21. Januar 2013

Auslandseinsätze der Bundeswehr Motivationsmängel oder Engelsgeduld?

Gold, Uran, Öl und Gas machen auch al-Qaida Spaß. Nur nicht unserer Bundeswehr, findet Thomas de Maizière

Verteidigungsminister Thomas de Maizière befindet sich in einer Zwickmühle. Niemand sollte glauben, er wüsste nicht genauestens Bescheid über die wahren Hintergründe des Einsatzes in Mali, die momentan immer deutlicher hervortreten beziehungsweise an die Öffentlichkeit gelangen. So berichteten auch die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ in einem Artikel vom 21. Januar über die dortigen verdeckten Operationen des US-Militärs seit 2009. Einerseits dürfte es ziemlich unwahrscheinlich sein, dass Maizière in seiner Funktion als Verteidigungsminister eines Bündnispartners und NATO-Mitglieds offen darüber spricht; er muss den Einsatz irgendwie rechtfertigen und den von ihm Kommandierten schmackhaft machen; würde er sich offen dagegen stellen oder es gar wagen, den hemmungslosen US-Interventionismus scharf zu kritisieren, wäre er seinen Job höchstwahrscheinlich bald los. Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb er sich unlängst gegen eine Ausweitung der Bundeswehrbeteiligung aussprach – Versuch einer „Schadensbegrenzung“ mit Blick auf die Untergebenen? Andererseits aber beklagte er eine mangelhafte Motivation der Truppe, im Ausland die von schwerstkriminellen Elementen innerhalb weiß übertünchter Regierungshäuser, von Dickschädeln pentagonalen Formats und anderen offensichtlich Unbelehrbaren um den halben Globus geschmierte Notdurft aufzuwischen. Aber kann man ihnen die Unlust wirklich verdenken? Ist die Bundeswehr doch eigentlich eine Armee, die der Verteidigung dienen soll, mithin der Bewahrung oder dem Wiederherstellen des Friedens – nicht der mutwilligen Zerstörung desselben, indem sie Agenten aus US-Regierungs- und Militärkreisen hinterherputzt, die in fremden Ländern demokratisch gewählte Regierungen zerhauen. Um dort Autobahnen für al-CIAda zu bauen, auch bekannt als Sondereinsatztruppe „Nützliche Idioten“, die von der Liga der außergewöhnlich aggressiven Gentlemen zur Durchsetzung von Herrschaftsansprüchen von einem geopolitisch angeschielten Land zum nächsten verschickt und willig verheizt wird.

Sie seien ein bisschen verweichlicht, findet der Herr Minister, was denn mit der „Abenteuerlust“ geschehen sei, fragt er und wünscht sich „mehr Interesse für das Unbekannte“. Dabei besteht das Problem doch gerade darin, dass dieses Unbekannte sich bei näherer Betrachtung als ganz altbekanntes, klebrig imperialistisches Zeug herausstellt. Entgegen den weithin verbreiteten Vorurteilen und Scherzchen vom dumpfen Soldaten gibt es in der Bundeswehr durchaus helle Köpfe, die entweder sehr gut Bescheid wissen oder zumindest ahnen, wofür sie da ihren Kopf hinhalten, Leib und Leben riskieren sollen. Es dürfte ihnen zum Beispiel nicht entgangen sein, dass nach der Invasion Afghanistans durch die Guten die Opiumproduktion von vormals circa zehn bis 15 Prozent in kurzer Zeit wieder stattliche Höhen erklomm. 90 Prozent des weltweiten Heroins stammen aus dem Land, in dem man seit Jahren deutsche Sicherheitsinteressen aufzufinden sich verzweifelt bemüht. Mit einem Teil der von hilfsbereiten Großbanken gewaschenen Erlöse aus dem Drogenhandel finanziert und organisiert die Terrororganisation CIA, „Central Insurgency Agency“, seit Jahrzehnten um Unruhestiftung, Herstellung chaotischer Zustände, Putsche und politische Morde in aller Herren Länder bemüht, neue Unruhe, Chaos, Putsche oder politische Morde.

