André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Wikipedia und überhaupt, vorerst mal abschließend: Ein Herz für Linke

von André F. Lichtschlag

Barmherziges Grüßchen in der beginnenden Vorweihnachtszeit

27. November 2012

Die Biologen sind schon ein verrücktes Völkchen. Einen Apfel zum Beispiel definierten sie lange als Kernobstgewächs an Bäumen und Sträuchern. Dann sagten plötzlich einige von ihnen, eine bestimmte Bananensorte müsse fortan auch zu den Äpfeln zählen. Schließlich seien manche Äpfel ja auch gelb. „Aber“, sagten der Bananenplantagenfarmer und seine Kunden als Bananenliebhaber, „das passt doch gar nicht!“. Äpfel seien auch geschmacklich ganz anders definiert. Also schrieben die Biologen ihre Definition für den Apfel um. Jetzt heißt es: „Manche Äpfel sind Kernobstgewächse an Bäumen oder Sträuchern. Andere haben keine Kerne und wachsen an Stauden.“

Tatsächlich geht es natürlich nicht um die Biologie, dort macht man so etwas nicht. Gemeint ist das seltsame Gewächs der Sozio- und Politologen beziehungsweise dessen Fußvolk in den Strukturen einer Internetenzyklopädie. Doch zunächst der gespielte Witz: Worin unterscheiden sich gewöhnliche Sozio- und Politologen von ihren anonymen Imitaten im Wikipedia-Einsatz? Die ersten schreiben von ihrem Beobachtungsobjekt ab und finden dessen Aussagen böseböse. Die zweiten schreiben von den ersten ab und finden das Beobachtungsobjekt dreimalböse (und das Abschreiben und bösebösefinden „enzyklopädisch relevant“). Dieses Eiapopeia könnte psychologisch erklären, warum gerade gebaute Sozio- und Politologen am Ende dann doch lieber Taxifahrer werden. Oder Herausgeber kleiner Zeitschriften, in denen es keine Fußnoten, dafür aber eigene Gedanken zu lesen gibt…

Zurück zu Äpfeln und Bananen. Auf der Wikifarm hatte man also die libertäre (oder konservativ-libertäre) Zeitschrift eigentümlich frei der Gattung der Neuen Rechten zugeordnet. Die aber, so las der Nichtsoziopolitologe überrascht weiter, strebten einen völkischen Nationalismus an. Die Banane war aber nun mal kein Apfel und vertrat recht eigentlich das genaue Gegenteil. Was also tun, sprachen Sozio- und Politologen zu sich selbst. „Fiona Baine“ rieb sich die Nase und rief: „Ich hab’s!“ Einmal so hingestellt, änderte sie einfach die Definition. „Manche Neue Rechte wollen einen völkischen Nationalismus erneuern“, heißt es nun, und antivölkische Nichtnationalisten zählen jetzt korrekt dazu. Die Banane ist eben doch ein Apfel.

Das könne keiner ernst nehmen, meinen Sie? Nun, es geht um Sozio- und Politologen, deren – wie Michael Klonovsky es im „Focus“ gestern so schön ausdrückte – „wesentliche wissenschaftliche Leistung darin besteht, zu zitieren und das Zitierte dann ganz schlimm zu finden“. Eine Professorin dieser seltsamen Zunft zum Beispiel belegt das vermeintliche „Suchen nach Nähe zum Rechtsextremismus seit 2007“ mit an Marxens Barthaaren herbeigezogenen Apfel-Bananen-Beispielen aus den Jahren 2003 bis 2004. Jeder entsprechende Schulaufsatz wäre mangels Logik mit „ungenügend“ bewertet worden – jedenfalls vor dem Einzug der Kuschelpädagogik. Professorin Karin Priester aber, um die es hier geht, erhält mit solchen Blüten „enzyklopädische Relevanz“.

