01. November 2012

Video-Tipp Ich will mein Land zurück

Beeindruckende Arte-Doku über die Tea-Party-Bewegung in den USA

Ausgerechnet der deutsch-französische Propagandasender Arte sendete anlässlich der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA vorgestern Abend eine beeindruckende Dokumentation über die Tea-Party-Bewegung im Herzen der USA, in Nashville, Tennessee. Der Dokumentarfilm von Astrid Schult enthält sich jeder Kommentierung und lässt die Aktivisten vor Ort ausführlich zu Wort kommen. Nicht einmal die üblichen „Kritiker“ werden ihnen gegenübergestellt. Heraus kommt für europäische Augen und Ohren (und insbesondere fürs feingeistig-fortschrittliche Arte-Publikum) Unfassbares: Einfache Arbeiter lehnen den Zwang in die Krankenkasse ab, weil sie selbst über sich, ihr Leben und ihre Gesundheit entscheiden wollen und den Bürokraten zutiefst misstrauen. Ein schwer schuftender Vater von fünf Kindern weigert sich, diese an die staatliche Schule auszuliefern. Stattdessen bildet die Mutter die  Kinder nach eigenen Wertvorstellungen tagsüber aus und geht acht Stunden nachts arbeiten, um die Familie mit zu ernähren. Jeden Tag. „Staatsknete“ würden auch sie niemals annehmen. Ehrensache. Andere Aktivisten erklären emotional aufgewühlt das Recht, eine Waffe zu tragen. Es sei das Recht der potenziellen Opfer auf Notwehr, denn die Verbrecher würden ohnehin überall auf der Welt Waffen tragen, „das ist schließlich das Wesen der Verbrecher“. Sie möchten nicht entwaffnet und schutzlos vor dem Verbrecher stehen und darauf hoffen müssen, dass zufällig eine Polizeistreife vorbeikommt. Es ist ungemein beeindruckend, wie einfache Amerikaner mit einfachen Worten ihre persönliche Freiheit verstehen und verteidigen. Anders die Aussagen zur Außenpolitik. Hier wird der hyperaktive Weltpolizist als „Opfer der Sowjets“ gesehen, mehr als 20 Jahre nach dem Ende der UdSSR. Aber das ist auch nicht mehr ihre Welt und die ganz persönliche Freiheit der patriotischen „Heartland“-Amerikaner, sondern betrifft die große abstrakte Politik, die auch sie mithin durch die verzerrte Brille der US-Massenmedien wahrnehmen. Und was sind für uns faszinierte Zuschauer schon fünf Minuten Verwirrung, etwa auch in der etwas überdrehten Wahrnehmung von Präsident Obama als Hitler-Verschnitt (hoffentlich bekam hier kein Arte-Connaisseur einen Herzinfarkt), gegen 85 Minuten Offenbarung in dieser Doku über die Freiheit aufrechter Menschen, die ihr Leben noch selbst in die Hand nehmen. Einfache und ehrliche Menschen, die jede Form von Sozialismus schlicht verachten.

Internet

Das Video ist noch fünf Tage online abzurufen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige