22. März 2012

Buchrezension
Inflation oder Deflation?

Licht ins Dunkel

Die Gefahr einer „deflationären Depression“ dient Politikern und Zentralbankern seit den Tagen von John Maynard Keynes als Rechtfertigung für eine inflationistische Geldpolitik. Um die vermeintlich segensreiche Schwundgeldpolitik der Währungsmonopolisten in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen, werden auch heute noch mit größter Inbrunst jene Gefahren beschworen, die eine abnehmende Geldmenge angeblich mit sich bringt.

Der weitgehend vollständige Mangel an Wissen um Entstehung, Wesen und Bedeutung des Geldes erleichtert es Politikern, Zentralbürokraten und Bankstern, das Geldvermögen der Bürger mittels Inflationssteuern unbemerkt umzuverteilen – zu ihren Gunsten, versteht sich! Henry Ford brachte es auf den Punkt, als er meinte: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Da sich jedoch nur eine Minderheit der Bürger mit Fragen der – korrupten und betrügerischen – staatlichen Geldpolitik beschäftigt, ist die Revolution bislang ausgeblieben. Als Sparer ist man versucht, hinzuzufügen: leider!

Markus Lindermayr, Janne J. Kipp und Christoph Schnabel unternehmen es in ihrem Buch „Inflation oder Deflation“, Licht ins Dunkel zu bringen. In einer auch für Laien verständlichen Sprache werden Grundbegriffe von Ökonomie und Geldpolitik erläutert und Begriffsumdeutungen, die in listiger Weise der Verschleierung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen dienen, klar benannt: „Inflation“ bezeichnete ursprünglich die Ausweitung der Geldmenge, während heute damit eine allgemeine Teuerung gemeint ist. Auf diese Weise wird in der Öffentlichkeit der Eindruck vermittelt, Preissteigerungen wären das Werk profitgieriger Produzenten von Waren und Dienstleistungen und perfider Spekulanten, während dafür in Wahrheit einzig und allein die hemmungslose Ausweitung der Geld- und Kreditmenge – und damit der staatliche Geldmonopolist – verantwortlich ist. Allgemeiner Preisauftrieb ist die mit einiger Zeitverzögerung und nicht für alle Güter in gleichem Ausmaß eintretende Folge einer vorangegangenen Inflation!

Nach einer Einführung in die verwendeten Begriffe werden die wesentlichen Zusammenhänge und wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten erläutert, wobei die Autoren an ihrer Sympathie für die Analyse der „Österreichischen Schule“ keine Zweifel aufkommen lassen. Anschließend werden in einem historischen Teil zurückliegende Inflationsszenarien (beginnend mit dem berüchtigten Papiergeldexperiment des John Law in Frankreich) und die deflationäre Stagnation in Japan seit Anfang der 1990er Jahre beschrieben. Danach wird den Gründen für die zyklische Natur des Konjunkturphänomens nachgespürt und der nach seinem Schöpfer benannte Kondratjew-Zyklus vorgestellt. Mit der Beschreibung globaler Trends und verschiedener denkbarer „Basisszenarien“ für die Weltwirtschaft endet der 284 Seiten umfassende erste Teil des Buches.

Der kurze, aber hochinteressante zweite Teil ist der Anlegerpsychologie gewidmet und beschreibt die von Investoren am häufigsten gemachten Fehler und deren Ursachen. Grundlegend mangelhafte oder selektive Wahrnehmung der Wirklichkeit, die unbewusste Ausblendung unangenehmer Wahrheiten, die Macht des Wunschdenkens und das völlige Fehlen eines „Plans B“ im Falle des Eintretens unerwarteter Ereignisse können in vielen Fällen zu schmerzhaften Vermögensverlusten führen.

Zwei bedenkenswerte Zitate aus dem Schlusswort: „Die Weltwirtschaft ist nun dabei, den ausgeprägtesten Zyklus der Wirtschaftsgeschichte zu beenden.“ Welche überaus unerfreulichen Konsequenzen damit aller Voraussicht nach verbunden sind, dürfte nach der Lektüre des Buches den meisten Lesern klar sein.

„Der Weg zurück zu einem nachhaltigen Gleichgewicht wird hart.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Inflation oder Deflation?

Markus Lindermayr, Janne Jörg Kipp und Christoph Schnabel

Finanzbuch Verlag 2012

336 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-89879-637-8

€ 20,60


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