Doch wir wollen nicht lästern. Erbarmen hat auch sie verdient. Denn kein Mensch will recht eigentlich lesen, was Sozio- und Politologen gewöhnlich so schreiben, da sie – Ausnahmen bestätigen die Regel – abgesehen von elementaren Problemen mit der Logik im sozial gerechten Normfall zuweilen über soviel Stil und Wortwitz verfügen wie ein Pausenzeichen. Niemand käme in der freien Wirtschaft auf die Idee, solcherart „Leistung“ auch nur im Ansatz nachzufragen, geschweige denn im Austausch auch noch eine Gegenleistung wie Geld dafür anzubieten. Solche Sozio- und Politologen schreiben diskriminierend ausschließlich für ihresgleichen in durch elektrisierende Titel bereits erkennbaren Aufreger-Journalen wie „Blätter für deutsche und internationale Politik“ oder „Aus Politik und Zeitgeschichte“. Ersteres wurde lange von SED, Stasi und Co. finanziert, das zweite von den hiesigen Blockparteien und deren Geklüngel.

Wer hier Schreibdienst tun muss, für den hat es coolnessfaktorgeschätzt leider nicht zum Trend-Journalisten gereicht und charakterlich nicht zum Taxifahrer. Stehen die gerade noch abgesprungenen Mainstream-Redakteure nur zu drei Vierteln linksaußen, so liegt der linksgeschüttelte Anteil bei den Stammautoren von „Blättern“ oder „APuZ“ ganzkörperlich ideologisch korrekt im DDR-Wahlergebniswonnebereich.

Wie ihre Genossen auf der Straße, die zum Beispiel immer dann zur Gegendemo andackeln müssen, wenn der als Feind kostümierte Geistesbruder Lust verspürt, eine rotbraune Party zu schmeißen, leben auch die stiller „beobachtenden“ Sozio- und Politologen ein von ihren menschlichen „Objekten“ zins- und spaßfrei geliehenes Leben. Muss man persönlich sehr beladen sein, um ein solcher „Second Hander“ zu werden, Fräulein Priester? Oder erwächst der Frust umgekehrt aus der mangelnden Produktivität, Miss „Fiona Baine“? Was war zuerst: Die beamtete Henne oder das Ei des Schlendrian?

So oder so wächst zusammen, was ökonomisch, politisch, geistig und philosophisch zusammengehört. Sozialismus heruntergebrochen auf die Wirklichkeit bedeutet nun einmal Diebstahl, auf Kosten der anderen zu leben und von der Substanz zu zehren. Während Liberale, Konservative und Libertäre im Idealfall Kraft ihrer Persönlichkeit nach dem Wahren, Schönen und Guten streben und gedanklich wie real aufrichtig aufzubauen trachten, Werte in beiderlei Bedeutung schaffen wollen, liegt die Berufung des gemeinen roten oder braunen Sozis von jeher nicht zufällig im Destruktiven – „macht kaputt, was euch kaputt macht“ –, im Verbrauch („Nachfrageorientierung“) und letztlich der Zerstörung von Substanz (nicht nur Wikipedia scheitert dann von innen heraus), in Lüge und Denunziation, in Formlosigkeit, Anonymität und Masse.

Ja, Ihr Nulpen, Ihr könnt das Produktive, Freie, Personelle, Ideale, Wertvolle, Familiäre, Ewige und Schöne ruhig „rechts“ schimpfen, falsch ist das an der Stelle nicht. Aber „neu“ ist das Gute so wenig wie die Gegenposition. Und „Nationalismus“, liebe Genossinnen und Genossen von der Apfelfront, das ist und bleibt Euresgleichen, Ausgeburt von 1789 wie der eineiige Zwillingsapfel „Sozialismus“, links, destruktiv, formlos, kollektivistisch und unfrei. Verdreckt wie die öffentliche Toilette, Euer Ideal. Hopphopp, zur Psychoanalyse? Nein, nein, mein Freund, eine sinnvolle Arbeit, die Mitmenschen freiwillig nachfragen, und jemand, der Dich lieb hat, würden vermutlich reichen.

Ein Öhrchen der beladenen Sozio- und Politologin? Ein Herz für Linke? Meines habt Ihr! Ab dafür.

Internet

Aktualisiert: Informationen über Karin Priester

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