12. Januar 2012

Abschied der unabhängigen Blogger Erinnerung an Roland Baader

Ein Vorbild für die Jugend

Selbst die Mittelstrommedien staunen immer wieder über das „Phänomen Ron Paul“ als einen 76-jährigen libertären Präsidentschaftskandidaten, der vor allem die Jugend Amerikas fasziniert und im Internet wie ein Popstar gefeiert wird. Auch der am vergangenen Sonntag verstorbene deutsche Autor Roland Baader war von diesem Erfolg des Mitstreiters Ron Paul fasziniert. Wenn es etwas gab, das dem oft als besonders pessimistischen Denker beschriebenen Baader Hoffnung machte, dann waren es diese jüngsten Triumphe Ron Pauls.

Und nun das: Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Denn während sich die Mainstreammedien noch schwer tun mit der Würdigung Roland Baaders, nehmen unzählige Internet-Blogs bewegt Abschied. In den letzten Jahren ist auch in Deutschland eine neue, ebenfalls sehr junge „Szene“ herangewachsen, die sich den Ideen eines Ron Paul oder eben auch Roland Baaders verschrieben hat.

Auch das spricht dafür, dass es am kommenden Donnerstag, dem 19. Januar, um 14 Uhr beim Abschied von Roland Baader auf dem Friedhof in Waghäusel-Kirrlach sehr, sehr eng werden wird. Und dass nicht nur alte Menschen dort sein werden.

Im Folgenden einige Auszüge aus den Weiten des deutschsprachigen Internets in zufälliger Reihenfolge und weitgehend unredigiert.

