15. März 2013

Alternative für Deutschland Jetzt hat die FDP ein kleines Problem

Wenn das Argument „mangels Alternative“ plötzlich entfällt…

Ein Freund und FDP-Mitglied winkte nur ab und sprach etwas genervt vom „Witz einer Partei“ und ihrem sicher „kommenden Desaster“. Er meinte damit, weil ich ihn um eine Einschätzung bat, die Alternative für Deutschland, also die neue Partei um den VWL-Professor Bernd Lucke.

Mein Freund sollte lieber an seine eigene Partei denken. Denn unabhängig davon, wie man die vielbeachtete Anti-Euro-Partei inhaltlich und ihre Chancen auf den Einzug in den Bundestag im September nun genau bewertet – streitbare Analysen dazu werden Schwerpunktthema der am 25. März erscheinenden April-Ausgabe, eigentümlich frei Nr. 131, sein –: Vor allem die FDP hat jetzt ein Problem.

Das meint auch die liberale Publizistin Cora Stephan, die heute in der „Welt“ die neue Partei feiert – und das ist nicht der erste Artikel solcher Art in der bürgerlichen Mainstream-Presse: „Nicht auszuschließen, dass die Neuen der FDP den Todesstoß versetzen“, orakelt Stephan.

Nicht, dass aktuelle Umfragen um vier Prozent die blau-gelbe Partei ängstigen müssten. Da hat sie schon Schlimmeres er- und überlebt. Die letzten Landtagswahlen haben wieder einmal gezeigt, dass die Stammwähler am Wahltag „mangels Alternative“ doch immer noch mal beide Augenklappen zugedrückt haben. Auch für den September war erfahrenen Beobachtern klar, dass es am Ende wie immer reichen würde, abgrundtiefe Enttäuschung über die sozialdemokratische Regierungspolitik unter Schwarz-Gelb und Wählerbetrug – „mehr netto“, von wegen! – hin oder her. Klar, es würden keine 15 Prozent mehr werden wie 2009, dazu hat die FDP zu viele zu sehr enttäuscht. Aber für sieben oder acht Prozent würde es auch im Herbst mal wieder reichen.

Wenn da nun nicht diese Alternative wäre, die es „für Deutschland“ sein möchte und vielleicht werden könnte, für FDP-Wähler aber sicher jetzt ist. Nicht einfach eine neue Partei also, wie es viele gab, sondern eine, die von den Mainstream-Medien schon vor dem Gründungsparteitag mehr als nur beachtet wird (warum auch immer, auch dazu mehr bald im Heft). Plötzlich hat Deutschland eine neue Protestpartei – die in aller Munde ist. Das gab es vergleichbar zuletzt nur bei den Piraten.

Und dieses Beispiel sollte sich die FDP genauer ansehen. Denn die Piraten haben vor allem im „linken Lager“ Wähler gefischt, so wie die Alternative für Deutschland das im „bürgerlichen Lager“ tun wird.

Ergebnis war, dass eine andere linke Partei (Die Linke) im Westen reihenweise aus dem Parlament flog. Und das völlig unabhängig davon, ob die Piraten selbst noch über fünf Prozent landeten (NRW, Schleswig-Holstein) oder bereits unter fünf Prozent badeten (Niedersachsen). Wohlgemerkt: In Niedersachsen reichten 2,1 Prozent alternative Stimmen für die Piraten (die den Anti-Euro-Protest leichtfertig anderen überlassen haben, womit sie und einige linke Strategen im Hintergrund sich völlig verkalkuliert haben könnten) aus, die etablierten Linken von 7,1 auf 3,1 aus dem Parlament stürzen zu lassen.

Das kommende „Desaster des Witzes einer Partei“ könnte also vorgezeichnet sein, unabhängig vom Ergebnis und weiteren Weg der neuen Anti-Euro-Truppe.

Es träfe nicht die falschen. Oder mit den schlauen Worten von Cora Stephan über die vermeintlich liberale Partei: „Die großen Themen, die liberale Stimmen brauchen, zu denen neben der Euro-Krise auch das Energiewende-Chaos gehört, hat sie anderen überlassen – zum Beispiel der neuen Partei, die sich schon deshalb als Alternative anpreist. Wie nennt man das noch, wenn jemand aus Angst vor dem Tod Selbstmord begeht?“

Die Antwort hat womöglich nur drei Buchstaben.


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