André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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ef Television

ef 126: Editorial

von André F. Lichtschlag

Das Leben des Brian, aber ohne Humor

Der Mob tobt. Ausschreitungen werden unter anderem aus Libyen, dem Jemen, Ägypten, Bangladesch und Somalia gemeldet. Botschaften werden gestürmt, Menschen ermordet. Grund ist ein Film aus den USA: „The Innocence of Muslims“. ef-Filmkritiker Martin Lichtmesz hat sich den Streifen angesehen, oder besser das, was bislang von ihm aufgetaucht ist, denn, so Lichtmesz, „einen solchen Film gibt es offenbar gar nicht. Wie aus dem Nichts sind knapp 14 Minuten lose aneinandergefügter Szenen aus einem angeblich vollständigen Spielfilm im Netz aufgetaucht. Das Material war dort schon seit Juli zu sehen, ohne dass es irgendjemandem sonderlich aufgefallen wäre.“ Der Film, sagt Lichtmesz, „spottet jeder Beschreibung. Seine Dramaturgie und Dialoge sind hölzern und infantil. Das Ganze wirkt wie Schülertheater vor einer Bluescreen, in die Wüstenhintergründe einkopiert wurden, wodurch die Darsteller in manchen Szenen in der Luft zu schweben scheinen.“ Das Machwerk erinnere ihn an „Monty Python’s Leben des Brian, was die Absurdität, nicht aber den Humor betrifft.“ Allerdings sei „Innocence of Moslems“ lediglich „als gezielte und platte Beleidigung konzipiert“. Der „Zweck des Filmchens bestand also offenbar darin, die roten Knöpfchen zu drücken“ mit den bekannten Ergebnissen in der „muslimischen Welt“.

Über die Hintermänner des Provostreifens sind lediglich widersprüchliche Angaben bekannt. Vieles bleibt im Dunkeln und deutet stark auf Geheimdienstaktivitäten hin. Der angebliche Produzent „Sam Bacile“ alias „Nakoula Basseley Nakoula“, keiner weiß den wirklichen Namen, stammt wohl aus der Pornoszene und war in der Vergangenheit auch in Drogengeschäfte und Finanzbetrügereien verstrickt.

Deutsche und europäische Politiker wollen die Aufführung des Films verbieten. Staatsfunker und Big Media haben viel Verständnis für den wütenden arabischen Mob und verlangen Zensur.

Rückblende. Moskau im Februar. Auch dort werden Gläubige verhöhnt und beleidigt. Nicht durch Fragmente eines schlechten Films im Internet, sondern durch Geschrei und Lärm inmitten des zentralen Gotteshauses der russisch-orthodoxen Kirche. Von einer „Band“, die es eigentlich auch kaum gibt. Die „Musiker“ und ihre Unterstützer kommen ebenfalls aus der Unterwelt. Und wieder sprechen zahlreiche Indizien für geheimdienstliche Hintergründe. Doch diesmal haben deutsche Politiker und Journalisten viel Verständnis für die „Künstler“ und keinerlei Empathie mit den Gläubigen und ihren verletzten Gefühlen. Olivier Bailly, Sprecher des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso meint, „The Innocence of Muslims“ habe „nichts mit Meinungsfreiheit zu tun“. Und „Meinungsfreiheit sollte auch nicht verwechselt werden mit der Verbreitung von Hass.“ Das sagte die Richterin im Prozess gegen Pussy Riot fast wortgleich. Auf die unterschiedliche Bewertung der EU angesprochen, antwortete Bailly: „Wie könnte man diese beiden Dinge vergleichen? Sie haben nichts miteinander gemein.“ Der Auftritt „der Band in einer Kirche“ habe „schließlich nicht Hass, Intoleranz oder Vorurteile verbreitet, sondern ist ein Ausdruck von Kultur und Gesang“ gewesen.

Zugegeben: „The Innocence of Muslims“ hätte im allerheiligsten Bereich der al-Haram-Moschee in Mekka uraufgeführt werden müssen, um die beiden gezielten Grenzüberschreitungen wirklich in Reihe zu setzen. Tatsächlich besteht der Unterschied aber wohl eher darin, dass die beleidigten russischen Gläubigen keine Botschaften stürmen und Menschen morden. Oder ist für die EU vielmehr entscheidend, dass es sich einmal um Christen und das andere Mal um Muslime handelt und dass man hier grundsätzlich mit zweierlei Maß misst? Weil die „eigene“ religiöse Grundlage mit Hilfe der „fremden“ zerstört werden muss, um mit den natürlichen Schutzschilden Familie, Nation, Tradition und Religion auch den letzten Widerstand gegen den EUdSSR-Superstaat auszuschalten?

Wir haben uns das Geschehen um Pussy Riot genauer angesehen. Lesen Sie im Schwerpunkt dieses Heftes die erstaunlichen Ergebnisse. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erkenntnisgewinn und Lesefreude!

Diese Ausgabe haben wir mit einem neuen Layoutprogramm gestaltet. Wir hoffen, dass alle Anpassungen und Umstellungen gelungen sind. Wo nicht, bitte ich um Verständnis und Geduld. Wir arbeiten daran. Was bleibt? Sie wissen schon: Kein Fußbreit! Und überhaupt.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 28. September erscheinenden Oktober-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 126

23. September 2012

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