Auf „Citizen Times“ schreibt Wolfgang Hübner: „Der Winterurlaub 2004/05 wird mir nicht nur wegen der in dieser Zeit stattgefundenen Tsunami-Katastrophe in Asien mit ihren schrecklichen Folgen in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen einer außergewöhnlich anregenden Buchlektüre: Damals las ich Roland Baaders neues Buch ‚Geld, Gold und Gottspieler’. Das 2004 erschienene Buch trug den Unheil verheißenden Untertitel ‚Am Vorabend der nächsten Wirtschaftskrise’. Das klang zugegeben etwas reißerisch. Doch inzwischen wissen wir alle, wie richtig und vorausschauend dieser Untertitel war. Roland Baader, der in diesen Tagen nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren verstorben ist, behandelte in dem immer noch und mehr denn je lesenswerten Buch die Probleme des verstaatlichten Geldes und die beliebige politische Manipulation der Währungen. Es ist eine scharfe und scharfsinnige Auseinandersetzung mit jenem ‚monetären Sozialismus’, der unter unseren Augen Europa und die Welt in eine verhängnisvolle Entwicklung treibt. Baader, ein herausragender Vertreter der sogenannten Österreichischen Schule der Ökonomie, erinnert in dem Buch daran, was Geld tatsächlich ist: ‚Geld ist und bleibt also nur das, was der freie Markt als Geld geschaffen hat, nämlich Gold (und zum Teil Silber). Alles andere ist das Ergebnis von Taschenspielertricks mit der Gutgläubigkeit der Menschen.’ Diese im Buch umfassend begründete Erkenntnis ist gerade heute, da eine Krisenkonferenz zur Euro-‚Rettung’ die nächste jagt, von größter Bedeutung. Baaders Buch endet mit dem düsteren Satz: ‚Das ökonomische und politische Chaos, das aus der Währungszerstörung resultiert, führt unvermeidlich zur Tyrannei.’ Eine solche Voraussage hört niemand gerne. Aber es ist die Voraussage eines Denkers, der sein Buch 2004 mit einem Untertitel versah, der nur wenige Jahre später die Realität völlig zutreffend kennzeichnete. Gerade die so verzweifelten wie immer abenteuerlicher werdenden Bemühungen, die politische Kunstwährung Euro zu ‚retten’, lassen befürchten, dass auch die Warnung vor einer neuen, wie auch immer gearteten Tyrannei mitsamt Massenverarmung alles andere als Schwarzmalerei ist. Roland Baader hat sich vom Desaster des real existierenden Sozialismus 1989/90 nie blenden lassen. In vielen Schriften hat sich der Nationalökonom und Sozialphilosoph mit dem sogenannten Sozialstaat und seinen vielfältigen Abgründen und Perversionen auseinandergesetzt: ‚Dem nicht totalitären Staat steht als Herrschaftsinstrument nur Bestechung zur Verfügung. Er muss Teilen seiner Bürger – oder allen – unter Strafandrohung oder Zwang Mittel entziehen, und damit größeren Wählerschichten Versprechungen und Geschenke machen, also Stimmenfang betreiben.’ Und er zitiert einen Satz, der das prägnant zusammenfasst: ‚Der Wohlfahrtsstaat ist eine Methode, die Leute mit ihrem eigenen Geld vom Staat abhängig zu machen.’ Baader schreibt weiter: ‚Doch weil der nicht-totalitäre Herrschaftsapparat die Loyalität seiner Bürger und Wähler verliert (und somit seine Herrschaftslegitimation), wenn er seine Untertanen allzu sehr aussaugt, braucht er dringend ein betrügerisches Geld, das er nahezu beliebig vermehren und mit dem er sich uferlos verschulden kann. Er braucht ein Geld, das er sich mit ‚weniger schmerzhaften‘ Methoden aneignen kann – eben das ‚Scheingeld‘ und die ‚lautlose‘ Verschuldung (Staatsverschuldung). Dass diese aktuelle Lasterleichterung den Leuten später umso größere Schmerzen bereiten wird, kümmert die Regierenden nicht; geht es doch hauptsächlich darum, für einige Jahre am Ruder zu bleiben. Mit dem, was irgendwann später eintritt, mögen sich andere herumschlagen.’ Im Licht der heutigen Ereignisse waren das Worte, die vielen Menschen, wenngleich viel zu wenigen, die Augen öffnen sollten für das Drama, das in unserer Zeit zur Tragödie Europas und auch des sich noch so sicher wähnenden Deutschlands zu werden droht. Wer Baader gelesen hat oder endlich liest, mag diese Tragödie nicht abwenden können, er wird aber immerhin verstehen, was tatsächlich geschieht und warum das geschieht. Baader war auch ein Mann mit erfolgreicher beruflicher Laufbahn, dazu ein bekennender Christ und, so wird es vielfach geschildert, ein liebenswerter Mensch. In Erinnerung werden nicht nur seine zahlreichen Schriften bleiben, sondern auch ein Mann, für den Freiheit und freiheitliches Denken und Leben keine Phrase waren, sondern verkörpertes Sein. Ich bin dankbar, diesem Mann und seinem Geist wenigstens in den Büchern von Roland Baader begegnet zu sein.“

„Freigeisterhaus“ bemerkt: „Der große libertäre Ökonom Roland Baader, der in zahlreichen Büchern dem unfreiheitlichen Weltsozialismus ein Gesicht gab, ist nach langer Krankheit verstorben.“

Benjamin Stocker-Zaugg bloggt: „Am 8. Januar starb Roland Baader nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren. Die Welt des freiheitlichen Denkens hat einen ihrer bedeutendsten Denker, Schaffer und Mahner verloren. Roland Baader, der Meister der klassisch-liberalen Schule, verfasste mehr 10 Bücher, über 200 Zeitschriftenartikel und hielt unzählige Vorträge. Er war Mitglied in der Mont Pelerin Society und der Friedrich August von Hayek-Gesellschaft. Roland Baader besaß die seltene Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge der Ökonomie und Geldwirtschaft, prägnant und leicht verständlich zu vermitteln. Seine populärwissenschaftlichen Schriften erreichten ein breites Publikum und verhalfen vielen Menschen zu einem besseren Verständnis politisch-wirtschaftlicher Zusammenhänge; ganz im Geiste von Arthur Schopenhauer hatte Roland Baader das Talent, seine wertvollen und zusammenhängenden Gedanken so niederzuschreiben, dass jeder sie nachvollziehen und nach-denken kann. Wortgewaltig und mit klarem, scharfem Verstand wies Baader in geradezu prophetischer Weise auf die Probleme unserer Geldsysteme hin und warnte eindringlich vor den Gefahren politischer Staatsutopien, die dem Menschen die Freiheit nehmen und ihn in die Armut treiben. Bei aller Kritik bewahrte sich Roland Baader aber stets ein offenes, hörendes Herz. Seine Werke sind tief durchwoben von menschlicher Wärme und Güte und vom Glauben an das Gute im Menschen und der Welt. Ich werde Roland Baader nicht vergessen.“

