08. Mai 2013

FDP-Überläufer Jochen Paulus Keine Alternative für Deutschland

Bitte mal den Karrieristen zur Seite nehmen …

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Was die neue Alternative für Deutschland (AfD) politisch bewirkt, steht in den Sternen. Für die Kultur dieses Landes aber hat die Anti-Euro-Partei bereits etwas Gutes getan, indem sie die gegen Ansichten diesseits des Mainstreams stets gerne benutzte Nazikeule entschärfte. Man hielt offensiv dagegen oder drehte einfach den Spieß um. Parteichef Bernd Lucke machte es erst jüngst wieder bei Plasberg vor, als der WDR den NPD-Pressesprecher einspielen ließ, weil der eine Nähe zwischen AfD und NPD herbeigeredet hatte. Für diese Nazi-Aufwertung, so Lucke, solle sich Plasberg und der WDR schämen.

Versenkt. Man wird Bernd Lucke nie wieder mit einem NPD-Einspieler belästigen.

Immerhin hatte dieser Bernd Lucke auch der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ Interviews gegeben und Mitparteichef Konrad Adam schreibt regelmäßig in dem Blatt, das die politisch korrekte Inquisition wikipediabesiegelt gerne als „umstritten“ oder „rechts“ abtut. Entsprechend darauf angesprochen, rudern Lucke oder Adam nun allerdings nicht kleinlaut zurück, sondern sagen was ist: Die „Junge Freiheit“ sei eine konservative Zeitung, bei der sie „mit Exbundespräsident Roman Herzog, SPD-Ikone Egon Bahr und vielen anderen in bester Gesellschaft“ seien. Und im übrigen sei Wikipedia „ein linkes Denunziantenstadl“.

Zwei Interviews dieser Art, dann wurde auch diese zur Werbung für die „Junge Feiheit“ umgelenkte Keule wieder eingepackt.

Nun hat die junge Partei in Jochen Paulus ihren ersten Landtagsabgeordneten, einen Überläufer, der von der FDP nicht mehr aufgestellt wurde und wohl nicht zuletzt deshalb bei der AfD anheuerte. Leider hatte ihm dort niemand erklärt, wie es geht.

Und so machte Paulus im Interview bei n-tv brav das Männchen, obwohl er nicht einmal danach gefragt wurde. Sondern nur: „Viele warnen davor, die AfD habe eine große Anziehungskraft auf das rechte Wählerspektrum.“ Das, antwortete Paulus, „ist nicht der Fall, es sind ja alles honorige Leute in der AfD, die einen gewissen beruflichen Hintergrund haben und mitten im Leben stehen. Pauschal kann ich das also nicht bestätigen. Gestern hat mich die ‚Junge Freiheit’ angerufen, weil sie ein Interview mit mir machen wollte. Das habe ich natürlich abgelehnt.“

Ungelenker kann man seiner Parteiführung nicht in den Rücken fallen. Wie gut trifft es sich da, dass die Listenaufstellung der AfD für den hessischen Landtag erst noch ansteht. Wäre doch nur konsequent, wenn die etwas andere neue Partei nicht wie die Etablierten einen Kandidaten aufgrund mangelnder politischer Korrektheit fallen lässt, sondern gerade umgekehrt wegen Dummheit und Arschkriecherei.


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