23. April 2013

Parteischelte à la Systempresse Lustiges aus der Welt der Massenlobotomedien

Darauf eine Lederhose!

Während man sich in den alternativen Medien momentan darüber streitet, was von der AfD, der Alternative für Deutschland, nun wirklich zu halten sei, lassen die Systemblätter keinen Zweifel an ihrem Führungsanspruch Richtung hochqualitatives Arbeiter- und Leserparadies. Manche Vorwürfe sind so atemberaubend – atemberaubend chromosomengeschädigt –, dass man sich fragen muss, ob die entsprechenden Verlagshäuser auch nur das geringste Interesse daran haben, den Ruf des deutschen Mainstreamjournalismus wieder aus dem Grundwasser zu fischen, in dem er schon seit geraumer Zeit eine melancholische Existenz als Wasserleiche fristet. Geschweige denn etwas gegen ihre sinkenden Auflagen zu unternehmen. So wie es aussieht, wohl eher nicht. Der Wunsch nach Qualitätsminderung scheint alternativlos zu sein.

Statt auf die heutzutage sicher sehr unkonventionelle und nur noch selten aufblitzende Idee zu kommen, sachliche Kritik vorzubringen, die hinsichtlich des Parteiprogramms der AfD punktuell durchaus angebracht wäre, regnet es tote Hirne vom Himmel des Hauptsumpf-Establishments (ist man erstmal etabliert, wird das Denken aussortiert). Über die „Bild dir unsere Meinung“-Schimpf- und Systempimpf-Kanonaden dürfte sich wohl niemand mehr gewundert haben: „Wer wählt die Euro-Hasser?“, fragte Al Kai Da. Danke, genügt schon. Sowas liegt ja sogar unter der Wahrnehmungsschwelle von Sauerrahm. Sicherheitshalber sei AfD-Unterstützern hiermit empfohlen, sich von Mailboxen fernzuhalten.

Die Chefin des Allensbach-Instituts für Demoskopie, Prof. Renate Köcher, über die Abschaffung des Rubel als gemeinsamer Währung in der staatstreuen „FAZ“: „Für politisch Desinteressierte ist das eher vorstellbar als für politisch Interessierte“, so Köcher. „Potentielle AfD-Wähler sind weniger gebildet! 51 Prozent haben Volks- beziehungsweise Hauptschulabschluss (Durchschnitt: 39 Prozent), nur elf Prozent verfügen über ein abgeschlossenes Studium beziehungsweise Abitur (der Durchschnitt liegt bei rund 25 Prozent)“ – laut „Bild dir Schäubles Meinung“. Ja Momentchen, seit wann sind Abitur und Studium eindeutiger Nachweis überlegener geistiger Spannkräfte? Legt eine Lektüre des Gros der systemisch-sämigen Artikel zur „Euro-Krise“ und zur Zerrettungs-Politik doch eher das Gegenteil nahe; mithin die Frage, ob es sich bei den Abschlussarbeiten mancher kanzleramtlich bereinigten Pro-Euro-Hofschreiberlinge nicht doch eher um Plagiate handelte oder die Abschlüsse der Journalistenschule in einer Tombola verlost wurden.

Politisch Desinteressierte GEGEN den Euro? So stellt man das Problem vom Kopf auf die Füße, die turbulente Euro-Welt völlig auf den Kopf. Wären viel mehr Bürger politisch (und historisch!!) interessiert, hätte es nicht nur den Euro nie gegeben, sondern bereits das eine oder andere aufsehenerregende Gerichtsverfahren gegen seine Retter.

Außerdem griff man wenig überraschend auf das letzte verbleibende Mittel zurück, die einzig mögliche Waffe im Kampf gegen die eigene geistige Leere, die gleichgeschaltete Wadenbeißer-Vokabel schlechthin: Der „Zerrspiegel“ enthüllte eine mögliche Unterwanderung der AfD durch NPDler. Ihr Witzbolde. Also erstens lautet die journalistische Maxime des „Zerrspiegel“ bekanntlich: „Wenn's mal wieder länger dauert – schnapp dir'n Rechtsextremisten“. Rechts von links gibt's nur Nazis, jaja, wussten wir schon. Soviel zum Bildungsniveau derjenigen, die selbst heute noch eine Sitzordnung im Reichstag mit politischer Ausrichtung verwechseln. Wenn die sich doch endlich mal politisch interessieren würden. Zweitens überrascht es mich so sehr wie neue Rettungspakete, dass man versucht, der AfD über die NPD, also den Verfassungsschutz, Nazischmutz an die Backe zu schmieren. Soll das irgendwie originell sein?