Robin Renitent schreibt auf „Rebellog Libertarians Main“: „Roland Baader war auch für mich, eigentlich muß ich sagen für uns, ein Wegweiser, ein Augenöffner, einer, der uns Denkanstöße gab und sich so äußerte, in einer Sprache, die auch wir verstanden. Seine Sprache war klar, zielgerichtet und unmißverständlich. Wir haben fast alle seine Bücher und Essays gelesen. Sie haben einen besonderen Platz in unserer Bücherwand, gleich neben Mises, Hayek, Rothbard und anderen Werken zur Freiheit, zur Ökonomie und zur Sozialpolitik. Baader war der Einstieg, die Aufforderung sich weiterzubilden, auf einem Gebiet und zu einem Thema, er war ja Nationalökonom, daß so vielen Menschen trocken erscheint und deshalb vernachlässigbar. Doch seine Beschreibungen des Istzustandes waren immer treffend, seine Voraussagen erfüllten sich. Seine Bücher machten Lust auf mehr, auf schwieriger geschriebene Sachliteratur. Sie waren der Einstieg in die Österreichische Schule. Mises kam dann als nächster. Ich hätte Baader sehr gern kennengelernt, ihm persönlich zugehört. Das war nach unserem Umzug nach Kanada schlecht möglich. Auch Hoppe oder Hülsmann würde ich gerne hören. Allesamt Persönlichkeiten in dieser Zeit der austauschbaren, beliebigen und eitlen Schwafler. Baader als Wirtschaftsminister, das wär was gewesen. Einer, der gewußt hätte wovon er redet. In Roland Baader haben wir einen Freund verloren, einen, der uns zwar nicht kannte, aber der UNS nahe war. Und ein Vorbild. Der Mann war völlig uneitel. Schade, wir hätten noch soviel von ihm lernen können, hätten ihn so gerne auch weitergelesen. Gerade jetzt. Schade, daß er den Zusammenbruch des Euro nicht mehr erlebt hat. Wir trauern um einen großen Menschen.“

Julius Rabenstein bemerkt auf „Das Heerlager der Heiligen“: „Roland Baader hat sehr gute, wenn auch manchmal zu polemische Bücher zur Volkswirtschaft und zur Freiheit geschrieben. Er hat die ökonomische Krise, in der wir uns heute befinden, schon 2004 in seinem Buch ‚Geld, Gold und Gottspieler’ vorausgesagt und beschrieben. Vielen Dank, lieber Roland Baader!“

Die Redaktion schreibt auf dem Blog der Libertären Plattform: „Am Sonntag ist der Publizist und Unternehmer Roland Baader nach längerer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben. Roland Baader war Diplom-Volkswirt, ein Schüler von Friedrich August von Hayek und Mitglied der Mont Pelerin Society. Für viele Mitglieder der Libertären Plattform war Roland Baader einer der ersten Autoren, der sie mit libertären Inhalten in Verbindung gebracht hat, mit seinen Büchern und regelmäßigen Beiträgen wie den Freiheits-Funken bei eigentümlich frei. Unvergessen auch, wie er einem noch größeren Publikum bekannt wurde, als Nationaltorwart Oliver Kahn bei Johannes B. Kerner Baaders Buch ‚Geld, Gold und Gottspieler’ als Auslöser dafür nannte, sein Vermögen umzustrukturieren und Gold zu kaufen. Wir verabschieden uns von einem konsequenten Liberalen und verneigen uns vor seinem Einsatz für eine freie Gesellschaft.“

„Freitum“ bemerkt: „Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, wird immer in der Unfreiheit landen – und damit in der schlimmsten Unsicherheit, die dem Menschen widerfahren kann. Diese weisen Worte schrieb - wohl in Anlehnung an Benjamin Franklin - Roland Baader, einer der größten freiheitlichen Denker des 21. Jahrhunderts. Mit großer Trauer vernahmen wir die Kunde von seinem Tod. Baader starb nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren. Wortgewandt und streng logisch argumentierend warb der Hayek-Schüler wie kaum ein zweiter für die Idee der Freiheit und der ihr inhärenten Marktwirtschaft.“

