Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Euroland: Finanzkrise beendet!

von Andreas Tögel

Die Welt ist gerettet (zumindest für die nächsten paar Stunden)

Endlich ist die Schuldenkrise beigelegt – Gott sei Dank! Zugegeben, das haben wir seit Ausbruch der griechischen Finanztragödie, die sich bei näherer Betrachtung eher als Posse von epischer Breite darstellt, von den um unser Heil besorgten, dennoch aber stets optimistischen FührerInnen der europiden Politbüros schon oft gehört. Von der „einmaligen Hilfe“, um dem Lande der Phäaken nachhaltig auf die Beine zu helfen, bis zur Konstruktion eines unbedingt erforderlichen „dauerhaften Rettungsschirms“; Von der behaupteten „Unmöglichkeit eines Schuldenschnitts“ bis zum Konsens über einen 50-prozentigen „Haircut“ hat es nicht viel länger als ein Jahr gedauert. Die Halbwertszeit der Gültigkeit mit felsenfester Überzeugung abgegebener Absichtserklärungen ist demnach gering. Aber man sollte auch das Positive sehen: Durch das beherzte Eingreifen unserer zu allem bereiten Nomenklatura blieb der Alten Welt – zumindest bislang – der Ausbruch unkontrollierbarer Unruhen und Bürgerkriege erspart. Immerhin.

Natürlich werden notorische Kritikaster – allesamt unterbelichtete Hinterwäldler, die meisten davon zudem mutmaßlich Rechtsradikale – angesichts des jüngst beschlossenen Maßnahmenbündels einwenden, dass damit allenfalls eine Verlängerung und Ausweitung des laufenden Pyramidenspiels verbunden ist. Schließlich wird – um eine Analogie aus dem Bereich der Medizin zu bemühen – eine Wundinfektion nicht durch Erhöhung, sondern durch Senkung der Keimzahl kuriert. Der behandelnde Arzt wird seine Bemühungen stets darauf richten, eine Ausbreitung der Entzündung zu verhindern, um Schaden vom Gesamtorganismus abzuwenden. Warum im vorliegenden Fall eines durch aus dem Ruder gelaufene Verschuldung entstandenen Debakels die weitere Aufblähung des Kreditvolumens helfen sollte, will sich auch auf den zweiten und dritten Blick nicht so recht erschließen. Und weshalb eine Kollektivierung von Risken durch Haftungsübernahmen – also die systemische Verbreitung der „Schuldinfektion“ – heilsame Effekte hinsichtlich der Therapietreue von Schuldnernationen haben sollte, das kann vermutlich nur begreifen, wem von Maynard Keynes selbst oder von einem seiner zahlreichen Epigonen das Gehirn gewaschen wurde.

Aber genaugenommen darf sich der gelernte Europäer über die dräuende Entwicklung gar nicht wundern! Weshalb sollten sich die Kapos der Zentrale anders verhalten als jene in den Provinzen? Wir erleben gegenwärtig nichts weiter, als eine Übertragung der in den Nationalstaaten gepflegten Traditionen auf die europäische Ebene. Schließlich werden auch in den einzelnen Bestandteilen des zunehmend den Wohlstand und den Frieden gefährdenden Euromolochs die Tüchtigen bestraft und Minderleister belohnt. Zentraler Sinn und Zweck eines Wohlfahrtsstaates besteht ja genau darin, das zu tun. Auch stehen die Nationalstaaten stets zuverlässig auf Seiten der Schuldner, niemals auf jener der Gläubiger (warum wohl!?). Spätestens jetzt sind private Geldvermögen nicht mehr länger vor willkürlichen Zugriffen des Staates sicher. Den „Hebel“ dazu bildet die bevorstehende Zwangsrekapitalisierung – also eine Teilverstaatlichung – der „systemrelevanten“ Banken, womit die Möglichkeit eines Zugriffs des Leviathans auf private Ersparnisse indirekt verbunden ist.

Dass schließlich Nicolas Sarkozy, eine der umtriebigsten Figuren Eurolands, ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise – und ohne jede Veranlassung – einen brutalen Angriffskrieg auf einem fremden Kontinent anzettelt, wird nur derjenige für einen Zufall halten, der auch an die Zahnfee glaubt. Soviel zum Ammenmärchen mit dem Titel „Die EU ist ein Friedensprojekt“!

Dass es am Ende private Gläubiger, seien es über Geldvermögen verfügende Bürger oder die wenigen Nettosteuerzahler, sein werden, welche die von den Sozialisten in allen Parteien eingebrockte Suppe auszulöffeln haben, liegt auf der Hand. Schulden müssen letztlich immer bezahlt werden – entweder vom seriösen Debitor (womit der Staat ausscheidet) oder eben vom geprellten Gläubiger. Ein Drittes gibt es nicht.

In Wien pflegt man den Sinnspruch „Es sind auch schon Hausherren gestorben“ – was soviel bedeutet wie: Keiner sollte sich seiner Sache allzu sicher sein. Theodor Baillet von Latour, österreichischer Kriegsminister anno 1848, ist der überraschend hingeschiedene Kronzeuge für den Wahrheitsgehalt dieses Sprichworts: Am 6. Oktober des Revolutionsjahres erfüllte sich das Schicksal dieses Mannes, als er von einem wütenden Mob, der zuvor das Kriegsministerium am Wiener Hof gestürmt hatte, kurzerhand an einer Laterne aufgeknüpft wurde. Der Begriff „laternisieren“ gehört seither zum Sprachschatz der gemeinhin also so überaus gemütlichen bekannten Österreicher.

Denkbar, dass es zu einer von der politischen Klasse der EUdSSR unerwarteten europaweiten Neuauflage dieses ein wenig brachialen austriakischen Brauchtums kommt – etwa dann, wenn sich die Ersparnisse und Altersvorsorgen ganzer Generationen im Zuge einer nun immer wahrscheinlicher werdenden Hyperinflation und/oder Währungsreform in Rauch aufzulösen beginnen. Denn wenn es ums Geld geht, hört der Spaß bekanntlich schlagartig auf. Da an stabilen Kandelabern auch heutzutage weder im Wien, noch an anderen Orten des finanzmaroden Euro-Imperiums Mangel herrscht, wären die Angehörigen der politischen Klasse gut beraten, sich angesichts der interessanten Zeiten, die verarmende Massen ausschließlich ihr zu verdanken haben, nicht länger allzu sicher zu fühlen.

31. Oktober 2011

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