13. September 2012

Der Weg in die EU-Knechtschaft 88 Luftballons ...

... und andere krude Thesen

Mario Draghi weiß nicht, was er tut. Er handelt oft kopflos, er ist verzweifelt ob des Zustandes der Währungsunion, er ist in ökonomischen Dingen so inkompetent, dass er die Folgen unbegrenzter Ankäufe von Staatsanleihen oder ausufernden Gelddruckens nicht abzuschätzen vermag. Weil es sich um einen Dilettanten handelt, ist er ja auch bei Goldman Sacks, einer der größten Banken der Welt, achtkantig rausgeflogen und – wuppdich – auf dem Chefsessel der Europäischen Zentralbank gelandet, also in einer EU-finanzpolitischen Schlüsselposition.

Andere Erklärungen gibt es nicht, sofern man der hiesigen Berichterstattung der Presse folgen möchte. Dass er womöglich doch sehr genau weiß, was er anrichtet und vielleicht gar im Auftrag einer gewissen als „Mafia“ bezeichneten internationalen Finanzorganisation handelt, um Europa unter anderem als Druckausgleich für transatlantische Währungsblähungen zu missbrauchen, ist nicht nur pure Spekulation, sondern völlig absurd. Solche Thesen werden nur von Leuten verbreitet, die auch an UFOs glauben und im Winterurlaub mit dem Yeti auf Kraxeltour im Himalaya gehen. Kurz: Antisemiten!

Damit garantiert in keinerlei Zusammenhang stehend forderte unlängst José Manuel Barroso eine zentrale Bankenaufsicht für Europa. Der Gedanke, es könne sich dabei um einen weiteren Schritt auf dem Weg in eine von langer Hand geplante Errichtung eines europäischen „Superstaats“ handeln, der irgendwann vielleicht in eine Diktatur münden könnte, ist schlichtweg grotesk. Dass in Italien ab 2013 Bargeldzahlungen über 50 Euro verboten werden sollen, hat damit ebenfalls nichts zu tun, auch das ist reiner Zufall. Schließlich will man nur das Beste für die Völker Europas.

Wenn ganze Staaten schon nicht mit Geld umgehen können, wie sollten dann erst ihre Bürger dazu fähig sein? Weg vom Bargeld, hin zum rein elektronischen Zahlungsverkehr, so wie man es in Italien im Junckerschen Sinne – beschließen, horchen, passiert nix, prima, hehe, weiter – als Testballon steigen lassen möchte: Dadurch wird alles doch nur einfacher. Zum Beispiel für Individuen mit unheilbaren psychischen Defekten, die ihre Integration ins Kollektiv unmöglich machen. Hier können Banker oder Beamte eines zukünftigen zentraleuropäischen Finanzamts einfach per Mausklick entscheiden, wie viel Geld man solchen Charakteren anvertrauen kann, ohne dass es zu schwersten Verwerfungen des europäischen Finanzsystems kommt.

Apropos psychisch labil: Bettina Wulff ist sauer auf Google. Grund: Nach Eingabe ihres Namens in  der meistgenutzten Suchmaschine unter Kontrolle eines der größten Internetkonzerne der Welt, dessen ehemaliger Chief Executive Officer Eric Schmidt einmal versehentlich in eine dieser hochtransparenten Bilderberger-Konferenzen stolperte, obwohl er sicher nur das Schwimmbad des Hotels suchte, erschienen Ergänzungs- beziehungsweise Vervollständigungsvorschläge wie „Prostituierte“ oder „Escort-Service“.

Das, so verteidigt sich Google, sei ein ganz normaler, längst von den meisten Nutzern akzeptierter Vorgang. Auch hier möchte man den Usern das Leben doch nur erleichtern: Statt selbständig Suchphrasen auszuknobeln oder gar zu denken, was Mühe und Zeit kostet, leistet der Krake Schutzbefohlenen Hilfe, indem er aus den am häufigsten verwendeten Formulierungen im Kontext eines bestimmten Suchvorgangs einfach die populärsten automatisch ergänzt und eine Liste mit Vorschlägen darreicht. Meine Ergänzungsvorschläge zu diesem ganz alltäglichen, seltsamerweise ohne nennenswerten Widerstand akzeptierten Verhalten: Schafherde, Schafswolle, geschoren, folgsam, Duck & Cover, Links234, es reibt sich jetzt das Hirn mit Quecksilber ein, Methanol als Getränkezusatz für eine gesunde geistige Entwicklung, das Schweigen der Lämmer, Opferbereitschaft, Pflichterfüllung, dumbing someone down.

Stop! Ich will das paranoide Geschwätz, das vielen Zeitinsassen bestimmt schon wieder schussbereit auf der Zunge liegt, erst gar nicht hören! Wie? Es sei softwareseitig überhaupt kein Problem, in diesen Prozess womöglich heimlich einzugreifen? Ach hört doch auf. Ich kann eure Verschwörungstheorien nicht mehr hören. Wie muss ich mir das vorstellen? Ich gebe Namen wie „Karl-Albrecht Schachtschneider“ oder „Wilhelm Hankel“ ein und erhalte Ergänzungsvorschläge wie zum Beispiel „Anti-Europäer“, „extremer Nationalismus“, „Nazi“, „Psychiatriepatient“, „al-Qaida“ oder „internationaler Terrorismus“? Schon klar. Ihr glaubt vermutlich auch, Staaten würden Terroranschläge inszenieren, um ihre Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen und somit leichter manipulierbar und regierbar zu halten, wie sie es schon seit Jahrzehnten tun. Bleibt doch einfach in eurem geistigen Neuschwabenland, ihr unverbesserlichen Judenhasser. Außerdem haben Konzerne sich noch nie mit zwielichtigem Personal, mit Diktatoren, Kriegsverbrechern und Massenmördern verbrüdert und verschwägert. Nicht, dass ich aus Schulbüchern oder den Tagesthemen wüsste.


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