Gottfried Ebenhöh führt für „Deutsche Ecke“ und „Altmod“: „Am vergangenen Sonntag verstarb Roland Baader nach langer Krankheit. Roland Baader ist war der bekannteste deutschsprachige Freiheitsdenker. Sein Motto, unter dem alle seine Bücher und Schriften gestellt werden können, lautet: ‚unsere einzige Waffe gegen die Lüge ist Wissen’. Denn: ‚Wir sind die informierteste und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die je existiert hat.’ Und ‚Die Leute lassen sich so lange am besten manipulieren, wie sie am wenigsten wissen.’ Baader gehört zu den klassisch-liberalen Nationalökonomen, war Schüler von Friedrich August von Hayek. Er zählt damit zu der österreichischen Schule der Nationalökonomen in der Tradition von Ludwig von Mises. Baader ist nicht einzuordnen in das, was manche heute gerne als ‚liberal’ oder ‚Liberalismus’ verstehen, aber je nach Standpunkt gerne auch stigmatisieren möchten. Da wollen sich die Vertreter der sterbenden FDP eingereiht sehen, manche sehen die Grünen dort, die amerikanischen Sozis – die Demokraten – verkaufen sich seit je gerne als ‚Liberale’. Es sind aber doch Linke oder Vertreter linker Ideologien; Vertreter des ‚Samtpfoten-Sozialismus’, wie es Baader treffend bezeichnet hat und Propagandisten der globalisierten New World mit der im Grunde kommunistischen Utopie. Baader ist mit der Formel ‚Freiheitsdenker’ und klassischer Nationalökonom gut charakterisiert. In seiner Definition und seinem Selbstverständnis von Liberalismus ist der Wertekonservatismus ebenso eingeschlossen wie das christliche Menschenbild und gerade der christliche Wertekanon. Baader hat in seinen Schriften die jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrisen fast minutiös vorausgesagt und uns schon vor Jahren in seinen Schriften glasklar die Ursachen vermittelt. Wenn man denn hören wollte…. Baader wurde nicht gehört, weil er gegen die sozialistisch-sozialdemokratisch dominierte Meinungswelt stand. In Wirtschafts-theoretischer Hinsicht als Widerpart zu den Parteigängern von Keynes, den Vertretern der weltweit gängigen Wirtschafts- und Sozial-Klempnerei, der kaum kaschierten Planwirtschaft im Rahmen eines umgreifenden Staatskapitalismus. Die ‚Qualitätsmedien’ haben keine Notiz vom Tod dieses Mannes genommen. Einzig bei der Jungen Freiheit ist ein redaktioneller Beitrag zu finden. In der ‚FAZ’  fand man eine Todesanzeige, eingestellt von seinem Verleger Ingo Resch. Alle Bücher sind unverändert aktuell und lesenswert. In meinem Bücherschrank stehen sie griffbereit an exponierter Stelle. Danke an Roland Baader!“

Rayson von „Bissige Liberale“ schreibt: „Der Ökonom und Publizist Roland Baader ist gestorben. Er wurde fast 72 Jahre alt. Der Schreiber dieser Zeilen kennt keinen vergleichbaren deutschen Autor, der den Lesern in seinen Büchern die Konsequenzen freiheitlichen Denkens und die praktischen Erkenntnisse der sogenannten Österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaften so vermitteln konnte wie er. In seinem Buch ‚Geld, Gold und Gottspieler: Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise’ hat Baader die Finanzkrise vorhergesagt – damals wollte ich ihm nicht glauben, aber man darf ja schlauer werden. Aber auch seine anderen Bücher sind lesenswert, nicht nur für Anhänger der Österreichischen Schule, sondern für alle, die mal etwas anderes lesen wollen als das, was ihnen aus unseren Qualitätsmedien entgegenquillt. Baader war übrigens, und das erscheint manchem, der die aktuelle liberale Blogosphäre verfolgt, als ungewöhnlich, bekennender Christ. Ich habe ihm vieles zu verdanken. Unser gemeinsamer Glaube erlaubt es mir, den Verlust nicht als ewigen zu empfinden. Aber bis dahin werde ich die Stimme Roland Baaders vermissen.“

