemals aufsteigen wollen. Beklage Dich dann lautstark über den Verfall der Sitten und des geistigen Niveaus unter Jugendlichen, den Du selbst über Jahre hinweg kräftig gefördert und mit zu verantworten hast. Beschwere Dich zum Beispiel über das asoziale Verhalten Heranwachsender, im Rudel über einen Einzelnen herzufallen und frage, ob das nicht ein arg atavistisches Verhalten sei, während Du selbiges Stamm- beziehungsweise Clan- oder Rudelverhalten durch wochen- und monatelanges verbales Dauerprügeln auf Einzelpersonen, die aus der ihnen von Dir und Deinesgleichen gnädigerweise zugebilligten Rolle fallen, mustergültig vorlebst. Dadurch förderst Du außerdem Mitläufer-, Opportunisten- und Duckmäusertum, Rückgrat- und Eierlosigkeit, intellektuelle Feigheit und Mittelmaß, Konformisten- und Heuchlertum. Verleihe, sofern möglich, Preise und Auszeichnungen aller Art nur an systemkonforme Geister oder schanze sie Dir nach dem Vorbild der EU gleich selber zu, beispielsweise, indem Du die entsprechenden Gremien und Jurys mit möglichst vielen Leuten aus den eigenen Reihen besetzt, so wie es manche überregionalen Tageszeitungen machen. Sorge durch die Zermürbungstaktik unermüdlicher Erinnerung ans Dritte Reich selbst bei den lächerlichsten Anlässen wie zum Beispiel geschwenkten Fußballfähnchen dafür, dass die brandgefährlichen totalitären Entwicklungen der Gegenwart möglichst niemandem bewusst werden. Das geistige Becken immer in inzestuösen Kreisbewegungen halten, immer in der Zeitschleife bleiben! Du bist ein ausgezeichneter Fahrer, vergiss das nicht! Stelle als vermeintliche Alternativen zu Kapitalismus und Marktwirtschaft stets nur Sozialismus und Kommunismus vor, damit alles beim Alten bleibt, ganz so, wie von den Machteliten gewünscht: Aufbauen – Zerstören – Aufbauen – Zerstören – Aufbauen... Kurz, trage dafür Sorge, dass der geistig-kulturelle, ideologische Inzest nie endet.

Daher meine abschließende Frage: Warum also sollten wir das Inzestverbot kippen? Sind wir etwa nicht schon gaga genug?


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