22. März 2013

Faszinosum Bernd Lucke Von einem, den sie nicht zu bändigen wissen

Der Gründer der Alternative für Deutschland macht bislang alles richtig

Erst ZDF-Illner, dann ARD-Will. Zweimal nun schon durfte Bernd Lucke für seine noch gar nicht richtig gegründete Alternative für Deutschland in die Talkzirkusmanege steigen. Der eine oder andere wollte ihn dort vorgeführt und dressiert wieder raushumpeln sehen. Nichts dergleichen ist geschehen. Schon nach den beiden ersten Auftritten zeichnet sich ab: Diesen „Flegel“ bekommen die öffentlich-rechtlichen Dompteure und politisch-korrekten Rittmeister so schnell nicht in den Griff.

Faszinosum Lucke: Ruhig erklärt er schwierige Sachverhalte, dabei lächelt er stets jugendlich-sympathisch, keinesfalls altklug-überheblich. Weder fällt er anderen ins Wort, noch wird er je laut. Bernd Lucke verkörpert von Kopf bis Fuß gute Manieren und das Gegenteil eines Volkstribuns. Italienischen Pizzabäcker mögen Beppo Grillo, das deutsche Bürgertum aber hat nun die ihm angemessene Version: Professor Lucke, seelenruhig sitzt er auf dem Talkshowsessel und erklärt, was sein Anliegen ist. Wie kann man „so einem“, was doch so viele gerne tun würden, ernsthaft „Rechtspopulismus“ vorwerfen?

Lucke ähnelt ja gerade nicht dem überlauten Italiener Grillo oder dem charismatischen Briten Nigel Farage, von Haider und Le Pen ganz zu schweigen. Vielmehr scheint er wesensverwandt mit seinem deutschen Kollegen Frank Schäffler, dem einsamen Euro-Fighter in der FDP – ebenfalls Typ „Muttis Liebling“. Mit dem Unterschied nur, dass „Mises and Hayek“ teuer und edel die Brust von Frank Schäffler zieren, während Lucke „Sinn & Laffer’s“ trägt. Was aber völlig ausreicht, wenn der europhile Gegner längst nackert dasitzt.

Illner etwa hatte die Meistermatadore Lafontaine und Brüderle aufgeboten, Will ließ Routinier Stoiber und den grünen Spitzenkandidaten Trittin antanzen. Alle vier scheiterten. Lafontaine und Trittin mit Umarmungsversuchen, Brüderle und Stoiber angriffig mit der perfiden Methode „Ach, Herr Professor….“. Der aber geht auf solche Unverschämtheiten einfach nicht ein. Dumm gelaufen – wenn dann am Ende nicht der lächelnde „Herr Professor“ beschädigt rausgeht, sondern Brüderle und Stoiber als Kläffer ohne Anstand entlarvt wurden. Nebenbei: Auch „Professor Kichhof“ hätte einst nach ähnlichen Anwürfen nur gewinnen können, wenn Merkel ihn damals ernsthaft verteidigt statt im Regen stehen gelassen hätte. Auch die das nicht vergessen haben, laufen jetzt Lucke und seiner Alternative zu.

Jürgen Trittin und Edmund Stoiber versuchten sich zuletzt an Bernd Lucke, sie verdienen eine nähere Betrachtung. Trittin strebt nämlich gerade dem Höhepunkt seiner politischen Karriere entgegen, die ihn vom kommunistischen Kader in Göttingen über gute internationale Kontakte in Davos bis an die Spitze des deutschen Finanz- oder Außenministeriums führen soll. Jetzt ja keinen Fehler machen, sagte er sich und vermied es deshalb, „den Neuen“ anzugreifen. Ungewöhnlich ehrlich ließ Trittin sogar durchblicken, die Krise zur Schließung von Steueroasen in Zypern und Irland nutzen zu wollen, um Steuersätze endlich nach oben angleichen zu können. Maximale Ausbeutung will er, und da ist sich Jürgen Trittin immer treu geblieben.

Im übrigen schien er links bereits staatsmännisch über dem Fernsehsessel zu schweben, auf den es Stoiber rechts auch nicht mehr hielt. Aus gänzlich anderen Gründen. Der ehemalige bayrische Ministerpräsident hatte offenbar Pippi in der Hose, so sehr muss die Union die Alternative für Deutschland fürchten. Also mimte Ede den Wutbürger und verwies wie kürzlich SPD-Kollege Martin Schulz in der „FAZ“ mahnend auf den ZDF-Schulfunkstreifen „Unsere Mütter, unsere Väter“ – denn wer gegen den Euro ist, der erschießt auch bald wieder kleine Kinder. Bei solchen „Argumenten“ durfte Bernd Lucke ruhig lächeln. Bereits bei der Auftaktveranstaltung in Oberursel hatte sein neuer Parteifreund Alexander Gauland das Passende geantwortet: „Als Konrad Adenauer nach Athen reiste, brauchte er 500 Polizisten, Frau Merkel benötigt 7.000. Obwohl Adenauer viel dichter am Krieg dran war, wurde er nicht mit Hakenkreuzen begrüßt. Nicht nur die Griechen haben heute Angst vor deutscher Hegemonie und Hass auf die deutsche Politik. Europa rückt immer weiter auseinander, weil der Euro politisch nicht funktioniert.“

Übrigens: Wie sein neuer Freund und Ideengeber Schulz arbeitet Stoiber, wenn er gerade nicht als Sparkassenvertreter aushilft, inzwischen in Brüssel und leitet dort eine „Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau“ in der EU. Eine echte Herausforderung, vergleichbar mit dem Job des Kaninchenpsychologen, der den Hasenartigen im Freigehege katholische Sexualmoral lehren möchte.

Bernd Lucke darf also entspannt den nächsten Auftritten entgegensehen. Sicher, es werden andere kommen und die Angriffe dürften auch mal härter werden. Einen „rechten Wolf im Schafspelz“ wird man ihn dann sicher taufen wollen, die Tagesschau hat es bereits vorgemacht. Auch und gerade dann sollte Lucke nicht lamentieren oder ausweichen, sondern offensiv dagegenhalten: Es sind die Tugendwächter der Political Correctness selbst, die den Blockwarten und Kommissaren der totalitären Vergangenheit weit mehr ähneln als die Sarrazins, Brüderles und Martensteins, denen sie das gerne vorwerfen. Anders gesagt: Martin Schulz oder Claudia Roth haben mit Goebbels und Freisler keine Ähnlichkeit. Bernd Lucke noch viel weniger.

Sollte das bei alledem klar werden, hat die Alternative für Deutschland diesseits jeder Euro-Frage viel erreicht. Und sei es nur im besseren Umgang miteinander.

Mehr über die Alternative für Deutschland

Weiter und ausführlichere Informationen über die neue Alternative für Deutschland finden Sie in der am 25. März erscheinenden April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 131


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