Michael Kastner schreibt für „Buchausgabe“: „Roland Baader ist verstorben. Ich trauere um einen großartigen Menschen. Was ich, und viele von uns, die sich der Idee der Freiheit verschrieben haben, ihm verdanken, kann nicht in Worte zu gefaßt werden. Ich bin dankbar dafür, daß ich ihn kennenlernen durfte. Möge er dort, wo er hingegangen ist, die Freiheit und den Frieden finden, für die er hier so leidenschaftlich gerungen hat. Mein Beileid gilt seiner Familie und Freunden, denen ich in diesen schweren Tagen und Wochen der Trauer viel Kraft und Trost wünsche.“

Dirk Maxeiner und Michael Miersch schreiben auf „Die Achse des Guten“: „Wir haben ihn gerne gelesen und viele Anregungen durch ihn bekommen. Der Wirtschafts-Wissenschaftler und Publizist Roland Baader gehörte zu den ganz klugen liberalen Köpfen in diesem Land. Er drängte sich aber niemals laut in den Vordergrund. Zeitlebens beschäftigte ihn, wie die Reste marktwirtschaftlicher Prinzipien immer weiter eingeschränkt werden, bis nichts mehr von der Marktwirtschaft übrig ist. Sein letztes Buch ‚Geldsozialismus’ hat beinahe prophetische Qualitäten. Er gehörte nicht zur Riege der Talkshow-Größen, er war ja auch kein Mode-Philosoph sondern ein nüchtern-analytischer Schüler von Friedrich August von Hayek. Baader blieb gegenüber der talkenden Klasse immer reserviert und hielt ihr den Spiegel vor: ‚Der gefährliche Wandel von der Rechtsgemeinschaft zur Wertegemeinschaft ist ein Traum der Intellektuellen, weil sie hier das Interpretationsmonopol bezüglich Begriffen für sich beanspruchen können. Im Namen der Rechtsgemeinschaft kann man keine Priesterherrschaft errichten, im Namen einer Wertegemeinschaft sehr wohl.’ Roland Baader verstarb am 8. Januar nach langer, schwerer Krankheit.“

Dominik Hennig schreibt auf seinem Blog „Eine neue Freiheit“: „Am 8. Januar ist Roland Baader nach langer schwerer Krankheit verstorben. Wir Freunde der Freiheit verlieren mit ihm den wortgewaltigsten und unerschrockensten Kämpfer für unsere gemeinsame Sache. Roland Baader verdanke ich persönlich sehr, sehr viel. Ich trauere um den größten und kämpferischsten Freiheitsdenker deutscher Zunge, dem ich am meisten vor allen anderen verdanke, in den Irrungen und Wirrungen meiner Sturm- und Drangzeit letztlich doch den Weg zur Idee der Freiheit gefunden zu haben. Ohne seine mich schon als Schüler seit den frühen 90er Jahren inspirierenden Bücher und Veröffentlichungen (etwa in Criticón, in der Schweizerzeit und der Jungen Freiheit und später dann vor allem in seinem Leib- und Magenblatt eigentümlich frei) wäre meine geistige Entwicklung wohl sehr viel unerfreulicher verlaufen und dieses Blog würde statt eines Rothbard-Zitates womöglich ein Hegel-Spruch, eine Keynes-Weisheit oder ein Schüttelreim von Philipp Rösler verunzieren. Roland Baader war ein Leuchtturm für so viele von uns. Sein Lebenswerk wird weiter ein Leuchtfeuer sein, das uns Orientierung bietet und diesen großartigen Menschen unsterblich macht. Unvergessen, was er uns ins Stammbuch schrieb: ‚Gefährlicher für die Bewahrung der Freiheit als die erklärten Freiheitsfeinde sind die Lauen, die Gleichgültigen und die Abwiegler, jene, die verkünden, bei der Zerstörung der Freiheit werde nichts so heiß gegessen wie gekocht. Diese nützlichen Idioten auch einem im Topf von Kannibalen befindlichen Menschen erklären, er möge sich beruhigen, weil nichts so heiß gegessen wie gekocht werde.’ ‚Wir trauern um einen Freund’, diese Worte sprechen sicher jedem von uns aus dem Herzen.“

