Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

Anzeige

Rezension: Der Wettbewerb der Gauner

von Andreas Tögel

Provokante Thesen eines Querdenkers

06. März 2012

Es liegt ein paar Jahre zurück, dass der deutsche Vordenker des Anarchokapitalismus, Hans-Hermann Hoppe, mit seinem Buch „Demokratie, der Gott der keiner ist“ einen beachtlichen Publikumserfolg landete. Nun legt er mit „Der Wettbewerb der Gauner – Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft“ erneut ein Werk vor, das mit dem System des demokratischen Staates radikal abrechnet. Orthodoxe und nationale Sozialisten dürften damit ebenso wenig Freude haben wie jene Mehrzahl der „Konservativen“, die der Autor bereits in seinem 1986 in englischer Sprache erschienenen Buch Sozialismus oder Kapitalismus“ als verkappte Sozialisten vorgeführt hat.

Der Ökonom und Banker Thorsten Polleit bringt in seinem Vorwort Hoppes kritische Analyse auf den Punkt: „Der demokratische Staat zerstört die produktive und kooperative soziale Ordnung“. Er „verursacht Wohlstandverluste und führt in die Ent-Zivilisierung.“ Für die Mehrheit der in staatlichen Bildungseinrichtungen zu unkritischen Untertanen erzogenen Zeitgenossen wird das Büchlein daher eine recht verstörende Lektüre darstellen.

Gestützt auf die von John Locke 1689 in seinen „Two Treatises of Government“ formulierten Gedanken zum rechtmäßigen Eigentumserwerb, baut Hoppe seinen Frontalangriff auf den Staat auf, den er als „territorialen Machtmonopolisten mit dem Recht zur Letztentscheidung in Konfliktfällen – einschließlich derer, in denen er selbst Partei ist“ definiert, der zudem „mit dem Privileg ausgestattet ist, Steuern zu erheben“.

Zunächst rechnet der Autor mit den Intellektuellen ab, die er der Korruption und der Verteidigung des Leviathans beschuldigt. Beinahe alle Personen dieser Gruppe leben von Mitteln, die der Staat im Wege der Besteuerung produktiv tätigen Menschen abpresst. Kaum einer von ihnen ist genötigt, seine Leistungen unter Marktbedingungen anzubieten. Entsprechend wenig überrascht es, dass diese privilegierte Kaste unentwegt das Hohelied des Staates singt und hohe Steuern als Ausweis einer hochstehenden Kultur preist. Sich selbst sieht Hoppe in der Rolle eines „antiintellektuellen Intellektuellen“.

Danach erläutert er seine Kritik am „Wettbewerb der schlechten Menschen“. Monopole sind aus Sicht des Konsumenten stets abzulehnen. Der Monopolist wird schlechtere Dienste zu höheren Preisen anbieten, als er es unter Wettbewerbsbedingungen tun müsste. Während aber ein unter Güterproduzenten herrschender Wettbewerb dem Konsumenten zum Vorteil gereicht, ist ein Wettbewerb unter Gewalttätern, den derjenige gewinnt, der am brutalsten und rücksichtslosesten agiert, dem Bürger nicht zuträglich. Der Staat als Stehler und Hehler wird nicht besser, wenn aus einer Konkurrenz jener Individuen, die sich um seine Führung bewerben, am Ende die Niederträchtigsten erfolgreich hervorgehen.

Im folgenden Kapitel analysiert der Autor die im demokratischen Staat wirkenden Dynamiken. Er kommt zum Schluss, dass Demokratie und Unverletzlichkeit privaten Eigentums unvereinbar sind. Dass die Schweiz relativ besser dasteht als viele ihrer Nachbarn, führt Hoppe nicht auf ihr Modell der direkten Demokratie zurück, sondern auf ihre Kleinräumigkeit und die Dezentralisierung der politischen Entscheidungen. Kleinräumige Strukturen begünstigen die Achtung von Individualrechten deshalb, weil hier eine „Abstimmung mit den Füßen“ leichter fällt. Die politische Führung eines Kleinstaates muss ihre Ausbeutungs- und Regulierungsaktivitäten daher stärker zügeln als jene eines Imperiums.

In der Folge widmet sich Hoppe der wichtigen Frage: „Warum der Staat die Kontrolle über das Geld und das Bankwesen beansprucht“. Die Abkehr vom Warengeld, die Monopolisierung der Geldproduktion durch den Staat, in besonderer Weise aber das Teilreservesystem der Geschäftsbanken, haben den Traum der mittelalterlichen Alchemisten wahr werden lassen: Etwas aus Nichts zu schaffen. Besonders die Vergabe von aus dem Nichts geschaffenen Krediten – ohne dafür Mittel dem Konsum entziehen, also sparen, zu müssen, schafft die Grundlage für jenen Konjunkturzyklus, der in einer dem künstlich entfachten Boom folgenden Rezession sein logisches Ende findet.

Im vorletzten Kapitel bricht der Autor eine Lanze für die Diskriminierung. Ohne Recht zur Unterscheidung hat kein Eigentumsrecht dauerhaft Bestand. Das Eigentumsrecht, das die Basis jeden zivilisatorischen Fortschritts bildet, ist aber faktisch „heilig“. Im Dualismus zwischen öffentlichem und privatem Recht, der sich mehr und mehr zugunsten des ersteren verschiebt, manifestieren sich jene Privilegien, die Staatsagenten gegenüber Normalsterblichen genießen.

Abschließend stellt Hoppe die Grundzüge jener Privatrechtsordnung vor, die er als Alternative zum Weg ins Chaos aufzeigt, zu dem staatliche Ordnungen über kurz oder lang führen. Statt Konflikte zu lösen, bei denen es sich so gut wie immer um Eigentumsstreitigkeiten handelt, schüren staatliche Ordnungen solche Konflikte – oder bringen sie überhaupt erst in die Welt. Ein strikt an einer privaten (Eigentums‑) Ordnung orientiertes Gesellschaftssystem lässt dagegen viele dieser Streitigkeiten gar nicht erst entstehen oder es kann damit jedenfalls erheblich besser umgehen. An die Stelle eines „vertragslosen Zustandes“ zwischen Beschützer und Beschützten, wie er für staatliche Systeme typisch ist und in dem einer Genugtuung oder Entschädigung von Verbrechensopfern kaum Bedeutung zukommt, würde ein System von mit privaten Rechts- und Sicherheitsanbietern abgeschlossenen Verträgen treten, das dem Bürger klar definierte Rechte garantiert.

Während Staaten – nach innen und außen – zur Aggression neigen, da sie die Kosten ihrer Handlungen auf die Steuerzahler abwälzen können, sind private Sicherheitsanbieter sehr auf Ruhe und Frieden bedacht, da jede Aggression mit schwer kalkulierbaren Kosten verbunden ist.

Wer Anregungen zum kritischen Hinterfragen von Überzeugungen hinsichtlich der weithin unwidersprochen behaupteten Überlegenheit unseres politischen Systems sucht, findet diese im vorliegenden Buch auf unterhaltsame Weise präsentiert.

Hans-Hermann Hoppe

Der Wettbewerb der Gauner

Holzinger-Verlag 2012

90 Seiten

ISBN-10: 926396-58-X

€ 12,-

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare


Der Kommentarbereich für diesen Artikel wurde geschlossen.

Anzeige