„Deutschlandfahne, Deutschland-Schärpe, Lederhosen. Die ‚Alternative für Deutschland‘ fischt am rechten Rand“, so der „Focus“. Auch die „FAZ“ präsentierte zu den ersten Wahlerfolgen der AfD sogleich ein bezüglich ihrer politischen Unabhängigkeit verdächtig aussagekräftiges Foto auf der ersten Seite, das einen ausgemergelt und müde wirkenden älteren Herrn mit Deutschland-Schärpe zeigte. Die unterdurchschnittlich intelligent versteckte Botschaft: Nationalist und Souveränitist, wahlweise Volks-, Haupt-, Real- oder Sonderschüler, FC-Bayern-Fan, Sohn eines Lederhosenfabrikanten, vermutlich auch Dönerhasser, Hitler-Devotionalien in einer Truhe auf dem Dachboden versteckend und um einen neuen Führer von innen bittend, liebt seine Heimat mehr als den internationalsozialistischen Euro-Zug ins wirtschaftliche Nirgendwo. Sowas lernt man heute im Abiturscherzstudium.

Aber wo bleibt nun die sachliche Auseinandersetzung? Keine Lust? Lieber eine Münze in die rechtspopulistische Jukebox werfen? Ein führendes Mitglied der Partei lag in diesem Punkt gar nicht so falsch: Als „populistisch“ bezeichnet zu werden, empfinde man in der AfD als Auszeichnung. Tut mir leid, das geht mir nicht weit genug. Von den liniengetrimmten Gleichstrom-Energiesparschlampen in der westerweiterten Volkskammer und ihren Schreib-, Funk- und Sendemätressen als „Populist“ bezeichnet zu werden, ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern förmlich ein Ritterschlag. Solche Leute sollte man eigentlich mit „Sir“ anreden.

Doch zurück zu den Programmpunkten der AfD. So möchte sie zum Beispiel weniger staatlichen Einfluss in der Kindererziehung. Bestens! Je weniger, desto besser. „Frühkindliche Sexualerziehung“ zum Beispiel und andere längst überwunden geglaubte, perverse, kranke  Menschenexperimente haben an Schulen nichts verloren und gehören sofort und vollumfänglich abgeschafft. Man sollte Bürgern im Rahmen ihrer individuellen sexuellen Entwicklung schon selbst überlassen, wen sie pimpern wollen. Die AfD wünscht sich auch eine klügere Einwanderungspolitik. Jederzeit, nur her damit. Die Zeiten, in denen wahllos jedes beliebige kulturbereichernde, Schweinedeutsche ins Koma prügelnde Opfer sozioökonomisch-feuilletonistisch nie genug differenzierter Umstände ins Land gelassen wird, wären dann hoffentlich vorbei (He, Fischers Krauss fischt rechte Fische!). Keine Sorge: Lederhosen trage ich aber noch nicht.

Was die Finanz-, Wirtschafts- und Euro-Politik angeht, gäbe es aus meiner Sicht allerdings einiges zu kritisieren. In Kurzform: Hier ist mir die AfD leider immer noch so etatistisch, dass sie meine Stimme nicht bekäme. Auch die EU-Politik dünkt mich seltsam: Man möchte Brüssel verschlanken und reformieren. Und wenn das nicht klappt wie gewünscht? Kein Problem: Es gilt, zahlreiche parlamentarische Kontrollkomissionen zur Überwachung der richtigen Umsetzung  der Gesetzesvorschläge zur Einhaltung der Richtlinie über die Verschlankung und Reformierung bürokratischer Organisationsstrukturen auf Brüsseler Ebene ins Leben zu rufen. Ich habe die Befürchtung, dass es so nie funktionieren wird. Es läuft auf die alte Frage hinaus, wer denn die Kontrolleure kontrolliert. Hier gilt analog zur Kindeserziehung: Je weniger zentralistische Strukturen, desto besser. Am besten gar keine, aber das wird wohl vorerst eine Wunschvorstellung bleiben. Außerdem ist die Idee auch deshalb unrealistisch, da diejenigen, die sich die ganze Chose ausgedacht haben – und die heißen eben nicht Kohl, Genscher oder Schmidt, das waren nur Vortänzer –, ein „nein“ als Antwort nicht akzeptieren werden.

Wie auch immer man persönlich zur AfD stehen will – sich wegen der Aktuellen Kamera, der „Lausitzer Rundschau“ oder des „Neuen Deutschland“ einen unheilbaren Zwerchfellriss zuzuziehen, wünscht man selbst seinem ärgsten Feind nicht.


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