Ronald Gläser schreibt auf der Internetseite der „Jungen Freiheit“: „Roland Baader galt als einer der wichtigsten Vordenker des modernen Liberalismus in Deutschland. Der Diplomvolkswirt war einer der führenden Publizisten der liberalen Szenerie in Deutschland. Seine klaren Worte wurden und werden von Freidenkern geschätzt. Von Feindschaften, die er gepflegt, oder grundsätzlicher Kritik, die an ihm geübt worden wäre, ist hingegen nichts bekannt. Roland Baader war schon zu Lebzeiten eine Legende. ‚Politische Gewalt fängt mit Geschenken an’, ‚Das Wort Steuergerechtigkeit ist genauso absurd wie die Wörter Raubgerechtigkeit oder Diebstahlsgerechtigkeit’ oder ‚Wer den Markt verhöhnt, verachtet damit die Menschen’ sind typische Sätze von Roland Baader. In einem Minimum an Worten führt er die ganze Ideologie der ‚gesellschaftlichen Umverteilung’ ad absurdum. Es waren diese als Freiheitsfunken titulierten Aphorismen, die Baader in den letzten Jahren noch regelmäßig in Zeitschriften und Büchern veröffentlichte. Mehr schaffte er nicht mehr. Der liberale Publizist war in der letzten Dekade seines Lebens so eingeschränkt durch die Krankheit, daß er öffentlich nur noch selten in Erscheinung trat und sein Arbeitspensum drastisch reduzieren mußte. Wie es heißt, hat er die lange Leidensphase – den Tod stets vor Augen – mit stoischer Gelassenheit ertragen. Sonntag ist dieser letzte Lebensabschnitt Baaders zu Ende gegangen. Im Alter von 71 Jahren ist er verstorben. Die Österreichische Schule verliert mit diesem Friedrich-August-von-Hayek-Schüler einen ihrer größten Vordenker. Er hinterläßt zwei Söhne und eine Tochter – und das Vermächtnis, die Freiheit in Deutschland hochzuhalten.“

Michael von Prollius schreibt auf „Forum Ordnungspolitik“: „Klassisch-Liberale können alt werden, Mises, Hayek und Hazlitt wurden über 90, es sei denn das Entdeckungsverfahren des Lebens endet frühzeitig durch Interventionismus. Manche Interventionen sind derart stark, dass die Selbstheilungskräfte nicht ausreichen. Roland Baader hat mit Klugheit und Einfallsreichtum immerhin seinen Tod hinauszögern können und uns in diesen Jahren eine Fülle von Schriften beschert. Der klassische Liberalismus verliert einen wortgewaltigen Sozialphilosophen und Ökonomen. Andersdenkenden geht ein weithin vernehmbares Korrektiv und ein bedeutsamer Mahner verloren. Oliver Kahn verdankt bekanntlich den Erhalt seines Vermögens vor der Weltwirtschaftskrise der Lektüre von ‚Geld, Gold und Gottspieler’. Konsequente Liberale, noch dazu von solchem Format, sind im deutschsprachigen Raum eine Seltenheit. Wer behauptete liberal zu sein, tatsächlich aber dem Interventionismus immer wieder das Worte redete oder zu schädlichen Kompromissen bereit war, den hielt Roland Baader für ein ‚Weichei’ und sprach das auch aus. Seine Familie und Freunde verlieren einen liebenswerten, klugen Menschen. Der ‚Enkel des Perikles’ lebte sehr bodenständig. Das kann jeder, der seine Bücher liest, spüren. Auch deshalb werden die Schriften des herausragenden Freiheitsdenkers unserer Zeit überdauern und insbesondere viele junge Menschen inspirieren. Insofern hätte Roland Baader vielleicht dem Urteil zugestimmt, dass wir, statt seinen Tod zu beklagen, Gott lieber für sein Leben und Wirken danken sollten.“

