29. Februar 2012

Draghis dicke Bertha Zieht Euch warm an!

Sagt immer lauter nun auch der Mainstream

Hallihallöchen! Die vielgescholtene Mainstreampresse wacht auf. Zumindest die „Welt“. Wenigstens beim wichtigsten Thema. Am Samstag stand ein Artikel auf Welt-Online stundenlang ganz oben als Topmeldung, der dann am nächsten Tag in der „Welt am Sonntag“ in einer noch erweiterten Version gedruckt wurde: „Billiges Geld flutet Europas Staaten und Banken“ lautete der Titel, geschrieben hatten den Beitrag gleich vier Redakteure des Springer-Blatts. „Mit immer neuen Milliarden versucht die Europäische Zentralbank, Banken und Staaten vor der Pleite zu retten. Doch der Kurs ist hochriskant“, beginnt der Text, in dem mehrfach auch ef-Kolumnist Torsten Polleit, Chefökonom Deutschland bei Barclays Capital, zitiert wird. „Dass das billige Geld bislang größtenteils nicht in der Wirtschaft angekommen ist, mildert die Inflationsrisiken nur vorübergehend“, schreibt die „Welt“. „Die Preisblasen bei vielen Vermögenswerten sind nur ein Vorbote für einen starken Anstieg auch bei den Verbraucherpreisen“, wird zum Beispiel Max Otte, Finanzprofessor an der Uni Graz, zitiert.

Heute, nachdem die EZB gerade wieder eine neue halbe Billion hervorgezaubert hat und die Aktuelle Kamera vulgo Tagesschau diese kleine Meldung aus Brüssel ganz routiniert noch unter „ferner liefen“ verstecken mochte, legt die „Welt“ nach. Diesmal wird unter der bereits ausdrucksstarken Schlagzeile „EZB-Bazooka macht den Euro-Crash richtig teuer“ gleich eingangs der Jahrhundertökonom Ludwig von Mises zitiert. Mit diesen Worten: „Es gibt keine Mittel, eine grundlegende Bereinigung nach einem durch Schulden befeuerten Boom abzuwenden. Die einzige Frage besteht darin, ob diese Bereinigung rascher vonstatten geht oder aber die Krise so lange hinausgezögert wird, bis am Ende der ganz große System-Kollaps steht, der auch die Währungsordnung mitreißt.“

Der Artikel von „Welt“-Redakteur Holger Zschäpitz lässt kaum eine Frage offen. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, der in den vergangenen zwei Monaten knapp eine Billion Euro neues Spielgeld ins System gepumpt hat, „scheint noch keine geistige Bekanntschaft mit von Mises gemacht zu haben“, so Zschäpitz. Der schließt: „Damit verhindert er eine Bereinigung des über Jahrzehnte mit Schulden finanzierten Booms. Man kann sich leicht ausrechnen, dass die EZB immer weiteres Geld nachschießen muss. Wie das enden wird, hat der Ökonom von Mises ausführlich beschrieben. Böse.“

Und wie fast immer bei der „Welt“ gilt: Eher noch interessanter als der Artikel sind die Leserkommentare, von denen die ganz Harten bereits wieder in den Garten untergegraben und also gelöscht wurden. Hunderte Leser waren sich mehr oder weniger einig darin, dass wir nun erstens vor der ganz großen Katastrophe stehen. Und dass zweitens diejenigen, die das zu verantworten haben, nicht ganz so glimpflich davonkommen könnten wie Erich und Margot Honecker.


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