Sie wissen von ihren amerikanischen und übrigens auch deutschen Kollegen, die manchmal mit schweren psychischen Problemen heimkehren, von der dadurch verursachten Belastung für Angehörige und Familien. Sie wissen auch um die dramatisch gestiegene Selbstmordrate unter US-Kriegsheimkehrern aus dem Irak.

Das Problem vieler deutscher Soldaten dürfte also wohl eher nicht ihre „Verweichlichung“ sein, ihre mangelnde Lust an verlogenen Feldzügen, an scheinheiligen „Befreiungskriegen“, die man etwas realistischer als Eroberungs- und Beutekriege bezeichnen sollte. Könnte es sein, dass sie keine Lust haben, dreckige Stellvertreterkriege zu führen, nur weil den Verursachern des ganzen Schlamassels bald erneut der Staatsbankrott droht, diese sich deshalb erst einmal bedeckt halten, nachdem sie verdeckt die Suppe kräftig pfefferten? Hatte doch ein US-Zögling den demokratisch gewählten Präsidenten Malis verscheucht; auch die eine oder andere Spezialeinheit war monatelang im Einsatz, um die dortigen Quellen des internationalen Terrorismus auszutrocknen, die daraufhin paradoxerweise aber nicht verstaubten, sondern erst recht fröhlich sprudelten. Komischer Zufall. Möglich auch, dass man in den Kasernen hin und wieder Aufnahmen von frikassierten Leibern sieht, so wie ich sie gestern auf Youtube in einem Video aus dem Syrienkonflikt bewundern durfte: Einem Soldaten war der Unterleib weggesprengt worden, der dann ein paar Meter neben dem Oberkörper einen doch etwas ratlosen Eindruck machte. Kann vorkommen im Krieg.

Kurz und gut, haben Teile der Bundeswehr etwa keine Lust, ihr Leben zu riskieren für die strunzdummen Lügen, die mühelos jeden Stand-Up-Comedypreis abräumende Agitation und Propaganda ihrer aus welchen Gründen auch immer sogenannten Eliten in Politik und in Teilen der Presse, die den Einsatz lautstark bejubelten – von einem sicheren Redaktionsstübchen aus? Kann man es ihnen verübeln, wenn sie solches feige Schwätzertum widerlich finden? Gehen sie womöglich ab und zu ins Internet, um dort mit Hintergrundinformationen über die Kriegseinsätze der letzten elf Jahre konfrontiert zu werden, mit deren Hilfe sie die Welt dann so gut gerade zu biegen versuchen, wie es nach ihrer vorherigen Verkrümmung und Verzerrung, Entstellung und Einschrumpfung durch die offiziöse, demokratisch-solidarische Märchenbuchpoesie irgend geht? Können sie eventuell auch das Maulheldentum diverser Politikerdarsteller mit Wackelpuddingrückgrat, die für eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes plädieren, nicht mehr ertragen?

Derer viele nämlich mutig genug sind, von anderen Menschen solche Einsatz- und Opferbereitschaft zu fordern und mehr Motivation zum Schutze „deutscher Sicherheitsinteressen“ und wichtiger Energiequellen zu verlangen; ironischerweise handelt es sich dabei übrigens um dieselben tollkühnen Helden, die in ihren fliegenden Debatten nicht genug Eier hatten, sich Volksplünderungsgesetzen wie dem ESM und anderen verheerenden technokratisch-totalitären Frankensteinmonstern in den Weg zu stellen. Nicht nur also, dass die Soldaten supermächtige Inkontinenz aufwischen sollen und sich dafür womöglich ein paar physische und psychische Macken holen – sie sollen nach ihrer Rückkehr dann auch noch europolitische Windeln wechseln und kräftig draufzahlen dafür, dass man sie über den Tisch zog. Ob all das ihnen irgendwann zuviel wird?

Mangelnde Abenteuerlust? Ich bewundere eher die Engelsgeduld unserer Streitkräfte. Womit nicht nur die Bundeswehr gemeint war.

Link

„Deutsche Wirtschafts-Nachrichten“: de Maizière beklagt mangelnde Abenteuerlust deutscher Soldaten


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