Bereits am Todestag startete Peter Boehringer auf dem Goldseiten-Blog mit diesem besonders frühen und kenntnisreichen Nachruf, mit dem wir diese kleine Nachlese auch schließen: „Einer der größten Freiheitsverteidiger und Denker der Gegenwart ist heute am 8. Januar 2012 im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit Roland Baader geht ein persönlicher Freund und ein prägender geistiger Lehrmeister für Dutzende Kollegen und –wie ich aus enorm vielen Gesprächen und Zuschriften weiß– vermutlich für Hunderttausende einfacher aber intellektuell aufgeschlossener und unvoreingenommener Menschen. Wer je ein Buch von Roland Baader in Händen hatte oder wer gar das Glück hatte, ihn kennenlernen zu dürfen, den wird die wohl einmalige Kombination aus unerbittlichem Marktwirtschaftler, Wortgiganten, strengem Logiker und Rationalisten und zugleich menschlich höchst kreativem und feinsinnigem Geist bis zur letzten Seite nicht losgelassen haben. Roland Baader starb nach langer und schwerer Krankheit, wegen der er seit fast zehn Jahren kaum noch öffentlich auftreten konnte. Er hat sein Leiden aber in stoischer bzw. epikureischer Manier ertragen – und es geradezu energetisch bzw. intellektuell umgewandelt in einige seiner größten Werke, die noch in diesen seinen letzten Jahren entstanden sind: Zu seinem späten Œuvre gehören u.a. die ‚Freiheitsfunken’ (2008), in denen seine phantastische Fähigkeit brillierte, vermeintlich komplexe Sachverhalte in Form kurzer Aphorismen auf ihren oft trivialen Kern zu reduzieren und so einem Massenpublikum verständlich zu machen. Dazu gehörte aber auch ‚Geld, Gold und Gottspieler – Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise’ (2004), das keynesianische Gegner der Freiheit und Marktwirtschaft vergeblich als ‚populärwissenschaftlich’ zu diffamieren suchten – das aber getragen ist von einem umfassenden Verständnis der VWL (besser: ‚Nationalökonomie’) durch den ‚Österreicher’ und Freiburger Hayek-Schüler Roland Baader. Kaum ein Werk des 21. Jahrhunderts wird mehr Menschen aufgerüttelt haben für freiheitlich-marktwirtschaftliche Ideen und für den ewigen Kampf des Libertären gegen die dunklen Mächte der Planwirtschaft und Bevormundung als dieses Buch! Treffende Begriffe wie ‚Makroklempnerei’ und ‚Gottspielerei’ waren bereits sieben Jahre vor der heute offensichtlichen Hybris der Weltregierer derart schneidende und griffige Wahrheits-Rhetorik, dass libertäre Blogger sie fast schon unterbewusst in ihren aktiven Wortschatz aufgenommen haben. Sein vorläufiges Letztwerk war der ebenfalls unbedingt lesenswerte ‚Geldsozialismus’ (2010), in dem nochmals in ebenso subtil-feinsinnigen wie donnernd-eindringlichen Sätzen das fraktionale ungedeckte Monopolzwangsgeld unserer Zeit seit 1913/1971 als unnatürlich und hochgefährlich für die Wirtschaft, und die Freiheit der Welt angeprangert wurde. Ich sage ‚vorläufiges Letztwerk’, weil Anlass zur Hoffnung besteht, dass uns Roland Baader mit den durchaus bereits weit gediehenen ‚Freiheitsfunken II’ noch posthum ein weiteres hoch-kreatives und aufrüttelndes Freiheitsfanal hinterlassen hat – wenn auch vermutlich unvollendet. Nach diesem Buch ist es dann an einer neuen Generation freiheitsliebender Menschen, das Fanal bzw. in der kommenden dunklen Zeit wenigstens den Freiheitsfunken zu bewahren und zu nähren. Diese Generation sind wir alle, denn Freiheit verliert man (= fast alle von uns!) in kleinen Scheibchen – die Gegenwart der Machtpolitik beweist uns dies leider beinahe täglich. Roland Baader war sterblich. Sein Werk ist es nicht, denn es behandelte meist die Freiheit (des Individuums) und die Natürlichkeit (des Geldes