28. März 2013

Die Medien, Wikipedia und die Alternative für Deutschland Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen

Die große Chance auf einen besseren Umgang miteinander

Unseren letzte Betrachtung der neuen Anti-Euro-Partei schlossen wir mit der Überlegung, dass das große Verdienst der Alternative für Deutschland am Ende diesseits der Euro-Frage im kulturellen Bereich liegen könnte, namentlich „im besseren Umgang miteinander“.

Denn da ist einiges im Argen. Etwa wenn die junge liberal-konservative Partei von einer so mächtigen wie gut vernetzten Clique von professionellen Denunzianten nun systematisch in die rechte Ecke geschrieben wird. Als da wären die bekannten Vorposten im Mainstream wie Patrick Gensing von der Tageschau-Redaktion oder Philipp Wittrock im „Spiegel“. Solche Herren schmücken ihre Schmähartikel gerne mit „Expertisen“ befreundeter „Wissenschaftler“, deren – wie der Schriftsteller Michal Klonovsky es so treffend ausdrückte – „wesentliche wissenschaftliche Leistung darin besteht, zu zitieren und das Zitierte dann ganz schlimm zu finden.“ Zumeist handelt es sich hier um Soziologen und Politologen wie Alexander Häusler und Karin Priester oder um „Historiker“ wie Wolfgang Wippermann. Des weiteren ist das Netz verknüpft mit zuweilen anonym agierenden Bloggern auf zweifelhaften Seiten wie Indymedia, Publikative oder Bub gegen Rechtsextreme sowie nicht zuletzt mit der nur noch anonym tätigen Denunziantenschar im Bereich Politik der Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

Für viele aufrechte Libertäre, Konservative und Liberale ist es eine überraschende, ja verstörende Erfahrung, hier plötzlich auf Menschen zu stoßen, die nicht selbst schaffen und aufbauen wollen, sondern deren Streben alleine die Beschädigung und Zerstörung des Werks von Anderen ist. Minus-Charaktere, Neid-Gesteuerte, Denunzianten – nicht nur sprichwörtlich oft Tag und Nacht (dabei womöglich vom produktiven Steuerzahler und potenziellen Opfer selbst bezahlt) im Einsatz gegen den Andersdenkenden, den sie zu vernichten trachten.

Alle Teile des mächtigen Hasser-Netzes waren gegen die Alternative für Deutschland bereits im Einsatz, besonders eindrucksvoll ist der Wikipedia-Eintrag. Es sind immer dieselben, die unter Pseudonymen wie „Fiona Baine“, „Bürgerlicher Humanist“ und „Fröhlicher Türke“ in den letzten Monaten auch die vermeintlichen „Lexikon“-Einträge über den bereits erwähnten Schriftsteller Michael Klonovsky sowie der libertären Zeitschrift eigentümlich frei bis zur Unkenntlichkeit auf links gebürstet haben. Im Falle der Alternative für Deutschland wollten sie besonders clever sein und versuchten zunächst, die Erwähnung – „weil nicht relevant“ – komplett zu löschen. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Partei längst im Fernsehen ein- und ausging. Mit dem Fremdschweigegelübde, und das ist bemerkenswert, konnte sich die erfolgsverwöhnte Bande nicht durchsetzen – ihre erste Niederlage, ein Menetekel? Früher Vorbote eines kulturellen Umschwungs?

Sie haben den AfD-„Lexikon“-Eintrag, den sie nun nicht verhindern konnten, dann wieder bis ins Groteske frisiert. Da wird etwa die „Vermutung“ (sic!) des journalistischen Ausnahme-Talents Jakob Augstein, der selbst nach Einschätzung nicht nur von Kollege Henryk M. Broder übrigens ein lupenreiner Antisemit ist, zur enzyklopädisch relevanten Anklage gegen die Alternative für Deutschland ohne die Spur jeden Belegs: „Als nächstes geht es gegen den Islam, die Klimaforschung, den Feminismus und die Schwulen – das ganze Programm der modernen Rechtspopulisten.”

Natürlich verraten solche lustigen lexikalischen Hinweise wie auch manche Artikel auf Spiegel-Online oder Tagesschau.de mehr über den Charakter und das Umfeld ihrer Autoren als über den Gegenstand der Betrachtung. Natürlich schaden solche karnevalistischen Notizen am Ende nur Wikipedia selbst.

Und genau hier liegt die große Chance des weiteren Aufstiegs der Alternative für Deutschland. Ob Tagesschau, „Spiegel“ oder Wikipedia – sie alle riskieren nicht weniger als den letzten Rest ihrer Glaubwürdigkeit. Können Sie sich notorische Denunzianten und umstrittene Autoren wie Patrick Gensing oder Philipp Wittrock wirklich noch leisten, wenn irgendwann Hunderttausende ihrer Zuschauer und Leser mit deren Opfern sympathisieren? Und werden bald womöglich gar Freunde der Alternative für Deutschland unter den vielen seriösen Wikipedia-Autoren in den anderen Bereichen wie Biologie, Physik oder Geographie zu finden sein, die dann endlich erkennen, dass eine kleine und gut vernetzte radikale Clique auf den Feldern der politischen Einträge den einst guten Ruf der gesamten Wikipedia zerstört?

Insofern böte die zum Massenphänomen anwachsende Alternative für Deutschland tatsächlich eine Chance auf Frischluft diesseits jeder Euro-Frage. Wenn – und das ist allerdings die Bedingung – sie denn nur Manns genug ist, sich nicht einschüchtern zu lassen. Oder Dame genug. Denn konkret sind es Dagmar Metzger und Frauke Petry in der Führungsriege der AfD, die den Pressebereich und also auch die besonders erfolgreiche Facebook-Seite der neuen Partei zu verantworten haben. Und die hier tatsächlich bislang große Stärke und Rückgrat beweisen. Gestern zum Beispiel verlinkten sie wie selbstverständlich eine schöne Karikatur – erschienen in der „Jungen Freiheit“. Natürlich gingen sofort warnende und vermeintlich gut gemeinte Hinweise (tatsächlich aus dem Netzwerk kommend?) ein, doch „mit so etwas vorsichtig“ zu sein. Einer verwies auf den Wikipedia-Eintrag über die „umstrittene Zeitung“. Die Alternative für Deutschland antwortete ganz offiziell mit zwei kurzen, klaren Hinweisen. Erstens: „Die Junge Freiheit ist eine konservative Wochenzeitung.“ Zweitens: „Wikipedia ist ein linkes Denunziantenstadl.“

Offenbar haben zumindest die beiden Damen in der Parteiführung das große Spiel durchschaut. Hätten Sie klein beigegeben, die Karikatur umständlich gerechtfertigt oder gar zurückgezogen, so stünde der Vorfall heute auf den Internetseiten von Tageschau und „Spiegel“ ganz oben zu lesen: „Skandal im Sperrbezirk!“ So aber schweigt die Denunzianten-Bande verunsichert. Eine Kleinigkeit, sicher. Vorbotin einer kulturellen Wende?


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