und der Märkte). Beide aber sind unsterblich, weswegen zwar das Fanal des Botschafters erlöschen kann – nicht jedoch die Ideen! Baader wurde auch als Mensch geachtet, weil er trotz schärfster Logik kein kalter, puristisch-extremer Rationalist und kein intoleranter kurzsichtiger Markttechnokrat war, sondern auch vermeintlich irrationalen oder marktfernen – aber humanen Regungen des Geistes Raum zugestand: So driftete er z.B. nicht wie manche Kollegen aus dem radikal-libertären Lager in den Nihilismus und in destruktiv-anarchistische Utopien ab. Auch lehnte er trotz bei ihm unzweifelhaft vorhandener Bedenken bzgl. der Verführbarkeit der Massen durch charismatische Heilsversprecher und Führer –wie er mir noch bei unserem letzten Gespräch 2011 persönlich versichert hat– antidemokratische Forderungen einiger ‚Peers’ ab – zumindest ‚soweit wir von wahrhaft repräsentativen Demokratieformen sprechen’. Die pervertierte, volksferne und unrepräsentative Parteiendemokratur, die wir heute zunehmend erleben müssen, sah Baader jedoch äußerst kritisch, wie man z.B. in ‚Freiheitsfunken’ nachlesen kann. Auch dem Glauben gestand er problemlos Raum zu und bezeichnete sich auch selbst als christlich und gläubig in dem Sinne, zu dem auch schon eine Reihe großer Naturwissenschaftler (Heisenberg, Bohr, Einstein, Pauli) an einem bestimmten Punkt in ihrem Forscher-Leben gefunden hatten: Unsere Existenz kann letztendlich nicht nur Zufall und reinem Darwinismus geschuldet sein. Es kann durchaus einen großen Meta-Plan und einen übergeordneten Zweck unser Existenz geben, auch wenn uns zu beidem die letzte Einsicht verwehrt bleibt. Ganz sicher aber ist der Plan der Natur für die Menschheit nicht der Plan der Welt-Eliten, welcher zum unmenschlichen und freiheitslosen Weltsozialismus führt. Trotz der überragenden Hybris der Eliten gibt es größere Ideen, Ideale und Werte für die Welt – auch wenn wir keinen letztgültig beweisbaren Einblick in sie haben sollen. Roland Baader hat das verstanden, unsere Beweisnot in Sinnfragen als ‚natürlich’ akzeptiert und dem Abdriften in den Atheismus oder in den menschenfeindlichen Nihilismus widerstanden. Im Vorwort zu einem Buch von Kuehnelt-Leddihn erläuterte er einst, dass speziell in Krisenzeiten ein fester Glaube (‚im Abendland der christliche’) ein überlebensnotwendiger Selbstschutz der Menschen und Gesellschaften sei. Eine notwendige Ergänzung also der materiellen Überlebensstrategien. Baader postulierte somit die natürliche Zusammengehörigkeit von Rationalität (Physik, Logik) einerseits und scheinbarer Irrationalität (Metaphysik, Spiritualität bzw. christliche Religion) andererseits. Vielleicht kann man bei dieser Synthese gar von der Baader´schen ‚Rationalisierung des Irrationalen’ sprechen... Wie dem auch sei: Schon im Boomjahr 2005 beendete Baader eine wie immer logisch-rational stringente wirtschaftliche Krisenanalyse im Smart Investor mit der komplementären Prognose: ‚Wir werden wieder das Beten lernen!’ Roland Baaders Körper ist in diesem Sinne heute zu seinem natürlichen Schöpfer heimgerufen worden, der ihn mit intellektuellem Talent reich bedacht hatte und ihn zeitlebens zur Arbeit für Freiheit, Wahrheit, Natürlichkeit, Markt und Menschen angetrieben hat. Für Werte also, die in Symbiose zusammengehören und die nur gewaltsam-totalitär voneinander getrennt werden können! Und selbst dies nur temporär – am Ende obsiegen sie immer. Die von Roland Baader thematisierten Werte und Ideen sind unsterblich. Wir werden uns an sie wie an ihn erinnern. Heute in tiefer Trauer. Künftig in großer Ehrfurcht und Zuversicht.“


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